Behinderung und Inklusion Regeln für die Fettnäpfchen-Vermeidung

  • Erst ansprechen, dann anfassen: Gilt insbeondere für Blinde, die sonst erschrecken können. Auch bei Gehörlosen sollten Sie vorher auf sich aufmerksam machen, etwa durch kurzes Winken. Grundsätzlich wollen Behinderte wie alle anderen auch nur berührt werden, wenn es nötig oder der Situation angemessen ist.
  • Erst fragen, dann helfen: Ideal, wie eine blinde Leserin vorschlägt, wenn man statt der gängigen Formulierung "Brauchen Sie Hilfe?" einfach fragt: "Möchten Sie Hilfe?"
  • Zuhören und mitmachen: Beim Helfen Tempo anpassen und den Anweisungen folgen - das behinderte Gegenüber weiß am besten, welche Handgriffe wann nötig und hilfreich sind. Blinde haken sich zum Beispiel bei Ihnen unter, nicht umgekehrt.
  • Geduld haben: Gilt ganz allgemein, aber im Besonderen bei sprachbehinderten Menschen. Zuhören und akzeptieren, dass es länger dauert - auch wenn Sie vielleicht gerade keine Zeit haben, das ist jetzt wichtiger.
  • Miteinander reden: Egal, ob bei hör- oder sprachbehinderten oder Menschen mit Lernschwierigkeiten: Reden Sie, wenn überhaupt, nur mit Kindern in Kindersprache. Bei Menschen mit Lernschwierigkeiten kann es angezeigt sein, ein einfaches Deutsch zu verwenden. Bei Sprach- oder Hörbehinderten ist es hilfreich, klar und deutlich zu sprechen - aber nicht laut oder überbetont. Blinde spüren Blicke, schauen Sie blinde Gesprächspartner an, wie Sie es sonst auch tun. Reden Sie mit dem Menschen, nicht mit Begleitpersonen - nicht einmal mit dem Gebärdensprachdolmetscher, er übersetzt nur.
  • Finger weg von den Hilfsmitteln: Sie sind etwas sehr Persönliches. Beispielsweise darf der Taststock eines Blinden nicht einfach ohne Hinweis ans andere Ende des Tisches geschoben werden. Ein Rollstuhl ist kein Kleiderständer und ein Blindenhund kein Kuscheltier - er arbeitet.
  • Worte wählen: Auch Blinde sagen "Man sieht sich" und auch Rollstuhlfahrer sagen "Auf geht's". Viel problematischer ist, wenn Bezeichnungen für Behinderungen im Sprachgebrauch negativ belegt sind wie "blinde Zerstörungswut" oder "hinkender Vergleich", worauf eine blinde Leserin aufmerksam macht. Was gar nicht geht: vergiftetes oder herablassendes Lob (Blindheit, Gehörlosigkeit, Sprach- oder Gehbehinderungen haben nichts mit geistigen Fähigkeiten zu tun), Mitleid oder Taktlosigkeiten wie "Toll, wie du dein Schicksal meisterst". Übrigens: Behinderte oder besser noch Menschen mit Behinderung sind weder gehandicapt noch hilfsbedürftig - sie sind (oder werden) einfach behindert.

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Die Recherche zu Toleranz

"Vielfalt und Vorurteile: Wie tolerant ist Deutschland?" - Diese Frage hat unsere Leser in der siebten Abstimmungsrunde unseres Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Das folgende Dossier soll sie beantworten.

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    Etwa die Hälfte der Deutschen meint, in Deutschland gebe es zu viele Ausländer. Was wäre, wenn es weniger wären? Oder sagen wir: gar keine? Ein Szenario gegen Stammtischparolen.

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