Von Dörthe Nath

Weiblich, einsam, selbstbewusst: Im Film wie im wahren Leben verschönern sich deutsche Frauen die Zeit gerne mit professionellen Begleitern.

Es ist der Tiefpunkt seiner Karriere und der Beginn eines großen Abenteuers: Franks Chefin verliert den Gefallen an seinen Kolumnen in ihrer Frauenzeitschrift und feuert ihn. Eine Katastrophe im teuren München. Und Franks Freunden geht es nicht besser. Sie beschließen deshalb, einen Begleitservice für Frauen zu gründen. Soweit der Plot der Männerkomödie "Stellungswechsel", die diese Woche in die Kinos kommt (unter anderen mit Florian Lukas und Gustav Peter Wöhler).

Begleitagenturen in Deutschland

Orgasmus garantiert: Szene aus dem Film "Stellungswechsel". (© Foto: ddp)

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Jenseits der Leinwand war es indes nicht die Geldnot, die Brigitte Fuchs und Vera Jesse aus Berlin ihre Begleitagentur gründen ließ. Ihre Ideengeberin war "Ally McBeal", eine amerikanische TV-Anwaltsserie, in der Allys Kollegin neben der Kanzlei einen Escortservice betreibt. Auf dem Sofa von Brigitte Fuchs und Vera Jesse mündete der "Ally McBeal"-Fernsehabend in der Idee, Frauen in Deutschland auf Abruf eine schöne Zeit mit männlicher Begleitung zu ermöglichen. Und zwar ohne Schlüpfrigkeiten.

Als PR-Beraterin kennt Vera Jesse das Gefühl in einer fremden Stadt zu sein. Ihre Überlegung: "Vielleicht möchte man die Kollegen nicht jeden Abend sehen. Da wäre es doch schön, jemanden zu haben, der sich auskennt und mit dem man eine nette Zeit verbringen kann". Das Ergebnis ihrer Recherchen war, dass es bereits viele Begleitagenturen gibt. Auch für Frauen. Aber keine schloss sexuelle Kontakte ausdrücklich aus. Vera Jesse empfand das als unangenehm, "wenn beim Theaterbesuch dann doch alles darauf hinausläuft, dass der Abend im Hotelzimmer endet." Vor knapp zwei Jahren gründeten die beiden Freundinnen dann "Berlin Dandies" und nannten ihre Dienstleistung "Kulturagentur".

Ähnliche Angebote gibt es auch in anderen Städten. In Hamburg finden Frauen etwa bei der Agentur "Compagna" Begleiter, in Süddeutschland heißt das entsprechende Angebot "Femenino". Sexuelle Kontakte werden auch hier ausdrücklich ausgeschlossen. Stattdessen gehen die meisten Kundinnen von "Berlin Dandies" mit ihren 30-bis 62-jährigen Begleitern essen und lassen sich die Stadt zeigen. Sie sind in der Regel über 40, als Touristinnen in der Stadt oder wegen eines geschäftlichen Termins. Letztere sind Geschäftsführerin Vera Jesse die liebsten: Business-Frauen um die 50 seien herrlich entschlossen, sagt sie.

Wählen können sie bei "Berlin Dandies"zwischen mehr als 40 Männern und drei Frauen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Für 50 Euro in der Stunde sind sie Museums-oder Opern-Dandys, joggen mit den Frauen durch den Park oder ziehen nachts mit ihnen durch die Clubs. Und: Alle beherrschen die Grundregeln des guten Benehmens, was sie beim Casting in einem schriftlichen Test beweisen müssen. Eine Lehre, die die beiden Geschäftsführerinnen aus den ersten Probe-Dates zogen: "Anfangs hatten wir supernette, gut aussehende Typen, die aber leider gar keine Tischmanieren besaßen", erzählt Jesse. Jetzt muss jeder Begleiter wissen, dass man das Brot im Restaurant bricht, aufsteht, wenn die Frau von der Toilette kommt und das Besteck von außen nach innen wählt.

Leben kann allerdings keiner vom Dandy-Dasein. Die Begleiter arbeiten hauptberuflich als Schauspieler, Architekten, Dirigenten oder Unternehmensberater. Und auch für die beiden Geschäftsführerinnen ist die Agentur nur ein weiteres Standbein neben Filmproduktion, Öffentlichkeitsarbeit und Kindererziehung.

Im Film "Stellungswechsel" funktioniert das besser: Nach anfänglichen Schwierigkeiten können sich die Männer der Agentur "Deutsche Feinkost" vor Aufträgen kaum noch retten. Und auf ihrem Programm steht mehr als Kultur: Die "Feinkost zum Anfassen" gibt es auf der Leinwand mit "Orgasmusgarantie".

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(Primetime vom 2.10.2007)