Günther Beckstein gilt als einer der uneitelsten Politiker in Bayern. Muss er sein Auftreten ändern, wenn er im Herbst Ministerpräsident wird? Experten antworten.
Udo Walz, Friseur der Kanzlerin in Berlin: "Ich habe Günther Beckstein persönlich kennengelernt und fand ihn sehr amüsant. Der schwafelt nicht rum, sondern ist immer auf dem Punkt. Für seine Frisur empfehle ich kurze Haare. Er soll sich eine Maschine kaufen und den Aufsatz auf drei Millimeter einstellen. Das spart Zeit und Geld. Er kann die Maschine im Badezimmer installieren und muss nicht mehr zum Friseur gehen.
"Er soll sich eine Maschine kaufen und den Aufsatz auf drei Millimeter einstellen", rät Udo Walz. (© Fotos: dpa, ddp, getty images)
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Akkurat sieht er trotzdem aus. Haare färben finde ich schrecklich. Das sieht alt und lächerlich aus und der Mann wird zu einer tragischen Figur. Beckstein muss sich gar nicht umstellen, sein Gesamtoutfit finde ich sehr korrekt. Allerdings müssen Politiker heutzutage nicht immer eine Krawatte tragen. Wenn doch, dann rate ich ihm zu einem auffallenden Exemplar: in Rot."
Dorothea Beisser, Leiterin der Modeschule Esmod in München: "Ich kenne Herrn Beckstein nur von öffentlichen Auftritten, aber meines Erachtens hat er gar keine schlechte Figur. Ich sehe überhaupt kein Problem, wo er seine Anzüge ersteht, wichtig ist nur die gute Qualität des Outfits: Ein hochwertiges Material, damit die Hosen nicht gleich Knitterfalten bekommen, wenn man sich einmal hinsetzt. Wenn man darauf achtet, ist es egal, ob die Anzüge aus einer Boutique oder aus dem Fabrikverkauf kommen.
Für seine Stellung sind gedeckte Farben sicher richtig. Dunkelblau, grau oder schwarz sieht immer elegant aus. Die Krawatte ist natürlich der Herausputzer bei Herrenklamotten. Schön finde ich, wenn es eine Farbharmonie von Hemd und Krawatte gibt. Dann kann man auch mal rosa oder hellblau tragen. Richtig umkrempeln muss sich Herr Beckstein nicht. Aber wenn er das will, kann er gerne bei uns vorbeikommen. Unsere jungen Designer stellen ihm auch gerne einen Freizeitlook zusammen, mit Jeans und Blazer zum Beispiel. Oder eine feudale Abendgarderobe."
Peter Eduard Meier, Schuhexperte und Geschäftsführer von Eduard Meier, vormaliger Hoflieferant in München: "Grundsätzlich haben unsere Politiker in Sachen Schuhe erheblichen Nachholbedarf. Als Vorbild können sie sich Kronprinz Rupprecht nehmen, der war immer sehr gut angezogen. Becksteins Schuhe kenne ich nicht, aber meist werden Schuhe von außen am meisten, vom Träger dagegen am wenigsten beachtet. Dabei signalisiert ein klassisch-gediegener Schuh die Werte, die der Träger vermitteln möchte.
Es gibt eine grundklassische Kleidung, die sich durch Qualität und Gediegenheit auszeichnet. Ich rate also - auch tagsüber - zum schwarzen Schuh, relativ glatt und mit gerader Kappe. Auch für den Gürtel gilt: absolut klassisch. Also keine auffälligen Schließen und zum schwarzen Schuh natürlich nur schwarzen Gürtel. Beim dreiteiligen Anzug darf der Gürtel nicht zu sehen sein. Was Becksteins Auftritt in Turnschuhen betrifft: Das zeugt von einer anderen Art von humorvoller Sportlichkeit."
Siglinde Zisler, Leiterin der Deutschen Meisterschule für Mode in München: "Günther Beckstein ist immer eher unauffällig, aber gut und seriös gekleidet. Gerhard Schröder beispielsweise hat sein Image durch die Art seiner Anzüge sehr geändert, ich weiß nicht, wie das mit dem Amt von Herrn Beckstein vereinbar wäre. Männer in einer solchen Position sind mit guter Qualität grundsätzlich gut bedient. Schrecklich finde ich persönlich braune Schuhe am Abend.
Oder wenn Männer bei offiziellen Anlässen in hellen Hosen, braunen Schuhen und einem andersfarbigem Sakko auftreten. Dann lieber ein kompletter Anzug und der eher dunkel. Beckstein trägt viel grau, er könnte auch mal eine andere Farbe wählen. Bei der Krawatte gilt auch: vor allem gute Qualität. Außerhalb der Politik spielen Krawatten kaum noch eine Rolle. Da geht auch ein gut geschnittenes Shirt zum Anzug. Beckstein würde ich aber zur Krawatte in dem Stil raten: witzig, aber nicht albern."
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(SZ vom 21./22.7.2007)
" Er kann die Maschine im Badezimmer installieren und muss nicht mehr zum Friseur gehen. "
Hmm, das hört sich irgendwie gefährlich an.
Fazit dieses Artikels:
Bin jetzt in Beckstein verliebt.
(Nein, ein wenig Übertreibung ist schon dabei)
Na wunderbar!
Hier sind sie wieder, die unverzichtbaren "Experten" mit ihren großartigen Tipps.
Begeisternd und vor allem so unglaublich wichtig, wie der gesamte Artikel.
Das könnte auch auf RTL 2 oder Pro 7 laufen...
nach so vielen super-eitlen Gockeln in Bayern wie Stoiber, Faltlhauser & Co eine wahre
Wohltat. Die sind von normalen Bürgern garnicht mehr ansprechbar, weil die nur noch
im Panzerwagen mit Geleitschutz unterwegs sind. Ein weltpolitisches Schwergewicht
wie ein bayrischer Ministerpräsident ist ja auch aussergewöhnlich gefärhdet. Wenn man
in Bayern mit 50 % dieser Wichtigtuereien Schluss macht, spart man einen dreistelligen
Millionenbetrag pro Jahr.
Offensichtlich ist hier ein gewisser Joschka in Vergessenheit
geraten.
Aber vermutlich wird Herr Beckstein, seinerseits auch "auf dem
langem Weg zu sich selbst"..., den revolutionären Gang durch
die Institutionen antreten.
MfG
Zack
ps.
Der lange Weg ist freilich auch anstrengend - da erlebt mancher
auch so schreckliche Sachen - wie braune Schuhe am abend...
Danke SZ.