BBC-Studie zur Popularität der Deutschen Liebesgrüße an den Gartenzwerg

Wir sind eine Nation von Spießern, die Wortungetüme und Würste liebt. Und dennoch hat die BBC die Deutschen zur beliebtesten Nation gekürt. Wie konnte das passieren? Eine Spurensuche.

Von Violetta Simon

Man liest es und kann es nicht fassen: "Deutschland ist das beliebteste Land der Welt", meldet der britische Rundfunksender BBC. Wie kommen die auf so was? Offenbar durch die jährliche Umfrage des BBC World Service: 59 Prozent der mehr als 26.000 Befragten in 25 Ländern bewerteten demnach den Einfluss Deutschlands in der Welt als "vor allem positiv".

Aha! Da haben wir es schon. Was, bitte, sagt der positive Einfluss eines Landes über seine Beliebtheit aus? Sicher, man bewundert uns für unser dunkles Brot und unsere Zuverlässigkeit. Und man respektiert uns für unsere Wirtschaftspolitik - jedenfalls solange man nicht in ihren unmittelbaren Genuss kommt. Fragen Sie mal die Griechen, wie sehr die uns mögen: Als einzige Nation ist die Mehrheit der Befragten aus dem Krisenland der Ansicht, Deutschland habe einen negativen Einfluss.

Geliebt werden Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien - für ihre Sprache, die gute Küche, ihre schönen Menschen und deren Lebensart. Die meisten Menschen kriegen einen verklärten Blick, wenn sie an Italien denken, "dolce vita" hören oder das Knattern einer Vespa. Obwohl die Deutschen mindestens ebenso viel trinken, sind sie es die Italiener, die dabei sexy wirken. Weil sie in der Küche am großen Eichentisch mit der Großfamilie den Chianti fließen lassen - und nicht im Wohnzimmer auf der Sofalandschaft an der Bierflasche nuckeln. Sogar Berlusconi hat man ihnen nachgesehen - jedenfalls ziemlich lange.

Aber Deutschland? Kann man ein Land lieben, das bekannt ist für seine Würste, Schäferhunde und Doppelnamen? Ein Land, das berüchtigt ist für sein Strebertum und seine Gartenzwerge? Das Eigenheiten pflegt wie Sonntagsbraten und Ü-30- bzw. Ü-40- bzw. Ü-50-Partys. Das auf Joghurtkulturen und Darmspülung schwört?

Kann man ein Land anbeten, das die Kuckucksuhren und das Ehrenamt erfunden hat? Das die Volksmusik hervorgebracht hat - und Wortungetüme wie "Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung"?

Einige von ihnen haben es sogar in andere Sprachen geschafft, weil die zugehörigen Ländern keine Begriffe für deren Bedeutung haben. Es sind vor allem Wörter, die unsere Spießigkeit untermauern: "Turnverein", "Kitsch", "Gemütlichkeit". Und wenn die Australier von "Oom pah pah" und die Finnen von "Kaffeepausi" sprechen, weiß jeder, was gemeint ist.

Und um nochmal auf die vermeintliche Überlegenheit in Sachen Brot zurückzukommen: Kann man ein Land lieben, das über "Brot-Boutiquen" verfügt, in denen jeder Südeuropäer verzweifelt angesichts des Überangebots von zwanzig Sorten Vollkornbrot und fünfzehn Sorten Brötchen? (Während wir ohne Stottern eben mal eine "Natriumarme Laugen-Stange aus Kartoffelteig mit Sesam, aber ohne Mohn" ordern.)

Würde Deutschland sterben, wäre auf seinem Grabstein zu lesen: "Es hat sich stets bemüht". Es ist wie es ist: Uns kann man jederzeit sein Geld anvertrauen, aber nicht sein Grundstück - es sei denn, man freut sich, wenn man es mit akkurat gestutzter Hecke, Geräteschuppen und Gartenzwergkolonie zurückbekommt.

Kann man so ein Land wirklich lieben? Nun, man kann es zumindest probieren. Schließlich haben unsere Nachbarn auch nicht nur sympathische Eigenheiten.

Mag sein, dass Italien es einem auf den ersten Blick leichter macht mit all der Sonne, dem Meer, dem Rotwein. Aber versuchen Sie mal, einen Termin bei einem Professor zu kriegen. Oder bei einer KFZ-Werkstatt. Oder mal eben ein Paket in der Post aufzugeben. Ganz zu schweigen von der italienischen Bürokratie.

Mit einem funktionierenden Steuersystem und Jägerzäunen gewinnt man dagegen nicht so einfach Herzen. Aber BBC-Umfragen, immerhin. Das ist doch schonmal was. Darauf ein kräftiges "Oom pah pah".