Babysitterpreise in Deutschland Wickeln, spielen, hätscheln für 9,80 Euro die Stunde

Gute Kinderbetreuung ist Alltagssorge vieler Eltern und Lieblingsstreitthema der Politiker. Viele Familien organisieren sich daher privat einen Aufpasser. Aber wie viel bezahlt man einem Babysitter?

Von Merle Sievers

Kinder sind für ihre Eltern das Liebste, Wichtigste und Kostbarste auf der Welt. Für sie ist nichts zu teuer, kein Aufwand zu groß. Und natürlich werden die lieben Kleinen nicht einfach irgendjemandem anvertraut. Eltern wünschen sich einen zuverlässigen Babysitter für ihr Kind. Doch wieviel bezahlt man für einen guten Aufpasser?

Für viele Dienstleistungen gibt es Tarifverträge oder Richtwerte, an denen Auftraggeber sich bei der Bezahlung orientieren können. Aber für Babysitter? Fehlanzeige. Meistens wird der Preis ausgehandelt oder der Babysitter legt seinen Stundenlohn von vorne herein fest, wie auf der Plattform kinderfee.de.

Das Portal vermittelt zwischen Familien, die eine Kinderbetreuung suchen und Babysittern, die ihre Dienste anbieten. Diese legen sich ein Profil mit Angaben zu Alter, Erfahrung und Verfügbarkeit an, die von der Plattform überprüft werden. Je nachdem, in welcher Region man in Deutschland einen Babysitter sucht, variieren die Preise stark.

Der teure Süden

Am teuersten ist die private Kinderbetreuung in Großstädten und Ballungsgebieten, wo viele Eltern berufstätig sind. In München kostet ein Babysitter knapp zwölf Euro pro Stunde, in Frankfurt und Stuttgart um die elf Euro. Am günstigsten sind Babysitter im Ruhrgebiet und in Ostdeutschland. In Dresden und Leipzig kosten sie knappe neun Euro und in Duisburg sogar nur 8,40 Euro pro Stunde. Im Durchschnitt zahlen Eltern in Deutschland 9,80 Euro für einen Babysitter. Diese Werte wurden von kinderfee.de auf Grundlage der mehr als 7300 Buchungen bei dem Portal erfasst. In den Preisen ist allerdings auch eine Service-Gebühr enthalten, mit der Kinder und Betreuer unfall- und haftpflichtversichert sind.

Zwölf Euro pro Stunde, 60 bis 70 Euro für einen ruhigen Abend, den man mit seinem Partner im Restaurant oder im Kino verbringen will. Ist das angemessen? "Es kommt drauf an", sagt Izabela, die selbst seit vielen Jahren nebenberuflich Kinder betreut. "Viele Babysitter machen einen Unterschied zwischen Tages- und Abendbetreuung." Tagsüber müsse der Nachwuchs oft beschäftigt und versorgt werden: Ausflüge zum Spielplatz, Wickeln, Essen kochen können schnell zum Fulltime-Job werden. "Wenn der Babysitter allerdings nur kommt, um die Kinder ins Bett zu bringen und den Rest des Abends auf dem Sofa vor dem Fernseher zu verbringen, kann das ruhig weniger kosten."

Außerdem geht es bei der Preisfrage darum, wen man als Babysitter engagiert. Ausgebildete Erzieher oder Pädagogen sind teurer als der Teenager oder Student aus der Nachbarschaft. Wer sich bei der Suche nach einem geeigneten Aufpasser an eine professionelle Agentur wendet, erspart sich zwar die mühsame Suche, darf aber auch gleich etwas tiefer in die Tasche greifen.

Babysitter von der Steuer absetzen

Kinderbetreuung kann nicht nur teuer werden, die Diskussion darüber spaltet auch die Politik. Zwar haben vom 1. August 2013 an alle Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, doch ob die Umsetzung wirklich gelingt, daran zweifeln viele. Eltern werden auch in Zukunft auf die privat organisierte Betreuung für ihre Kinder zurückgreifen müssen.

Was viele nicht wissen: Oft kann man Babysitter-Ausgaben zumindest teilweise von der Steuer absetzen. "Eltern können bis zu zwei Drittel der Betreuungskosten für ein Kind steuerlich geltend machen", sagt Markus Deutsch vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine zu Süddeutsche.de. Die Obergrenze liege da allerdings bei 4000 Euro im Jahr. "Es dürfen nur die Betreuungskosten abgerechnet werden, keine Verpflegung und kein Unterricht". Was aber sonst dazu gehört ist verblüffend. Wenn zum Beispiel Großeltern oder Bekannte zu der Familie nach Hause kommen, um auf das Kind aufzupassen, können die Fahrtkosten von der Steuer abgesetzt werden. Allerdings muss vorher vertraglich geregelt sein, dass der Sitter die Fahrtkosten erstattet bekommt. "Babysitter können einfach eine Rechnung schreiben, mit der die Eltern die Kosten dann absetzen können", erklärt Deutsch. Die Bezahlung muss dafür per Überweisung erfolgen.