Zehn Jahre arbeitete Schering an hormonellen Verhütungsmöglichkeiten für den Mann. Nun wurde die Forschung eingestellt: Das Mittel schickte die Testpersonen auf eine Achterbahn der Gefühle.
Fast hätte es so ausgesehen, als könnten Männer künftig mehr Verantwortung für die Verhütung übernehmen, doch diese Idee ist nun gescheitert.
Die Psyche des Mannes ist auf Hormoneinnahme nicht eingestellt (© Foto: iStockphoto)
Anzeige
Nach etwa zehn Jahren hat der Berliner Arzneimittelhersteller Schering die Entwicklung einer Anti-Baby-Pille für den Mann eingestellt - und teilte dies am Dienstag bei einem Analystentreffen mit.
Medizinisch gab es für die Entscheidung eigentlich keinen Grund. Das neue Verhütungsmittel für den Mann - eine Kombination aus Spritze und Hormonimplantat - hatte in einer europaweiten Studie an 350 Teilnehmern zuverlässig gewirkt und wurde gut vertragen.
Der Forschungsstopp hat eher andere Gründe - und die sind in der Psyche des Mannes zu suchen: Männer halten die mit der Einnahme von Hormonen verbundenen Stimmungswechsel nicht so gut aus.
Fast alle Teilnehmer der Studie beklagten starke Stimmungsschwankungen sowie emotionale Hochs und Tiefs, sagte Professor Eberhard Nieschlag, Androloge des Instituts für Reproduktionsmedizin des Uni-Klinikums Münster, der Welt.
Auch die Placebo-Patienten wurden launisch
Das Erstaunliche daran: Die durchgeführte Studie war verblindet, einige Tester bekamen nur ein wirkungsloses Präparat, ein Placebo. Aber alle Teilnehmer litten an Stimmungswechseln. "Am meisten erstaunte uns, dass auch jene Männer die Begleiterscheinungen beklagten, die das Placebo bekommen hatten", sagt Nieschlag.
So oder so reagierten die beteiligten Tester also hoch empfindlich und irrational auf Placebo oder Pille - weshalb das Mittel von vornherein wohl zum Scheitern verurteilt war.
Der Pharmakonzern Schering hatte in den neunziger Jahren mit der Erforschung der Pille für den Mann begonnen. Von 2002 bis 2006 kooperierte der Arzneimittelhersteller mit dem niederländischen Pharmakonzern Organon. Gemeinsam führten beide Firmen eine Phase-II-Studie durch, in der das Mittel in der zweiten von drei vorgeschriebenen Testphasen am Menschen ausprobiert wird.
Organon stieg 2006 aus der Entwicklung aus, denn die hormonelle Verhütung für den Mann erwies sich als komplizierter als die Einnahme der normalen Anti-Baby-Pille. "Frauen sind es gewohnt, regelmäßig an ihre Verhütung zu denken", sagt eine Organon-Sprecherin. "Bei Männern war die Bereitschaft zu gering, das Mittel zuverlässig zu verwenden."
Ähnlichkeiten zum prämenstruellen Syndrom
Tatsächlich ist die Männer-Pille eine Kombination aus dem männlichen Sexualhormon Testosteron, das alle drei Monate per Spritze verabreicht wird. Zusätzlich bekommen die Männer ein Implantat oder Pflaster, das das weibliche Hormon Gestagen abgibt und damit die Spermienproduktion und den Testosteronspiegel senkt.
Doch genau dieses Wechselspiel scheint bei Männern einen unerträglichen Gefühlscocktail zu bewirken. "Wenn ich gerade Testosteron gespritzt bekommen hatte, war ich mutig, aggressiv und voll Energie", sagt der britische Journalist Clint Witchalls, der die Pille ein halbes Jahr ausprobiert hat - und die Achterbahn der Gefühle in seinem neuen Buch "Die Pille und ich" beschreibt.
,,In den Phasen vor der neuen Spritze war ich unsicher, anhänglich und introvertiert.'' Wie eine Frau. "Ich würde nie sagen, dass das prämenstruelle Syndrom eingebildet ist", sagt Witchalls. "Jedenfalls jetzt nicht mehr."
Der Pharmakonzern Schering begründet den Stopp der Pille sachlicher: Die Kombination der komplizierten Darreichung, der fehlenden Akzeptanz und dem daher ungenügenden Marktpotential hätten dazu geführt, die Forschung zu beenden, sagt ein Sprecher.
Ein entscheidender Grund war aber auch die Übernahme durch den Wettbewerber Bayer. Im vergangenen Jahr war Schering von Bayer gekauft worden, seither hatte der neue Pharmachef Arthur Higgins penibel die gesamte Forschung durchleuchten lassen.
Insgesamt zwanzig potentielle neue Medikamente fallen der künftigen Fokussierung aus "strategischen Überlegungen oder aufgrund geringer Erfolgsaussichten" zum Opfer, so auch die hormonelle Verhütung für den Mann.
Das Aufspüren zukunftsträchtiger Wirkstoffe will Bayer auf vier Bereiche konzentrieren: Onkologie (Krebs), Kardiologie, diagnostische Bildgebung und Frauengesundheit, womit das Unternehmen auch die Verhütung per Pille meint. Auf diesem Gebiet ist Schering bereits Weltmarktführer. Und der Hersteller will nun wohl weiter auf die - zuverlässigen und robusteren - Frauen setzen.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 20.6.2007)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Der Artikel ist eine geschickte polemische Hetze gegen Männer. In jedem Abschnitt werden Unterstellungen ausgesprochen, bei denen es sich offensichtlich um die persönliche Meinung der Autorin (bzw. einer Organon-Sprecherin) handelt:
- Männer übernehmen keine oder zu wenig Verantwortung für die Verhütung
- Männer sind unzuverlässig und emotional labil
- Männer ertragen hormonelle Stimmungsschwankungen schlechter aus als Frauen
- Männer sind hoch empfindlich und irrational
- Männer halten Stimmungsschwankungen wie beim prämenstuellen Syndorm für eingebildet.
Diese Vorurteile werden als Grund für die Einstellung der Forschung dargestellt. Die eigentlichen Argumente dafür, nämlich die komplizierte Darreichung, fehlende Akzeptanz und ungenügendes Marktpotential werden unterbewertet und lediglich als Folge der sachlichen Ausdrucksweise von Schering dargestellt.
Dabei lässt die Autorin wichtige Tatsachen geschickt in der Nebensächlichkeit verblassen:
- Placebo-Effekte in Blindstudien sind üblich. Die Seele (auch die des Mannes) ist weder unempfindlich noch rational. Eine solche Blindstudie unter Frauen, die hormonelle Verhütungspräparate verabreicht bekämen, würde denselben Effekt haben.
- Die Art der Verabreichung (Spritze und Implantat oder Pflaster) ist komplizierter und invasiver als die orale Einnahme.
- Die kombinierte Gabe von Testosteron und Gestagen greift grundlegender in den Organismus ein, als dies bei hormonellen Verhütungsmitteln für Frauen der Fall ist.
Der Grund für so ein polemisches Argumentieren gegen das andere Geschlecht hat seine Ursache oft in einer Schwierigkeit, die eigene Sexualität zu akzeptieren. Das kann dazu führen, dass man Teile der eigenen Identität unterdrückt und diese Anteile dafür beim anderen Geschlecht bekämpft. So wie die Autorin es in ihrem Artikel macht. Manchmal sagt man dazu auch: Diskriminierung.
Wenn die Natur Männer bevorzugt, warum leben dann Frauen im Schnitt länger?
Der Grund für das erhöhte Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken bei Einnahme von Antibabypillen liegt nach heutigem Wissenstand an einem erhöhten Risiko sich mit Papillomaviren zu infizieren. Diese Viren werden als Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs angenommen.
Das Risiko an Eierstock- und Endometriumkrebs zu erkanken ist bei der Antibabypille um 40% vermindert. Das Problem mit Leberkrebs ist bei Kombinationspräparaten definitiv gegeben, das Brustkrebsrisiko jedoch umstritten, je nach Studie besteht entweder ein leicht erhöhtes Risiko oder keins.
Kein Medikament ist ohne jedes Risiko, aber in diesem Fall sind die Risiken und die gewonne Sicherheit ziemlich ausgewogen und zu dem ist die Versagerquote bei modernen Verhütungspillen sehr gering.
LMP, wenn sie hier öffentlich mit Fachkenntnissen prahlen, sollten Sie sich vorher kundig machen....Faktisch können ihre Kenntnisse nicht ein mal aus der Apotheker-Zeitung stammen...
Die Internationalen Krebsforschungsagentur IARC hat eine Studie über den Zusammenhang von Hormonpräparaten und dem Krebsrisiko vorgelegt. Demnach begünstigt die regelmäßige Einnahme der Anti-Baby-Pille mit den kombinierten Hormonen östrogen und Progesteron die Entstehung von Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Leberkrebs.Für die vorgelegte Studie analysierten die Wissenschaftler mehr als 60 Forschungsarbeiten zum Thema. Die Agentur IARC gehört zur Weltgesundheitsorganisation WHO.
Vierzig Jahre lang haben Parsons und Kollegen den Werdegang von 759 Männern verfolgt, von denen 111 an Prostatakrebs erkrankten. Die Datenanalyse zeigte, dass das Erkrankungsrisiko mit dem Spiegel freien Testosterons im Blut stieg. Der Zusammenhang war unabhängig von Größe, Gewicht sowie Fett- beziehungsweise Muskelmasse sowie vom Gesamttestosteron-Spiegel.
Und wieder hat die Natur die Männer bevorzugt :-) :-) :-)
Häufige Orgasmen ( Ejakulationen ) schützen vor Prostatakrebs.
Eine dahingehende australische Studie wurde nun bestätigt.
übrigens LMP: gesellschaftliche und soziale Realitäten machen noch keine Männerhasserein,.. allerhöchstens eine GesellschaftskritikerRIN!
Mei, mei, Frau Redakteurin: "Medizinisch gab es für die Entscheidung eigentlich keinen Grund. (...) Fast alle Teilnehmer der Studie beklagten starke Stimmungsschwankungen sowie emotionale Hochs und Tiefs."
Gesundheit ist hierzulande (und von der WHO) als körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden definiert. Für Gesundheit - bzw. deren Abwesenheit - ist hierzulande die Medizin zuständig. Wie also können psychische Belastungen kein medizinisches Problem sein??
Interessant ist natürlich allemal, dass es im Grunde nicht um das Medikament ging. (Richtig hätte es also heißen müssen: Pharmakologisch gab es für die Entscheidung eigentlich keinen Grund.) Sondern darum, dass den Männern der Gedanke, hormonelle Eingriffe doktorn an ihrer Männlichkeit herum, nicht gut bekommt.
Ich frage mich, was eine vergleichbare Studie ergäbe, würde die Antibabypille für die Frau erst heute erfunden. Denn es waren damals andere Zeiten, in denen die sexuelle Revolution vielen wichtiger war als das innere Wohlbefinden, während heute körperliche Gesundheit und Fitness zumindest dem Worte nach hoch im Kurs stehen. Man sollte dieses Ergebnis daher vielleicht als einen Hinweis nehmen, sich nicht allzusehr von solchen Trends in Grundsatzfragen aller Art beeinflussen zu lassen und vielleicht mal zu überlegen, ob man in 20, 30, 40 Jahren die Entscheidung immer noch gut finden würde. Denn heute ist die flächendeckende und jahrzehntelange Beeinflussung der Hormone bei Frauen (und dass das nicht "gesund" sein kann, hätte sich jeder rechtzeitig denken können, und man nehme das als Erinnerung an so Dinge wie Genfood etc.) kaum noch rückgängig zu machen, zu viel Geld wird damit verdient, zu tief sind die Gewohnheiten verwurzelt.
Möglich wäre, dass sich - wie bei Frauen- herausstellt, dass Hormongaben Krebs erzeugen. Für sowas müssen sich Männer auch nicht hergeben...
Die männliche Pharmazie hat bereite entschieden:
Die Hormongaben, die mit erhöhtem Krebsrisiko assoziiert sind, waren bei postmenopausalen Frauen viel höher und anders zusammengesetzt als bei Verhütungspillen. Das kann man nicht so einfach vergleichen. Außerdem wären Männer mit niedrigeren Testosteronspiegeln besser vor Gefäßerkrankungen und Prostatakrebs geschützt. Sexualhormone haben je nach Tumor hemmende oder fördernde oder schlicht gar keine Effekte.
Paging