sueddeutsche.de: Sollten Kinder Sonnenbrillen tragen oder riskiert man, dass sich das Auge schlechter ans Licht adaptieren kann?

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Konen: Mit Vollendung des ersten Lebensjahres sind Kinderaugen genauso entwickelt wie Erwachsenenaugen. Deshalb müssen Kinder im Alltag keine schützenden Gläser tragen. Das ist eher eine Modeerscheinung: Der Erwachsene trägt eine schicke Sonnenbrille, da will das Kind natürlich auch eine haben. Wovor ich aber warne: dem Kind eine Sonnenbrille aufzusetzen, die nur schön getönt ist, aber kein CE-Zeichen trägt. In diesem Fall schadet man dem Kinderauge, weil die UV-Strahlen ungefiltert auf die erweiterte Pupille fallen.

sueddeutsche.de: Kürzlich konnte man in China und der Mongolei eine totale Sonnenfinsternis beobachten. Wie gefährlich ist dieser Blick gen Himmel?

Konen: Das ist sehr gefährlich. In dem Fall reicht auch die CE-zertifizierte Sonnenbrille nicht. Die Menschen wollen die Sonnenfinsternis unbedingt ganz genau sehen und ignorieren den Reflex, nicht direkt in das Licht zu blicken. Doch selbst der schmale Ring um die Sonnenfinsternis herum kann erhebliche Schäden verursachen. Wenn die Finsternis total ist, kann man tatsächlich länger als gewöhnlich in die Sonne blicken. Aber wenn die Sonne wieder hinter dem Mond hervorkommt, ist die Energiedichte so hoch, dass sich die Strahlen direkt in die Netzhaut brennen. Das ist vergleichbar mit dem Brennglaseffekt, sprich, wenn man mittels einer Lupe und Sonnenlicht eine Zeitung in Brand setzt.

sueddeutsche.de: Aber es gibt doch spezielle Schutzbrillen zur Beobachtung einer Sonnenfinsternis.

Konen: Trotzdem sind die Wartezimmer der Augenärzte nach einem solchen Naturschauspiel voll mit Patienten, die sich die Netzhaut verbrannt haben. Eine korrekte Schutzbrille muss ein so dunkles Glas haben, dass sie sich nicht mehr in einem Raum orientieren können, sondern nur noch die Sonne entdecken. Eigens geschwärzte Gläser sind häufig ungleichmäßig gefärbt und damit kein zuverlässiger Schutz. Die speziellen Folien-Brillen filtern ausreichend Strahlen, doch die Leute gucken - weil sie meinen, nicht genügend zu sehen - zu leichtfertig über den Rand der Brille hinweg.

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(sueddeutsche.de/imm)