Interview: Mirja Kuckuk

Sonnenbrand auf den Augen? Ja, das gibt es. Mit der falschen Sonnenbrille kann man der Netzhaut schaden. Wie wir unsere Augen vor zu viel Sonne schützen.

Je größer, desto besser, je dunkler, desto lässiger - das ist modischer Schnickschnack, sagt Professor Walter Konen vom Zentrum für Augenheilkunde der Universitätsklinik Köln. Er erklärt, welche Sonnenbrille die richtige ist - und welche Strahlen man meiden sollte.

Augensch䤥n durch Sonne; iStockphotos

Im Hochgebirge sollte man die Sonne besser abblitzen lassen. (© Foto: iStockphotos)

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sueddeutsche.de: Wie gefährlich ist die mitteleuropäische Sommersonne für die Augen?

Walter Konen: Die Sonne, die in deutschen oder europäischen Städten auf uns scheint, kann unsere Augen nicht schädigen. Vorausgesetzt, wir gucken nicht direkt in den Himmelskörper. Sonnenbrillen sind deshalb nicht zwingend notwendig.

sueddeutsche.de: Sonnenbrillen sind also ein pures Accessoire?

Konen: Wenn man eine Sonnenbrille aufsetzt, sollte sie in jedem Fall ein "CE"-Zeichen tragen. Denn nicht die schicke dunkle oder fröhlich-rosarote Brille ist gut für die Augen, sondern entscheidend sind die richtigen Filter im Glas. Sie müssen das Auge vor den energiereichen Kurzwellen schützen. Die Schutzwirkung von Gläsern hängt keinesfalls von der Tönung ab, sondern von ihrer Beschaffenheit. Schlimmstenfalls schadet man seinen Augen mit schlechten Gläsern.

sueddeutsche.de: Was kann passieren?

Konen: Besitzen Brillengläser keinen Filter gegen UV-Strahlen, sondern sind einfach nur dunkel getönt, weiten sich die Pupillen und man öffnet sozusagen Tür und Tor für die schädlichen Strahlen. Diese können die Netzhaut angreifen oder einen "Sonnenbrand" auf der Hornhaut verursachen, die sogenannte Schneeblindheit. Diese Veränderungen auf der Hornhautoberfläche tun höllisch weh und machen sehr lichtempfindlich. "Blind" ist man, weil man die Augen nicht mehr öffnen kann. Nach drei Tagen im abgedunkelten Raum ist der Sonnenbrand wieder abgeheilt.

sueddeutsche.de: Wo sollte man also besser eine Sonnenbrille aufsetzen?

Konen: Ratsam ist es im Hochgebirge, wo die Atmosphäre vermehrt Strahlen durchlässt. Auch am Meer sind wir durch die Reflexion des Wassers einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt. Das Ozonloch, insbesondere in Australien, kann die Strahlung partiell erhöhen. Dort ist eine CE-gekennzeichnete Sonnenbrille dringend zu empfehlen. An den Polen, wo Eis und Schnee besonders stark das Licht reflektieren, zieht man Schutzbrillen auf. Diese sind nicht unbedingt getönt, besitzen aber entsprechende Filter. Eine Tönung macht das Sehen bei extremer Helligkeit einfach angenehmer, sie ist aber nicht essentiell.

sueddeutsche.de: Gibt es langfristige Schäden durch Sonne, die sich erst im Alter bemerkbar machen?

Konen: Das Auge zeigt im fortgeschrittenen Alter Abnutzungserscheinungen. Menschen, die besonders intensivem Sonnenlicht ausgesetzt waren, können möglicherweise früher einen grauen Star bekommen als Menschen, die - überspitzt gesagt - nie die Augen aufgemacht haben. Doch generell schädigt normales Sonnenlicht das Auge nicht.

sueddeutsche.de: Welche Augen sind besonders empfindlich?

Konen: Helle Augen haben weniger Irispigmente als braune und lassen deshalb etwas mehr Strahlen durch. Zudem können bestimmte Medikamente, etwa zur Behandlung von Hauterkrankungen, photosensibilisierend auf Haut und Netzhaut wirken. Kinderaugen sind normalerweise nicht empfindlicher als die von Erwachsenen. Lediglich im Schnee sind Kinder aufgrund ihrer Körpergröße stärker der Reflexion von UV-Strahlen ausgesetzt.

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