Aufregung um eine Spielfigur "Er ist ein Held und ein Helfer"

Seit anderthalb Jahren gibt es im Lego-Sortiment einen "Gefahrengutbeauftragten". Angesichts der Atomkatastrophe in Fukushima erscheint das Männlein im orangenen Schutzanzug manchem geschmacklos. Bei Lego sieht man das anders.

Interview: Malte Conradi

Die Realität habe die Fiktion eingeholt, sagte man sich beim Fernsehsender Pro7 und sortierte nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima alle Folgen der Zeichentrickserie "Die Simpsons" aus, in denen das örtliche Atomkraftwerk eine Rolle spielt. Nicht so zimperlich ist man da beim Spielzeughersteller Lego. Dort heißt es auch nach Fukushima: "Bitte alle zurücktreten! Das ist ein Job für den Gefahrengutbeauftragten!"

SZ: Frau Seppelfricke, Lego hat in seiner gerade erschienenen "Minifigures"-Serie eine Figur, die doch sehr an die Fernsehbilder aus Japan erinnert. Wie kam es denn dazu?

Seppelfricke: Wir suchen ständig nach Figuren, die es in unserem Sortiment noch nicht gibt. Die sind unheimlich beliebt bei Kindern und Sammlern. Dabei decken wir fast alle Themenbereiche ab. Vor etwa anderthalb Jahren ist dann die Idee aufgekommen, einen Gefahrengutbeauftragten in die Serie aufzunehmen. Es ist wirklich reiner Zufall, dass das Lancierungsdatum des Gefahrengutbeauftragten nun mit der Katastrophe in Japan zusammengefallen ist.

SZ: Haben Sie bei Lego mal einen Schreckmoment gehabt und gedacht, die Idee war vielleicht doch nicht so gut?

Seppelfricke: Klar, aber wir haben das geprüft und herausgefunden, dass die Männer mit den Schutzanzügen in Japan selbst sehr positiv besetzt sind. Deshalb haben wir beschlossen, die Figur im Sortiment zu lassen.

SZ: Wer denkt sich die Figuren aus?

Seppelfricke: Wir haben globale Teams, die an der Entwicklung arbeiten. Dazu gibt es ein Zukunftsteam, das herausfinden soll, was die globalen Trends der nächsten zehn Jahre sind und womit Kinder in Zukunft spielen werden.

SZ: In Fall des Gefahrengutbeauftragten hat ihr Zukunftsteam ja voll ins Schwarze getroffen.

Seppelfricke: Für uns steht der Kampf gegen Radioaktivität gar nicht im Vordergrund. Der Gefahrengutbeauftragte kann einfach überall helfen.

SZ: In Wirklichkeit ist er aber doch einer, der gegen den Super-Gau kämpft. Jedenfalls trägt er auf seinem Schutzanzug das Zeichen für Radioaktivität.

Seppelfricke: Wir haben ihn eigentlich anders charakterisiert. Das Zeichen muss nicht nur für Radioaktivität stehen. Für uns ist er einer, der als Erster zur Stelle ist, wenn Hilfe gebraucht wird. Ob er nun die Kanalisation von Schlamm befreit oder Wohnungen reinigt, er ist mit seinem Schutzanzug und seiner Hightech-Ausrüstung präsent und sorgt für Sicherheit.

SZ: Ihr Gefahrengutbeauftragter ist also ein kleiner Held.

Seppelfricke: Ganz genau. Er ist ein Held und ein Helfer.

SZ: Ist er eigentlich Atomkraftgegner?

Seppelfricke: Es ist Politik der Lego-Gruppe, niemals eine politische oder religiöse Aussage zu machen.

SZ: Aber es ist ja nicht zu übersehen, dass der Gefahrengutbeauftragte sehr verängstigt dreinschaut. Begeistert ist er nicht von seiner Arbeit.

Seppelfricke: Na ja, unser Wikinger schaut auch grimmig drein, und der Werwolf fletscht sogar die Zähne. Aber mit Sicherheit ist der Gefahrengutbeauftragte nicht so fröhlich unterwegs wie vielleicht die Sängerin.

SZ: Es gibt in der Serie auch einen verrückten Wissenschaftler, hat der vielleicht das Chaos angerichtet, das der Gefahrengutbeauftragte beseitigen muss?

Seppelfricke: Die Figuren stehen in dieser Serie alle einzeln für sich, da besteht kein Zusammenhang.

SZ: Was ist das für eine Welt, in der Kinder nicht mehr Cowboy und Indianer spielen, sondern Super-Gau?

Seppelfricke: Das uralte Spielverhalten von Gut gegen Böse ist eigentlich in allen Zeiten dasselbe geblieben. Ob nun Piraten gegen Landbewohner oder Polizei gegen Räuber ...

SZ: ...oder Gefahrengutbeauftragter gegen Super-Gau.

Seppelfricke: Nein, bei ihm gibt es keinen Gegenspieler. Die Kinder können ja auch schauen, ob er vielleicht der Polizei hilft, eine Katze vom Baum zu holen, da gibt es ja verschiedenste Einsatzmöglichkeiten.

SZ: Mit seinem Schutzanzug holt er eine Katze vom Baum?

Seppelfricke: Vielleicht, warum nicht? In der Lego-Welt ist alles möglich.