Von Susan Vahabzadeh

In Disney-Zeichentrickfilmen herrscht ab sofort striktes Rauchverbot. Und selbst alte Filme bleiben nicht verschont.

Ist immer schön, wenn sich einer als Avantgarde anbietet, der so richtig was zu verlieren hat. Das Filmstudio Disney wird das erste sein, in dessen Filmen nicht mehr geraucht wird, hat der Disney-Chef Robert A. Iger verkündet.

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Nein, das ist keine Selbstgedrehte. Und wenn es eine wäre, dann würde sie vielleicht verschwinden. (© Foto: dpa)

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Ein Bösewicht, so Iger, ist auch ohne Zigarette ein Bösewicht, und ein Held ist ohne Zigarette ein Held. Da es sich bei Disney-Filmen überwiegend um Kinderfilme, oft sogar um Zeichentrick handelt, hält sich der Aufwand in bescheidenen Grenzen. Schwieriger dürfte es schon werden, die Tochterfirmen auf Linie zu bringen - Touchstone und Miramax, die für das Erwachsenen-Segment zuständig sind, müssen sich nämlich von Iger wenig vorschreiben lassen.

Es geht nicht immer gut aus, wenn man das trotzdem tut - Igers Vorgänger Michael Eisner hat sich vor drei Jahren mit der Entscheidung, Miramax den Verleih von Michael Moores "Fahrenheit 9/11" zu verbieten, den Weg in den eigenen Untergang geebnet.

Für Disney selbst kann er aber verfügen, was er will, und das bedeutet: So einen Schmuddelkram wie die rauchende Raupe in "Alice im Wunderland" oder den rauchenden Bock in "Der Glöckner von Notre Dame" wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Der Aktionismus hat übrigens gute Gründe, denn in Hollywood haben die Antirauchkampagnen offensichtlich den Widerstandsgeist angefacht - die Los Angeles Times zitiert eine Studie, nach der inzwischen wieder in 74 Prozent aller Filme geraucht werde, wenn auch nicht mit einer Frequenz wie in "Good Night, and Good Luck" von 2005, dessen Regisseur George Clooney mal fröhlich verkündete, es sei der einzige Film, dessen Set man verlassen musste, um nicht zu rauchen.

Dass alte Filme mit Warnhinweisen versehen werden, hat der Studioverband MPAA schon im Mai verkündet. Wer glaubt, es würden keine alten Filme retuschiert - zu spät. Auch da nimmt Disney eine Vorreiterrolle rein - denn es gibt tatsächlich jetzt schon Trickfilme, die bearbeitet wurden.

In "Saludos Amigos" von 1942, in Deutschland auch unter dem Titel "Drei Caballeros im Sambafieber" bekannt, hat Goofy einst hingebungsvoll an einer Zigarette gezogen und ein Rauchwölkchen fabriziert. Auf der DVD, die inzwischen im Handel ist, fuchtelt er nur noch mit der Hand herum. Was soll da nur aus der eleganten Cruella in "101 Dalmatiner" werden - tritt die in künftigen Versionen mit Zahnstocher im Mund statt Zigarettenspitze auf?

Der größte Disney-Kettenraucher war Kater Karlo, Schreck von Entenhausen, für dortige Verhältnisse schwerkriminell und eh kein leuchtendes Vorbild. Der musste sich schon vor Jahren die Zigarren abgewöhnen. Bewaffnet ist er aber immer noch.

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(SZ vom 27.7.2007)