Angelina Jolie und Brad Pitt Das perfekte Image

Interviews und Fotos nur bei positiven Artikeln, Visa nur an genehme Journalisten: Wie das Promi-Paar Angelina Jolie und Brad Pitt die Medien benutzt.

Von Jürgen Schmieder

Wir sehen sie als Figuren im Kino. Als Ikonen auf dem roten Teppich. Als perfekt ausgeleuchtete Körper im Urlaub. Wir sehen scheinbar zufällig geschossene Fotos von ihnen beim Shoppen. Wir hören von den Krisen, vom Streit mit dem Partner, von Problemen - und dann glauben wir, sie zu kennen. Sie könnten unsere besten Freunde sein.

Angelina Jolie und Brad Pitt

Die Medien im Griff: Angelina Jolie und Brad Pitt.

(Foto: Foto: dpa)

Aber das sind sie nicht. Sie sind Stars.

Diese Menschen präsentieren meist nicht sich selbst, sondern ein Abbild von sich. Eine Projektion. Dem Fan genügt diese Illusion, er liest die Geschichten über seine Lieblinge, als würde er einen Film im Kino sehen. Diese Storys sind gut strukturiert und choreographiert. Jennifer Lopez etwa beschäftigt acht Illusions-Regisseure, die sich nur darum kümmern, diese J-Lo zu erschaffen, die im sogenannten Q-Score, der Maßeinheit für die Beliebtheit und Bekanntheit von Promis in Hollywood, möglichst gut abschneiden soll. Das Ehepaar Angelina Jolie und Brad Pitt braucht so etwas nicht.

Die beiden haben keine Generalstabsplanung, sie benötigen keine Ratschläge wie den von Schauspieler Zach Braff ("Scrubs"): "Bleib langweilig, dann interessiert sich keiner für dich!" Sie können sich auch ein gut funktionierendes Netzwerk aufbauen, wie es die Schauspielerin Veronica Ferres getan hat. Oder man kann auch einfach nur Angelina Jolie und Brad Pitt sein. Die beschäftigen keine Marketing-Gurus, sondern nur einen Anwalt und ihren langjährigen Berater Geyer Kosinski. Das genügt.

Der griffige Titel "Brangelina" wird in diesem Artikel ausdrücklich vermieden, weil das Paar ihn nicht ausstehen kann und Interviews nur dann gibt, wenn auf diesen Ausdruck verzichtet wird. Das jedenfalls stand in einem Bericht der New York Times vor wenigen Wochen. Darin standen noch mehr Details, wie Angelina Jolie und Brad Pitt die Medien in Selbstregie benutzen, um ein perfektes und vor allem selbstloses Image von sich zu kreieren.

So hätte das Paar die Fotos der neugeborenen Zwillinge nicht nur an das Magazin People verkauft, sondern auch Mitspracherecht bei der Berichterstattung verlangt. Es wurden offenbar nicht nur 14 Millionen Dollar für die Exklusivrechte an den Bildern und an einem Interview gezahlt - das Geld spendete das Paar -, sondern Jolie und Pitt sollen verlangt haben, dass die Berichterstattung über ihre Familie in diesem wie auch in künftigen Artikeln positiv sein würde. Zudem sollte sich das Gespräch weniger um die Kinder als vielmehr um Jolies humanitäre Projekte drehen. So stand Jolie als starke Frau da, die trotz der schweren Geburt lieber über kranke Kinder in Asien spricht als über sich selbst.

Eine Sprecherin von People dementierte, dass es diese Abmachung gegeben habe: "Diese Behauptungen sind falsch. People kauft zwar Fotos, lässt sich aber beim journalistischen Inhalt nicht durch Dritte beeinflussen." Der Autor des Times-Artikels jedoch, Brooks Barnes, ein mehrfach ausgezeichneter Medienjournalist, bleibt bei seiner Darstellung und nennt noch mehrere Anzeichen, wie Jolie und Pitt mit den Medien spielen.

In einem Fall soll Angelina Jolie versucht haben, das Promi-Magazin Us Weekly zu beeinflussen. Sie soll ein Fotoshooting und ein Interview abgelehnt, jedoch einen anderen Vorschlag gemacht haben: Sie teilte den Fotografen mit, wann und wo sie öffentlich mit ihrem Adoptivsohn Maddox spielen würde. Heraus kam ein gut getimtes Paparazzi-Foto, das Jolie als liebevolle Mutter zeigte, die nicht einmal dann von Fotografen in Ruhe gelassen wird, wenn sie mit ihrem Sohn spielen möchte.

Schon lange wird Angelina Jolie vorgeworfen, dass sie Journalisten benutze, die Projektion ihrer selbst zu perfektionieren. Sie spricht in Interviews fast ausschließlich über ihre humanitären Hilfsorganisationen - und sorgt bei ihren Besuchen in Kambodscha dafür, dass die Regierung nur von ihr genehmigten Journalisten ein Visum erteilt. Wenn sie bei Filmpremieren Interviews gibt, lässt sie Berichterstatter zuvor eine Erklärung unterschreiben, die Fragen reglementiert und mögliche Antworten vorgibt.

So entsteht die Jolie-Pitt-Projektion, die sie der Öffentlichkeit vorsetzen: Sie sind Stars, die eigentlich keine Stars sein wollen. Sie wollen sich in aller Ruhe um ihre Familie und ihre humanitären Projekte kümmern. Das Publikum nimmt ihnen die Geschichte ab. Denn wir wollen gar nicht wissen, wie Angelina Jolie und Brad Pitt wirklich sind. Die Projektion genügt. Das beweist der Q-Score: Der von Angelina Jolie hat sich seit ihrem Oscar-Gewinn verdoppelt und rangiert weit über dem Durchschnitt.