Alexander steckt in der Zwickmühle. In wenigen Wochen muss sich der Jurist entscheiden, ob er sein Rückenmark zerstören will oder nicht. Für diesen Plan hat der Mittvierziger einen Verbündeten gefunden, einen anderen BIID-Mann. Der andere könne es kaum noch abwarten und habe Alexander eine Frist gesetzt. "Wenn ich nein sage, kommt so eine Chance vielleicht nie wieder", sagt der Familienvater. Ein Arzt wird laut Alexander für den Notfall anwesend sein. Wie er hilft, sei noch unklar, so der Jurist. "Er wird jedenfalls seine Pflicht nicht verletzen."
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Weil das Rückenmark zerstört wird, kann es zu lebensgefährlichen Kreislaufproblemen kommen. Dennoch will Alexander nach dem Eingriff einige Tage in einem Versteck ausharren. Erst dann wolle er in ein Krankenhaus gehen und von einem Unfall erzählen - in der Hoffnung, dass die Ärzte nicht misstrauisch werden. Mit seiner Entscheidung ist der Familienvater allein. Seine Freundin wisse von seinem Wunsch und der Ausweglosigkeit. "Sie findet es schrecklich", sagt er. Ob sie danach mit ihm weiterleben könne, sei unsicher.
Peter Brugger, Leiter der Neuropsychologie an der Uniklinik Zürich, glaubt nicht, dass BIID eine psychologische Ursache hat. Der Neurobiologe vermutet eine Fehlfunktion im Gehirn. Der Körper werde im Gehirn eines BIID-Betroffenen falsch repräsentiert. Brugger hat zu Phantomschmerzen geforscht. BIID könnte das Spiegelbild sein: "Beim Phantomschmerz ist kein Fleisch da, aber die Glieder sind im Gehirn präsent." Bei BIID ist es andersherum. "Es ist Fleisch vorhanden, aber es ist nicht beseelt", sagt der Neurobiologe.
Diese Einschätzung passt zu Ergebnissen der Frankfurter Neuropsychologin Stirn. Sie hat Betroffenen bearbeitete Fotos ihres eigenen Körpers gezeigt, auf denen das weggewünschte Körperteil fehlt - und die Reaktion im Kernspin gemessen. Stirns Beobachtung: Das Gehirn kann sich eher mit dem Bild des amputierten Körpers identifizieren.
Hoffen auf eine Amputation
Dass der Amputationswunsch vor allem Männer plagt und meistens das linke Bein betrifft, ist nach Ansicht Bruggers Kopfsache. Jedes Körperteil ist im Gehirn repräsentiert. Die Regionen für Geschlechtsteile und Beine liegen nebeneinander. Deswegen spüren Amputierte beim Wasserlassen ihr nicht vorhandenes Bein. Daran könnte es auch liegen, dass einige BIIDler eine Amputation bei sich oder anderen erregend finden.
So ist es bei Frank. Bevor der 65-Jährige zum Wannabe wurde, war er Devotee, einer, der sich zu amputierten Frauen hingezogen fühlt. Er habe zwar nie ein Verhältnis mit einer Amputierten gehabt, sagt Frank. Während der Scheidung habe seine Frau ihn dennoch als pervers dargestellt - wegen seiner Freundschaft zu einer Oberschenkelamputierten in Kalifornien, der er regelmäßig Geld schickte. Seiner zweiten Frau hat Frank in acht Jahren Ehe nichts von seiner Leidenschaft erzählt. "Vielleicht wäre mein Wunsch nach einem eigenen Stumpf nicht so groß, wenn ich mit einer Amputierten verheiratet wäre", sagt er.
Der 65-Jährige zeigt auf die Stelle, an der in einigen Wochen geschnitten werden soll. Knapp über dem linken Knie, damit der Stumpf möglichst lang ist. "Es wird nicht sein wie nach einem Unfall, wo alles zerfetzt ist, sondern ein idealer Schnitt", schwärmt Frank.
Der Schweizer hat Fachwissen. Sein Diabetes kann Mikrogefäße in den Beinen zerstören, zu Geschwüren und sogar zur Amputation führen. Dem Chirurgen im Ausland hat er vorgelogen, dass er die Schmerzen nicht mehr aushält. Frank freut sich auf den nächsten Sommer, wenn er endlich seinen Stumpf zeigen kann.
Viele BIID-Betroffene hoffen, dass Amputationen für sie als ärztliche Behandlung möglich werden. Dafür müsste BIID in die internationale Klassifikation der Krankheiten aufgenommen werden. Doch auch dann bliebe es schwierig, einen Arzt zu finden, der gesunde Körperteile amputiert, vermutet Roswith Roth, Psychologin an der Universität Graz. Sie untersucht, ob Mediziner, Psychologen und Wissenschaftler, die mit ethischen Fragen befasst sind, einer Amputation von BIID-Betroffenen zustimmen würden. Eine frühere Studie von Roth hat ergeben, dass selbst nach Aufklärung nur wenige Außenstehende einer Operation zustimmen würden.
"Bis eine Operation allgemeine Akzeptanz findet, sind zwei große Hürden zu überwinden", sagt Roth. Erstens müssten sich mehr Betroffene outen, damit das Problem sichtbar wird. Zweitens müssten Ärzte so viel Verständnis aufbringen, dass sie ihren Hippokratischen Eid durch das Abschneiden gesunder Beine nicht verletzt sehen. Eines weiß Roth schon heute: "Es wird für beide Seiten sehr schwer."
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 7.1.2009)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Also wenn DAS nicht dekadent ohne Ende ist, was dann?! ;o)
Wieso stellen die Wissenschaftler es so dar, dass Wunscherfüllung bei einer derartigen Erkrankung Heilung bedeutet? Der Kannibale von Rothenburg hat doch auch erwiesenermaßen sein Opfer auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin kastriert und aufgeressen! Dennoch ist er verurteilt worden. Ganz abgeben dürfen gewisse Ärzte und Psychologen ihren Verstand nun doch nicht.
Gott hat den Menschen auch nicht erschaffen.
Das glauben heute nur noch fundamentalistische Christen, wie die Kreationisten oder so. Aber mit gesundem Menschenverstand(also ohne christlichen Fanatismus!) betrachtet muss man heute schon ganz schön Banane im Kopf sein um so einen Schwachsinn zu verteidigen...
;oD
Zitat:
'...Das überraschende Ergebnis: Stirn konnte keine psychische Auffälligkeiten entdecken....'
Allein schon der Wunsch sich zum Krüppel zu machen ist meiner Meinung ein starkes Zeichen dafür, dass die Leute einen GEWALTIGEN psychischen Schaden haben.
Man mag sich über angemessenheit und menge der kommentare von true007 streiten. Dass jedoch ausgerechnet das meines erachtens mit abstand gelungenste und zur thematik passendste seiner "werke" zensiert wird, erschließt sich mir nicht.
Wenn ihr einander
doch nur vertrauen würdet
Verschiedenheiten
im Leben schätzen würdet
dann würdet ihr Wert legen
auf solche Momente,
in denen die Menschen
direkt aus ihrem Herzen
und ihrer Seele gesprochen haben
(von true007)
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