Interview: Rebecca Casati

Karim Rashid gibt Prada und Sony ein Antlitz. Amerikas erfolgreichster Designer erklärt, wie er die Welt verändern will.

SZ: Sie gelten als Popstar der Designwelt, Ihre Kunden sind Prada oder Sony. Ihre Markenzeichen frohe Farben, runde Formen. Allein Ihr Plastik-Papierkorb "Garbo" hat sich über sieben Millionen Mal verkauft.

Karim Rashid; Imago

Trägt seit Jahren nur noch Weiß: Karim Rashid (© Foto: Imago)

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Karim Rashid: Mit solchen preiswerten Designobjekten habe ich meinen Teil dazu beigetragen, dass sich die Designwelt liberalisiert. Jeder sollte sich gutes Design leisten können, nicht nur die Elite, die sowieso oft einen schlechten, antiquierten Geschmack hat.

SZ: Der Mensch mag nun mal Erinnerungen und Routinen.

Weil er zu bequem ist! Gerade gestern habe ich mich mit einem Kunden auseinandergesetzt, der nicht einsehen wollte, dass ein modernes Hotelzimmer ganz anders aussehen sollte als die, die wir kennen.

SZ: Aber soll man sich denn in der Fremde nicht sofort heimelig fühlen?

Das ist ein Argument aus der Nachkriegszeit. Wir haben längst nicht mehr dieselbe Angst vor der Fremde, im Gegenteil: Wir wissen zu viel über die Welt. Neue Erfahrungen machen heute den Sinn und Reiz des Lebens aus. In Nostalgie ertrinken? Ich bin sehr dagegen. Wenn ich Vorlesungen halte, rate ich den Studenten immer: Geschichte, Technologie, lernt alles, was ihr könnt - und dann versucht, es über Nacht zu vergessen. Ansonsten stylen wir die Welt am Ende nur, statt sie zu verändern.

SZ: Kann man mit Designobjekten überhaupt die Gesellschaft verändern?

Aber natürlich! Nehmen Sie diesen Kaffeebecher. Ein Mensch hat ihn sich ausgedacht, indem er ein Papier so rollte, dass ein Trinkgefäß daraus entstand. Das Ergebnis war der Katalysator für Fast Food, es hat verändert, wie wir leben. Der Erfinder dieses Bechers war Designer, und die Geschichte ist voll von Menschen wie ihm. Natürlich läuft es in den meisten Fällen andersherum: Design ist der Ausdruck der gegenwärtigen Kultur. Aber unser aller Credo sollte doch lauten: Ich will die Welt verändern.

SZ: Was ist noch mal so schön an der Veränderung?

Sie ist der handfesteste Beweis dafür, dass wir leben. Im Alter werden wir Menschen geistig unbeweglicher. Aber das Gehirn ist ein Muskel, den man trainieren kann, indem man ihm Unerwartetes zuführt. Ansonsten wird er weich und altert schnell. Warum sollten wir so leben wollen?

SZ: Welche Rolle spielt bei Ihrer Arbeit Ihr persönlicher Geschmack?

Er ist kein Kriterium. Er ist nicht konsistent, er ist nicht einmal Ich, denn er basiert auf den wechselnden Botschaften der Medien. Ich nenne es lieber: Sensibilität.

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