Auch Psychopharmaka helfen gegen Alzheimer kaum und haben starke Nebenwirkungen.
Ärzte schwören auf die Medikamente. Pharmafirmen preisen sie in ihren Broschüren über alle Maßen. Patienten schlucken sie.
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Die Rede ist von atypischen Neuroleptika, einer Gruppe Psychopharmaka, die seit den 1990er-Jahren auf dem Markt ist. Jetzt zeigt eine Studie amerikanischer Ärzte im aktuellen New England Journal of Medicine, dass die Medikamente kaum wirksamer sind als Placebo und überdies mit schweren Nebenwirkungen einhergehen (Bd. 355, S. 1525, 2006).
Mehr als die Hälfte der Alzheimer-Patienten leidet an Wahnvorstellungen oder Aggressionen. Sie werden deshalb mit Psychopharmaka behandelt. Als Mittel der Wahl gelten atypische Neuroleptika.
Die Mediziner um Jeffrey Lieberman aus New York hatten 421 Alzheimer-Kranke untersucht. Ein Teil der Patienten nahm für neun Monate Olanzapin, Quetiapin oder Risperidon, die anderen bekamen Placebo.
Wegen schwerer Nebenwirkungen, etwa Verwirrung, Schlaflosigkeit und Parkinson-ähnlicher Symptome, setzten zwischen 18 und 24 Prozent der Patienten die Medikamente vorzeitig ab.
Auch der Behandlungserfolg war bescheiden: Der psychische Zustand und die Schwere der Störungen verbesserten sich - je nach Medikament - bei 26 bis 32 Prozent der Patienten.
Allerdings ging es auch 21 Prozent der Alzheimer-Kranken, die Placebo erhielten, im Verlauf der Studie deutlich besser.
Der Vorteil durch die Behandlung war daher so gering, dass er nicht mal statistisch aussagekräftig ist. "Ärzte sollten die Mittel nur den Patienten geben, die keine Nebenwirkungen bekommen und bei denen wirklich Vorteile zu erkennen sind", schreiben die Autoren.
"Dass die Mittel so häufig bei Alzheimer eingesetzt werden, spiegelt die Ratlosigkeit in diesem Bereich wieder", sagt Wolfgang Maier, Sprecher des Kompetenznetz Demenzen.
"Es gab schon zuvor Berichte, die auf Nebenwirkungen hinwiesen." Leider gebe es aber keine Alternative, die Verhaltensprobleme bei Alzheimer besser in den Griff zu bekommen.
Vergangenes Jahr hatte eine Vergleichsstudie bereits gezeigt, dass atypische Neuroleptika herkömmlichen Psychopharmaka in der Behandlung der Schizophrenie nicht überlegen sind, aber bis zu zehnmal so viel kosten.
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(SZ vom 13.10.2006)
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