Bis 2050 wird die Zahl der Alzheimer-Patienten um das Vierfache steigen: Nun suchen Forscher Wege, die Krankheit früher zu erkennen - und weisen dabei einige Erfolge vor.

Bereits jetzt leben 26 Millionen Menschen weltweit mit Alzheimer, so die Berechnung einer Forschergruppe der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Im Jahr 2050, schätzen sie, werden 106 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen sein.

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Alzheimer: 106 Millionen Erkrankte im Jahr 2050 (© Foto: AP)

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"Jeder 85. Mensch weltweit wird Alzheimer haben", erklärte der Autor der Studie, Ron Brookmeyer, auf einer Konferenz der Alzheimer Association in Washington, "Wenn wir nur ein paar kleine Erfolge dabei verbuchen, den Ausbruch der Krankheit oder ihr Fortschreiten zu verlangsamen, könnte das große Konsequenzen haben." Sollte es möglich sein, den Ausbruch der Krankheit nur um ein Jahr zu verzögern, so ist in der Studie zu lesen, wären im Jahr 2050 rund zwölf Millionen weniger Patienten zu verzeichnen.

Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten deshalb fieberhaft daran, mehr über Alzheimer herauszufinden. Bislang gibt es keine Medikamente, die einen größeren Einfluss auf die Krankheit haben. Oft können sie Ärzte nur sehr spät diagnostizieren und behandeln, da der Unterschied zwischen altersbedingtem Gedächtnisverlust und Demenz erst in einem fortgeschrittenen Stadium bestimmbar ist.

In der Früherkennung gibt es jedoch einige erfolgversprechende Ansätze: So stellten bei der Konferenz in Washington gleich mehrere Forschergruppen Tests vor, durch die Alzheimer noch vor Ausbruch erkannt werden soll.

Anders Lonneborg und seine Kollegen von der norwegischen Biotech-Firma DiaGenic blicken hierfür auf die Ebene der Gene: Im Blut von Alzheimer-Patienten identifizierten sie 96 Gene, die sich von denen gesunder Menschen unterscheiden.

Diese sind für das Immunsystem, die Zellteilung und die Reaktion des Körpers auf Entzündungen zuständig. Bei der Untersuchung von mehr als hundert älteren Menschen konnten sie anhand der Vergleichswerte 85 Prozent der Alzheimer-Fälle korrekt diagnostizieren. Die Firma will den Test nun in Europa und den USA auf den Markt bringen.

87 Prozent der Fälle korrekt vorhergesagt

Forscher der University of Pennsylvania setzen Hirnuntersuchungen zur Diagnose von Gedächtnisstörungen ein: Durch eine Positronen-Emissions-Tomographie maßen sie den Blutstrom im Gehirn, über die Magnetresonanz-Tomographie analysierten sie die Strukturen des Hirngewebes.

Fanden sie in beiden Ergebnissen Anormalitäten, konnten sie in einigen Fällen beginnende Gedächtnisstörungen bereits diagnostizieren, bevor diese sich in einem verändertem Verhalten der Patienten äußerten.

Einen einfachen, aber sehr effektiven Test entwickelten Forscher der University of California in San Francisco. Für ihre Studie beobachteten die Wissenschaftler 3300 ältere Menschen über einen Zeitraum von sechs Jahren.

Um das Risiko einer Erkrankung zu schätzen, hatten sie einen Test entworfen, der von jedem Hausarzt durchgeführt werden kann. Dieser enthält mehr als zwei Dutzend Punkte, nach denen die Alzheimer-Gefährdung bestimmt werden kann.

Diese stieg, wenn die Personen mehrere der folgenden Eigenschaften aufwiesen: Ein Alter von 70 Jahren oder älter, schlechte Ergebnisse bei zwei Wahrnehmungstests, Langsamkeit beim Zurücklegen kurzer Laufstrecken oder dem Zuknöpfen des Hemdes, vorangegangene Operationen am Herzen, eine Körpermassenzahl kleiner als 18 und eine plötzliche Abstinenz von Alkohol.

Anhand der Zahl der Risikofaktoren konnten die Wissenschaftler eine Prognose abgeben. Dabei sagten sie zu Beginn der Studie in 87 Prozent der Fälle korrekt voraus, ob eine Testperson in den folgenden sechs Jahren an Alzheimer erkranken würde.

Bis der Test klinisch angewendet werden kann, müssen jedoch noch weitere Forschungen folgen. Dass er so einfach ist, könnte auch für die Länder von Vorteil sein, die über keine flächendeckende Versorgung mit hochtechnisiertem medizinischem Gerät verfügen. Mit 63 Millionen Alzheimer-Patienten werden im Jahr 2050 mehr als die Hälfte der Erkrankten aus Asien kommen.

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(sueddeutsche.de/Reuters)