Mit etwas Training können Männer ihr Leben verlängern - und sich die Lust erhalten.
Als Lucas Cranach der Ältere im Jahr 1546 seinen "Jungbrunnen" malte, war der Traum ewig währender Schönheit und Gesundheit offenbar den Frauen vorbehalten: Unter den Wesen, die verjüngt das Bad verlassen, sieht man jedenfalls keine Männer. Und heute?
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Mit etwas Training leben Männer länger - und können Ihre Lust erhalten. (© Foto: iStock)
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Noch nie waren die Chancen so gut für uns, geistig und körperlich fit ein wirklich hohes Alter zu erreichen. Die Lebenserwartung der Deutschen steigt permanent: Vor hundert Jahren betrug sie kaum 50 Jahre. 2007 geborene Mädchen haben eine Lebenserwartung von 82,1 Jahren - Jungen etwa fünf Jahre weniger. Und Fachleute vermuten, dass neue medizinische Errungenschaften und verbesserte Lebensumstände hier für jedes Geschlecht noch rund 15 Jahre zugeben. Merkwürdige Konstante dabei: Männer leben zwar länger als früher, aber noch immer nicht so lange wie Frauen.
Das Altern selbst in der Hand haben
Warum ist das so und vor allem - was lässt sich dagegen tun? Mit diesen Fragen hat sich die Münchener Internistin und Sportmedizinerin Dr. Angelika Hartmann intensiv befasst. "Jeder Körper ist einem Alterungsprozess unterworfen. Doch dieser wird nur zu einem Drittel durch die Gene bestimmt, die restlichen zwei Drittel haben Sie selbst in der Hand", betont die Spezialistin.
Je nach Lebensführung und Gesundheitszustand läuft der Alterungsprozess bei dem einen schneller, bei dem anderen langsamer ab. Und anscheinend ist es vor allem die Lebensführung, die Männer im Turbogang zum Senior machen - ungeachtet ihrer genetischen Ausstattung oder der unterschiedlichen Hormone, die Mann und Frau durchfluten.
Um hinter die Geheimnisse des Alterns zu kommen, unternahm der Demograf Marc Luy, mittlerweile Professor an der Universität Rostock, Ungewöhnliches: Er führte eine "Klosterstudie" mit Mönchen und Nonnen als Testpersonen durch. So hoffte der Wissenschaftler herauszufinden, ob die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen auf dass Konto der Biologie geht - oder durch die Lebensumstände zu erklären ist.
Klosterleben lässt Männer älter werden
Nonnen und Mönche zeichnen sich durch ähnliche Lebensbedingungen aus: Sie pflegen einen einfachen Lebensstil, haben keine Kinder großzuziehen und beruflich wie privat wenig Stress. Dem Forscher gelang es schließlich, die Lebensdaten von 11.600 Mönchen und Nonnen aus zwölf bayerischen Klöstern auszuwerten.
Und tatsächlich: Im Kloster wurden Mönche fast genauso alt wie Nonnen - der Unterschied betrug nur ein Jahr - und die Lebenserwartung beider entsprach in etwa jener von Frauen außerhalb der Klostermauern. Die Studie demonstriert, dass also weniger die männlichen Gene an deren Lebenserwartung nagen, sondern vielmehr die Lebensumstände.
Hormone für Lust und Kraft
Genau das müsse bei Anti-Aging-Maßnahmen von vornherein berücksicht werden. So stützt sich das für Männer entwickelte Konzept von Dr. Hartmannn auf drei Pfeiler: Bewegung, Ernährung und Lebensführung. Für den einen oder anderen kann zudem eine Hormonbehandlung sinnvoll sein. "Denn Männer wollen ja nicht nur älter werden, sondern die gewonnene Zeit auch mit Lust und Kraft genießen", sagt die Expertin.
Doch um den Verfallsprozess zu stoppen, muss man ihn kennen. Was ändert sich eigentlich im Verlauf der Jahre? Zunächst: Der Körperfettanteil nimmt zu und wird immer mehr im Inneren des Körpers gespeichert - anstatt in der Peripherie. Dieses innere Bauchfett wirkt sich ungünstig auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel aus und steigert das Risiko für einen Herzinfarkt.
Gleichzeitig nimmt der Anteil der Skelettmuskulatur ab, von Medizinern als Sarkopenie bezeichnet. Auch die Anzahl der kleinsten Blutgefäße, der Kapillargefäße, verringert sich. Die Muskelzellen werden somit immer schlechter mit Sauerstoff versorgt. Vor allem hormonelle Veränderungen lassen die Skelettmuskulatur schrumpfen: Die Konzentrationen von Wachstumshormon, Testosteron, Östrogen und DHEA, einem Vorläufer der Sexualhormone, sinken. Proteinmangel im Speiseplan und unsere bewegungsarme Lebensweise begünstigen diese Tendenz noch.
Schon früh, bereits ab Ende 20, nehmen Gelenkigkeit und Dehnfähigkeit von Muskeln, Kapseln, Sehnen und Bändern ab - vor allem bei Männern. Die Ursache: Der Kristallgehalt der kollagenen Fasern nimmt zu, dadurch geht jedoch Elastizität verloren. Die Wirbelsäule, Hüft- und Schultergelenke versteifen dann zunehmend. Viele Rücken- und Gelenkprobleme gehen letztlich auf Muskelverkürzungen zurück - die typische Schreibtischhaltung verstärkt das Übel noch.
Und auch die Knochen bekommen das Altern zu spüren! Doch zunächst wird die Knochendichte aufgebaut - mit 35 ist die maximale Knochenmasse erreicht. Danach überwiegt der Knochenabbau - jährlich vermindert sich die Knochenmasse um etwa 1,5 Prozent.
Gegen das Sinken der Sexualhormone
Durch schlechte Lebensführung wird die Knochenmasse schneller verringert: Starkes Rauchen, wenig Bewegung, unzureichende Kalziumzufuhr, Mangel an den Sexualhormonen Testosteron und Östrogen sowie eine familiäre Veranlagung wirken sich dabei negativ aus.
Damit nicht genug, auch der Energiehaushalt verändert sich: Je älter wir werden, umso weniger Energie verbrauchen wir. Der Grundumsatz - also die Menge an Kalorien, die der Körper in Ruhe benötigt, um seine Funktionen aufrechtzuerhalten - sinkt, weil die Muskelmasse abnimmt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich ältere Menschen meist weniger bewegen als jüngere.
Schlussendlich sinkt die maximale Sauerstoffaufnahme, was für Ausdauerleistungen bedeutsam ist. Der Wert gibt an, wie viel Milliliter Sauerstoff der Körper unter Belastung pro Minute maximal verwerten kann.
An diesem Vorgang sind Lungenvolumen, Sauerstoffaufnahme im Blut und Sauerstoffverwertung in den Muskelzellen beteiligt. Vom 25. Lebensjahr an nimmt die die maximale Sauerstoffaufnahme um 5 bis 15 Prozent pro Lebensjahrzehnt ab.
Entscheidend für die Stärke der Abnahme ist aber letztlich, wie viel im sauerstoffverbrauchenden Bereich trainiert wurde.
Wer sein Leben einigermaßen gesund führt und ab und an trainiert, kann deshalb im Alter von 70 einem nicht trainierten 30-Jährigen immer noch davonlaufen!
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... sofern sie sich nicht geschätzte 45 Jahr zuvor haben gehen lassen!
Was habt ihr eigentlich für Probleme? Wenn die richtige Mutter kommt, hin und wieder darf es im Alter auch eine Großmutter sein ( heutzutage können auch Großmütter sehr attraktiv sein), dann sollte sich das Problemthema Sex im Alter, Gesunder Lebenswandel, Viagra, ect. von selbst erledigt haben!
..Meranteau, Sie haben recht. Erleuchtend zu lesen, dass die derzeit übliche Verquickung von Information und Werbung durch gezieltes Weglassen von wichtigen Infos und überbetonen völliger Trivialitäten tatsächlich von vielen nicht wahrgenommen wird. Ich denke häufig bei "Initiativen" zur "Krankheits-Bewusstseinsförderung" so blöd können die Leute gar nicht sein, dass sie das nicht bemerken. Sie sind es doch.
Kloster-Studie: was für ein überraschendes Ergebnis. Da deutlich mehr männliche Neugeborene geboren werden, aber auch deutlich mehr männliche Babies sterben als weibliche, gleicht sich die Zahl Männer/Frauen zu dem Zeitpunkt des Eintritts ins Kloster/Erwachsenenalter in etwa an. Es ist durchaus davon auszugehen, dass 100 Mönche so lange leben wie 100 Nonnen. Da waren aber ursprünglich mal 101 kleine Jungs, von denen einer bereits als Baby starb, das reißt in Retrospekt die Lebenserwartung der Gruppe "101Jungs" brutal runter (nicht aber die der Gruppe "Mönche"). Bei Betrachtungen über 100 Elektrikerinnen und Elektriker würde man wahrscheinlich zu den gleichen Ergebnissen kommen...
Lieber Merantau,
ich habe den Artikel aufmerksam gelesen, um die von Ihnen beklagte "Verfilzung mit der Pharma-Industrie" zu finden. Sie ist nicht da. Es ist ein journalistisch sauberer Artikel.
Ein Tipp: Neben starkem Rauchen, wenig Bewegung, unzureichender Kalziumzufuhr und dem Mangel an den Sexualhormonen Testosteron und östrogen läßt auch zuviel ärgern und Meckern "im Turbogang" altern.
Man muss nicht überall gleich ein Haar in der Suppe suchen.
Viele Grüße,
Max
Dieser Beitrag ist exakt so in der Medical Tribune, der "medizinischen" Beilage der Süddeutschen erschienen, die von der Pharmaindustrie herausgegeben wird - und zwei Seiten weiter war eine ganzseitige Anzeige für ein Seminar zum gleichen Thema, das Frau Dr. Angelika Hartmann für teures Geld veranstaltet. Wirklich sauberer Journalismus! Ich erwarte, dass eine Zeitung von so hohem Niveau wie die Süddeoutsche keine Auftragsartikel aus einem derartig verfilzten Umfeld übernimmt.
Paging