Nicht nur Warnhinweise auf Alkoholflaschen sollen den Konsum drosseln. Jetzt warnt auch die Polizei mit drastischen Fotos.
Unter dem Motto "Don't drink too much - Stay gold" hat die Polizei am Freitag in Berlin eine bundesweite Kampagne gegen exzessiven Alkoholkonsum und Gewalt gestartet.
Warnungen der neuen Art: Das dicke Ende kündigt sich bereits auf dem Bierdeckel an. (© Foto: oh)
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Mit Bierdeckeln, Plakaten und Aktionsspots, die verstärkt im Internet gezeigt werden, sollen Jugendlichen die Gefahren des sogenannten "Komasaufens" demonstriert werden. "Es geht nicht um den erhobenen Zeigefinger und um absolute Abstinenz", sagte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bei der Präsentation, "sondern darum, dass Jugendliche risikoarm und maßvoll trinken".
Um das zu erreichen, setzt die Initiative auf Abschreckung: Das Kampagnenmaterial zeigt drastische Vorher-Nachher-Fotografien Jugendlicher, die sich im Vollrausch verletzt oder übergeben haben. "Dem einen oder anderen Erwachsenen ist diese Art der Botschaft vielleicht zu hart, aber so eine klare, realistische Darstellung wird von Jugendlichen angenommen", lobte Sabine Bätzing (CDU), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Schirmherrin der Kampagne. Tests der Universitäten Münster und München hätten dies bewiesen.
Alarmierende Entwicklung
Um ihre Akzeptanz in der Zielgruppe zu erhöhen, kooperieren die Stay-Gold-Initiatoren außerdem gezielt mit Internetportalen für Jugendliche und mit prominenten Sportlern.
Den Beschluss, eine eigene Kampagne gegen Alkoholmissbrauch zu starten, hatten die Innenminister der Länder auf ihrer Tagung im vergangenen Herbst gefällt, nachdem die Polizei eine "alarmierende Entwicklung" bei unter Alkoholeinfluss begangenen Gewalttaten verzeichnet hatte: Fast jedes dritte Gewaltdelikt in Deutschland wird von Betrunkenen begangen, der Großteil der fremdenfeindlichen Übergriffe sowie 60 Prozent der Widerstandshandlungen gegen die Polizei geschehen unter Alkoholeinfluss.
Aggression und Vollrausch sind dabei schon lange nicht mehr den Jungen vorbehalten. "Wir beobachten eine besorgniserregende Zunahme bei Mädchen", sagte Jörg Schönbohm. "Alkohol wird immer mehr Teil der jugendlichen Freizeitkultur".
Tatsächlich werden in Deutschland immer mehr Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren aufgrund von Alkoholmissbrauch stationär im Krankenhaus behandelt: Waren es im Jahr 2000 noch 9500 Betroffene, zählte man im 2006 schon 19.500 Fälle.
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(SZ vom 06.12.2008)
Partyzone Flußufer
Bei ihrer Klage Alkohol wird immer mehr Teil der jugendlichen Freizeitkultur" können sich Drogenbeauftragte und Polizei beim Fernsehen bedanken. Kaum ein Liebesfilm, der nicht mit einem Drink beginnt. Er macht mutig oder gefügig.
In unserer Gesellschaft ist Alkoholismus voll integriert. Beste Beispiele: die Krüge hebenden PolitikerInnen auf Volksfesten oder TV-Übertragungen von Promifesten. Kaum ein Gast ohne dden Krug oder das Glas in der Hand.
Drogenbeauftragte, die das Rauchen selbst Filmen abgestellt haben, sollten konsequenterweise auch für alkoholfreie Filme sorgen. Denn sie wissen auch, dass für jetzt schon über 2 Millionen Alkoholiker in Deutschland jeder Tropfen zum Rückfall führt und eine tödliche Gefahr darstellt.
Die Verniedlichung Jörg Schönbohm (CDU) bei der Präsentation mit der Anleitung von Jugendlichen statt Komasaufen risikoarm und maßvoll zu trinken, ist der falsche Weg. Was ist und wer beurteilt, was maßvoll ist? Beschämend finde ich es, wenn PolitikerInnen und Polizei nicht einmal mehr Deutsch können oder glauben, sich mit "Don't drink too much - Stay gold" auf primitivste in Weise anbiedern zu müssen. Übrigens: Auch die halbnackten Mädchen (oder Kerle) auf Bierdeckeln werden das Saufen eher fördern als begrenzen.
Wieder mal ein geistiges Armutszeugnis verantwortlicher, aber ahnungsloser Politiker.
Ähnlich den dummen Sprüchen u. demnächst auftauchenden Bildern auf Zigarettenschachteln. Wenn man die Ursachen verschweigt, also einfach nicht sehen will, kann auch nur so ein Stuss rauskommen. Das Frau Bätzing (SPD Bundesdrogenbeauftragte???) so eine Aktion lobt war klar und zeigt erneut, dass sie für diese Arbeit einfach unfähig ist.
Ich denke, die Jugendlichen finden das eher noch cool, wie ja auch einige hier schon erwähnte Homepages zeigen. Ganz abgesehen vom Anreiz für Jungs, die Mädels mal so richtig abzufüllen, damit sie auch die Hüllen fallen lassen... Ich kann mir die Diskussionen über diese Deckelchen schon lebhaft vorstellen!
Das zeigt mal wieder, dass die Leute welche die Gesetze machen einfach zu weit von den Betroffenen weg sind!
Ich dachte, wir sind in Deutschland.
Warum heißt es: Don't drink too much. Stay gold.
Warum schreibt man das nicht auf Deutsch?
Will man damit vielleicht erreichen, dass nicht alle verstehen, worum es geht? Komasäufer sind ja oft nicht die Hellsten. Versteht wirklich jeder, was da steht? Und das auch dann, wenn er bereits einen in der Krone sitzen hat?
busoph
Da gibt's ja nach den Photos auf den eigenen Portalseiten jetzt sogar noch eine echte Herausforderung - den EIGENEN Deckel !! Das ist das schöne an Deutschland, hier wird Leistung wenigstens noch belohnt...die Bätzing hat echt 'nen Draht zur Jugend, ich hoffe nur, sie haben für die Einsendungen zu dem Contest eine eigene email-Adresse eingerichtet, sonst blockiert sie durch die ganzen Photos den kompletten Bundestags-Mailserver...
Paging