Weil man in Deutschland immer länger auf eine Adoption warten muss, stellen viele Paare einen Antrag im Ausland. Doch auch dort stoßen sie auf bürokratische Hürden
Yohane Banda hat seine Meinung geändert. Der Vater des Jungen aus Malawi, der nun bei Madonna in London lebt, sagt jedenfalls, es sei doch gut, dass sein Kind ein neues Zuhause habe. Nachdem seine Frau und zwei andere Kinder gestorben waren, hatte er David ins Heim gegeben. Er selbst müsse sich leider um seinen Acker kümmern, sagt Banda, und habe daher weder Zeit noch Geld, um David ein anständiges Leben zu ermöglichen.
Ein kleines thailändisches Mädchen wartet in Bangkok auf Adoptiveltern. Selbst, wenn Behörden ein Kind vermittelt haben, ist die Adoption nicht perfekt. Potenzielle Eltern müssen strenge Auflagen der Haager Konvention erfüllen. (© Foto: Reuters)
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Zuvor hatte er allerdings geklagt, dass man ihm verheimlicht habe, dass er nicht mehr Davids Vater sein werde. Dabei hatte er, ganz zu Beginn, der Adoption zugestimmt, damit sein Sohn es einmal besser haben sollte als er.
Einem armen Bauern wird von einem reichen Popstar das Kind weggenommen. Madonna hat innerhalb weniger Wochen ein Kind adoptiert, und das entgegen malawischer Gesetze und internationaler Gepflogenheiten.
Konnte sie es nur wegen ihres Geldes? Zielte der amerikanische Superstar auf den PR-Effekt der Adoption eines kleinen Schwarzen? Oder hat sie David, aus dem sonst wohl ebenfalls ein armer Bauer würde, aus Nächstenliebe aufgenommen? Und entspricht es dem Wohl des Kindes, wenn es aus seiner gewohnten Umgebung, auch wenn diese ein Heim ist, in eine fremde Glitzerwelt verpflanzt wird?
Strenge Richtlinien
Das Wohl des Kindes steht inzwischen im Zentrum der Adoptionsfrage. Deshalb werden Eltern, die ein Kind aufnehmen wollen, auf Herz und Nieren geprüft. Sie dürfen nicht zu alt sein - eine Generation ist die Richtschnur, was in etwa heißt mindestens 25 und höchstens 40 Jahre sollte der Altersabstand betragen. Sie müssen ein gesichertes Einkommen haben, in geordneten Verhältnissen leben, und sie dürfen nicht vorbestraft sein.
Adoptieren wird aber nicht nur wegen der gestiegenen Anforderungen immer schwieriger. Die Zahl der in Industrieländern freigegebenen Kinder sinkt stetig. Zwar wurden in Deutschland im Jahr 2005 immerhin knapp 4800 Kinder und Jugendliche adoptiert, doch in sechs von zehn Fällen von einem Stiefelternteil oder von Verwandten.
Seit 1993 hat sich die Zahl der Adoptionen um 45 Prozent verringert, so meldete kürzlich das Statistische Bundesamt. Drei von zehn Kindern besitzen keinen deutschen Pass - das heißt, fast alle Fremdadoptionen finden inzwischen im Ausland statt. Überraschend ist das nicht, denn auf jeden zur Adoption vorgemerkten deutschen Minderjährigen warten zwölf Eltern.
Trend zur Auslandsadoption
In Deutschland und auch weltweit geht daher der Trend zur Auslandsadoption. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, man weiß aber, dass die Fälle zunehmen. Während Kinderhilfsorganisationen wie Terre des Hommes "Adoptionstourismus" anprangern, sehen die Betroffenen die Reise nach Moskau, Bogotá oder Kapstadt inzwischen oft als letzte Chance. Mitnichten können sie aber dort einfach ins Waisenhaus gehen und sich ein Kind aussuchen. Zum einen müssen deutsche Eltern auch nach deutschem Gesetz adoptionsfähig sein. Zum anderen schreibt die Haager Konvention von 1993 strenge Regeln vor.
Insbesondere müssen ausländische Behörden sicherstellen, dass keine einheimischen Eltern bereitstehen. Alle Fälle werden zentral geprüft, Adoptionsgeschäfte mit Privatpersonen oder Heimen sind verboten. Deutschland ist dem Haager Abkommen 2002 beigetreten. Auslandsadoptionen sind daher meist eine Strapaze.
"Es kostet wahnsinnig viel Zeit", sagt zum Beispiel Christian aus München, man bewege sich stets im Blindflug und sei auf die Hilfe anderer angewiesen. Der Journalist und seine Frau haben es gar nicht in Deutschland versucht, weil sie mit Ende 30 ohnehin an der Altersgrenze waren. Zudem lebten sie vorübergehend im europäischen Ausland. In etlichen Ländern hat das Paar es vergeblich probiert: Zuerst in China, doch "plötzlich hieß es, China geht nicht wegen eines bilateralen Abkommens mit Deutschland", erzählt Christian.
In Kolumbien und Ecuador seien sie "wegen bürokratischer Probleme" gescheitert, bis sie schließlich auf Thailand kamen. "Dann ging es doch schnell". Im Oktober 2005 erfuhren Christian und seine Frau, dass es das Waisenkind Tim für sie gebe. Dass sie inzwischen entgegen ärztlicher Prognosen schwanger war, änderte nichts an dem Entschluss. Sie mussten sich schnell entscheiden - anhand eines Fotos und ein paar dürrer Informationen über den damals zehn Monate alten Jungen. Drei Monate später holten sie Tim im Waisenhaus von Bangkok ab.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...