Abtreibung Ein Showdown könnte die Situation für Frauen verschärfen

Demonstration im vergangenen November beim Prozess gegen eine Ärztin, die für Abtreibung geworben hatte.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Union und SPD streiten emotional über das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche. Dabei wäre Sachlichkeit geboten, denn die Uneinigkeit geht auf Kosten der Frauen.

Kommentar von Kristiana Ludwig

Das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche ist zum emotionsgeladenen Symbolthema geworden. Während die Union nun "Lebensschutz des ungeborenen Lebens" hochhält, hat die SPD ein Ultimatum gestellt. Wenn sich die Christdemokraten bis zum Herbst nicht bewegen, sollen die Abgeordneten ohne Fraktionsdisziplin entscheiden. Gewissensentscheidung statt Kompromiss - wenn sich die Sozialdemokraten da mal nicht verrechnet haben.

Wie in alten "Mein Bauch gehört mir"-Zeiten will die SPD für die Rechte von Frauen und Ärzten kämpfen. Ihren Beschluss zur Streichung des umstrittenen Paragrafen 219 a will sie nicht zurücknehmen, verständlich einerseits, wo die Partei doch gerade ihr Profil zu schärfen versucht. In der Sache allerdings ist die Kompromisslosigkeit mindestens mutig. Denn der Bundestag hat eine konservative Mehrheit, nur 30,7 Prozent der Abgeordneten sind Frauen. Und auch für die AfD ist "Lebensschutz" ein Kernthema.

Wenn SPD, Linke, Grüne und FDP zusammen stimmen, würde die Streichung oder Änderung des Werbeverbots klappen. Ein solcher Showdown könnte die Situation für Frauen aber auch verschärfen. Dabei ist ein sachlicher Umgang mit dem Thema nötig. Schließlich geht es um Patienteninformationen, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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