Der Wind des Helikopters bläst uns Schnee entgegen, der sich in unseren Fellkragen fängt. Vor der Besatzung liegt ein langer Weg. Und ein Landeplatz mitten im Eismeer.
Der Schnee nadelt sich in unsere Wangen. Wir schließen die Augen, wenden die Köpfe ab, drehen dem Helikopter den schützenden Rücken zu. Als der Lärm der Rotoren am hellsten wird, verschwinden wir in einem frostigen Nebel aus Schnee. Dann hebt der Hubschrauber ab. Er nimmt den Lärm mit sich. In den Fellkragen unserer Mützen blühen Eisblumen.
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Der Hubschrauber schwebt über die Bucht vor Longyearbyen, er macht sich auf den Weg ins Eis. An Bord sind Ersatzteile, Mechaniker, Piloten, der Chef des Eiscamps Barneo. Und jede Menge Kaffee, Essen und Toilettenpapier.
Die Aufgabe der Piloten ist nun, den Hubschrauber bis fast ans Ende seiner Reichweite immer Richtung Norden zu fliegen, auf Barneo zu. Und dann so schnell wie möglich eine tragfähige Scholle zur Landung zu finden. 400 Kilometer schafft der Helikopter ohne aufzutanken.
Den Piloten fliegt ein anderer Hubschrauber entgegen, aus Barneo kommend. Auch er geht bis knapp ans Ende seiner Reichweite - sie beträgt 1000 Kilometer - und landet dann bei dem Hubschrauber aus Longyearbyen. 1350 Kilometer ist Barneo von Longyearbyen entfernt. Nicht viel Spielraum.
Beide Helikopter haben Treibstoff an Bord, um auf dem Eis aufzutanken, sobald alles umgeladen ist. Dann fliegen beide zurück. Ziel der Mission: Endlich, endlich den Traktor zum Laufen zu bringen, mit dem die Landebahn Barneos gebaut werden soll. Der Traktor hat bei -42 Grad seinen Geist aufgegeben, und sich bisher zwei Reparaturversuchen widersetzt.
Die Arbeiten am Motor des Vehikels sind denkbar schwierig: In der Eiswüste gibt es keinen Schutz. Die Mechaniker haben einen Fallschirm über den Traktor gebreitet, um Schutz vor dem Wind zu finden. Wärmer wird es darunter nicht. Schon gar nicht, wenn man mit bloßen Händen an Metallgegenständen arbeitet. Bei unmenschlichen Temperaturen.
Das alles passiert, damit die Besucher, die in Longyearbyen sitzen und darauf warten, ins arktische Eismeer zu fliegen, endlich los können. Unter den Wartenden sind mehrere Tourengeher, die unterschiedliche Distanzen zurücklegen. Einige von ihnen fliegen nur bis zur Drifteissstation Barneo und machen sich dann auf eigene Faust auf den Weg. Andere nehmen an Touren des Barneo-Teams teil. Und 23 tapfere Athleten wollen den nördlichsten Marathon der Welt laufen: ´den Nordpol-Marathon.
Die Verzögerung wird mit Fassung getragen, die meisten verstehen, dass es unglückliche Umstände sind, die das Projekt bisher behindern. Und es ist weiterhin so: Die Schönheit Spitzbergens, die unendlich scheinenden Schattierungen an blau, die sich hier bieten, machen das Warten leicht. Den Tourengehern bietet sich dadurch mehrmals die Gelegenheit, ihr Material zu testen, den Aufbau der Zelte zu üben, die Pulkas richtig zu packen. Und bei Touren in der Umgebung Longyearbyens können sich alle an die Temperaturen gewöhnen. Auch wenn hier nur knapp -20 Grad sind.
Der Plan ist weiterhin, dass es am Montag weiter geht. Nachrichten aus Barneo über den Fortgang der Arbeiten werden gespannt erwartet.
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- Abenteuer Arktis Das Projekt 18.03.2008
(sueddeutsche.de/gal)
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