Verbeulte Hosen, Schuhe wie totgebissene Kleintiere: Männerkleidung muss nicht gut aussehen. Hauptsache, sie ist bequem. Bei Dessous ist genau das Gegenteil der Fall.
Bei manchen Männer-Hosen fragt man sich: Gab es die auch in schön? Foto: iStockphotos
Der Chef eines führenden deutschen Herrenmodeunternehmens sagte einmal: "Es ist eine Generation von Männern herangewachsen, die sich auch für Mode- und Stilfragen interessiert. Die sich ihre Kleidung selbst aussucht und nicht allein das anzieht, was Ehefrau oder Freundin ausgewählt haben." Der erste Satz ist erfreulich. Der zweite sorgt für eine Menge Ärger.
Hätte dieser Modeexperte einmal mitbekommen, wie Hannes aussah, wenn er sich ohne Hilfe ankleidete, hätte er seiner Aussage sicherlich weniger Euphorie verliehen. Als Ina Hannes kennenlernte, trug er Hosen, die immer ein Stückchen zu kurz waren, und Hemden, die selbst Keith Richard für die visuelle Nebenwirkung eines LSD-Trips gehalten hätte.
Und dann die Sache mit seinen Lieblingsschuhen - die reinsten Rentnerlatschen! Wie die meisten Männer hatte Hannes ein eigenartiges Verhältnis zu Schuhwerk. Während er an Frauen hohe, spitze Pumps bevorzugte, die locker als Folterwerkzeug durchgingen und einem beim bloßen Anblick schon Tränen in die Augen trieben, legte er bei seinen Schuhen nur auf eines Wert: Bequem mussten sie sein! Dass die Dinger aussahen wie ein totgebissener Nacktmull, kümmerte ihn nicht.
Projekt Geschmacksübertragung
Ina versuchte, die Sache in den Griff zu kriegen. Wie eine Frau das eben so macht, wenn sie sich mit einem Mann zusammentut: Sie überträgt ihren guten Geschmack auf ihn ("Aber natürlich kannst du rosa Hemden tragen!"). Lässt das ein oder andere Teil verschwinden ("Grünes Muskelshirt? Nie gesehen."). Kauft was Neues und schmuggelt es in seinen Schrank ("Keine Ahnung, wo das herkommt. Sieht jedenfalls rattenscharf aus!"). Übt sanfte Kritik, wenn er danebengreift ("Und du willst den Pulli wirklich anlassen? Ich mein ja nur ...").
Doch Hannes schien vollkommen beratungsresistent zu sein. Nur unter wüstesten Drohungen konnte sie ihn dazu bringen, seine geliebte Karottenhose mit Karomuster in den hintersten Winkel seines Schranks zu verbannen. Er wollte einfach nicht verstehen, dass die Zeit, in der diese Hose als cool galt, vorbei war. Und dass sie auch nicht zurückkam, nur weil er sie immer wieder anzog.
Neulich erwischte Ina ihren Mann, als er in einer schlabbrigen, ausgebleichten Cordhose das Haus verlassen wollte.
"Was um Himmels Willen ist das?", fragte sie ihn.
"Was genau meinst du?", antwortete er.
"Na, das Ding da mit den Beulen".
"Das ist meine Lieblingshose".
"Was du nicht sagst. Gab es die auch in schön?"
"Dafür ist sie bequem."
"Dann nimm sie halt mit ins Bett oder leg sie dir abends zum Fernsehen auf den Schoß, statt sie deiner Umwelt zu präsentieren."
"Ist ja gut, ich ziehe mich um".
Als Hannes wiederkam, trug er die Hose noch immer.
"Wolltest du dich nicht umziehen?"
"Ich dachte mir, ein anderes Hemd tut es auch".
"Aber das Hemd war in Ordnung, die Hose ist das Problem - sie ist scheußlich!"
"Na und? Dafür ist das Hemd schön!"
"Das reicht aber nicht!"
"Und ob das reicht. Du siehst auch nicht an jeder Stelle gleich gut aus, meine Liebe!", sagte Hannes.
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