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Von Anne Goebel

Generationen von Frauen folgten ihren Entwürfen, und als Verlegerin war sie eine Macht: Vor 100 Jahren wurde Aenne Burda geboren.

Aenne Burda, Hubert Burda Media

"Ich bin Burda Moden": Aenne Burda, geborene Anna Magdalene Lemminger, 1974 in ihrem Mini-Rolls-Royce vor dem Verlagsgebäude in Offenburg. (Foto: Hubert Burda Media)

Als Andy Warhol 1973 nach Offenburg reiste, dem "Tor zum Schwarzwald", war der Fototermin in der Schanzstraße nicht ganz einfach. Warhol, in Jeans und mit schiefhängender Fliege, hatte die Dame des Hauses abzufotografieren als Vorlage für ein Porträt. Sie erschien im Gemusterten mit Perlenkette und war Auftritte vor Kameras in jeder Größe und Anzahl gewöhnt. Es scheint trotzdem eine Weile gehakt zu haben zwischen den beiden. Wahrscheinlich waren ihre Welten einfach zu verschieden, der schillernde Stern am New Yorker Popart-Himmel und die badische Eisenbahnertochter. Jedenfalls erinnerte sich Hubert Burda später, dass seine Mutter Aenne ein paar Anfeuerungen brauchte. "Mudder, jetzt schau halt mol wie Hollywood".

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Danach ging's, und es ist ein schönes Bild geworden. Aenne Burda markant im Halbprofil, den Kopf herausfordernd im Nacken. Es ist eines der wenigen gemalten Porträts, auf denen sie sich gefiel - denn auch wenn sie nicht warm wurde mit Warhol, seinen Hunger nach Unverwechselbarkeit teilte sie. Niemals übersehen werden. "Brand yourself." Mach dich zur Marke. So hat Aenne Burda ihr ganzes Leben gelebt.

Ein Leben für die Mode

Natürlich war Aenne Burda, geboren am 28.Juli 1909, bei der Begegnung schon lange nicht mehr die Lokomotivführertochter. Sie war Großverlegerin, vielfache Millionärin, Herrscherin über Burda Moden, ihr 1950 gegründetes Blatt mit den Anleitungen zum Selbernähen. Mehr als zwei Millionen Auflage in 112 Ländern und 18 Sprachen, für Frauen rund um den Globus Inbegriff bezahlbarer Konfektion, der größte Modeverlag der Welt. Und das beste daran: Sie hat ihn selbst erfunden

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Die Gattin von Franz Burda, Verleger mit ebenso goldener Hand, das war sie nur nebenbei. Sie hat sich selber nach oben gearbeitet, und in Offenburg ist man in den Tagen um ihren 100. Geburtstag herum besonders stolz auf "die Chefin", wie sie hier heißt. "Aenne Burda - Ein Leben für die Mode" heißt die Ausstellung im Museum im Ritterhaus, überall ist die Rede von ihrer Heimatverbundenheit. Und es ist ja auch wahr: Offenburg war ihr Lebensmittelpunkt. Hier wuchsen die Söhne Franz, Frieder und Hubert auf, hier haben Teile des Verlags, inzwischen zum Konzern "Hubert Burda Media" gehörig, noch ihren Sitz; hier wurde die Patriarchin beigesetzt im November 2005. Trotzdem, Aenne Burda wollte immer raus aus der Enge ihres Zuhauses.

Das klappte mit Schnittmustern, reichlich unglamourös also - es ist auch eine sehr deutsche Modegeschichte. Während die Franzosen nach dem Krieg ihrem Nationalhelden Christian Dior zu Füßen lagen wegen der vollkommenen Eleganz seiner Entwürfe, folgten die Frauen der Bonner Republik gelehrig der pragmatischen Vornäherin der Nation.

Die hatte daheim in Offenburg früh modisches Gespür bewiesen. Schon nach der vielversprechenden Hochzeit 1931 mit dem promovierten Franz Burda, Erbe einer ortsansässigen Druckerei, gehört die ambitionierte Anna mit ihrem Bubikopf zu den bestangezogenen Frauen. Später wird sie sich Aenne nennen, nach ihrem Lieblingslied "Ännchen von Tharau", aber mit apartem Umlaut. Stets auf gesellschaftliches Ansehen bedacht, sieht man die junge Familie auf Fotos feingemacht durch die Hauptstraße spazieren. Die Dame macht den Führerschein, kauft Seidenstrümpfe in Straßburg. Und der Herr hat eine Geliebte.

Sie wollte alles - und bekam es

Dass aus einer Demütigung am Ende Aennes großer Coup wird, gehört zu den Besonderheiten dieser Biographie. "Having it all", das hat die amerikanische Journalistin Helen Gurley Brown in den achtziger Jahren ihren Geschlechtsgenossinnen als dröhnende Devise ausgegeben: Sexappeal, schöne Kinder, vorzeigbarer Ehepartner, Karriere - bloß kein Feld den Männern überlassen. Aenne Burda benötigte vier Jahrzehnte vorher für solche Pläne keine Frauensolidarität. Sie wollte von ganz alleine alles. "Mein Streben ging immer nach Reichtum und Macht", sagte sie später in der Offenheit, die typisch für sie gewesen sein muss.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Aenne Burda die Affären ihres Mannes für sich nutzte.

  • In diesem Artikel:
  1. Sie lesen jetzt: 1 Schnittmuster für Millionen
  2. 2 Appetit auf Mode

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Leserkommentare (1)



28.07.2009 11:06:09

disabled: Liebe SZ

Folgender Abschnitt ist doppelt im Artikel:

1994 übergab Aenne Burda das Zepter an ihren Sohn Hubert. Sie war 85 und eine einflussreiche Frau, die mit ihrer Idee vom Schnittmustermagazin, mit Sonderheften und Kochbüchern "Geld verdient hat, wie Blätter an den Bäumen wachsen". So hat sie es selbst ausgedrückt. Ihr Anteil am Erfolg des Burdakonzerns ist unbestritten - für sie selbst war entscheidend: "Ich bin Burda Moden." An ihr vorbei schaffte es keine Rockfalte ins Heft.


1 Besucher hat diesen Kommentar bewertet



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