Von Violetta Simon

Schönheits-Ikone, Wellness-Unternehmerin und "schönste Großmutter der Welt": Die Schauspielerin Christine Kaufmann über Drogen, Lesben-Liebe und den Tod.

Mit "Rosen-Resli" wurde sie 1954 zum Kinderstar, 1961 gewann sie den Golden Globe, 1963 heiratete sie den Hollywood-Star Tony Curtis. In der Talkshow "... bitte mit Sahner" sprach Christine Kaufmann über die zentralen Dinge des Lebens: den Tod, die Liebe, Sex, Drogen und ihre Mutter.

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Bildstrecke Christine Kaufmann - Stationen aus ihrem Leben Rahmen
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Angst vor dem Tod hat die 62-Jährige nicht, warum auch: "Alle klagen, oh jetzt müssen wir sterben, keiner sagt, vielleicht ist Sterben eine ganz tolle Reise. Vielleicht ist es wirklich der ultimative Orgasmus", erklärt sie Paul Sahner beim Plausch auf der Besucher-Couch.

Dabei war das Leben der Schauspielerin in den ersten Jahren alles andere als friedlich und heiter: Als Baby wurde sie für acht Monate in ein Heim gegeben, bis ihr Vater aus dem Krieg zurück kam. Ihr Vater sagte ihr einmal, dass sie sie eigentlich nicht weggeben wollten, weil sie das einzige ihrer Kinder war, das nie weinte. "Deswegen war ich später auch fähig, als Rosen-Resli Menschen zum Weinen zu bringen, weil ein ungeweintes Leid in mir war - wahrscheinlich Schreie die nie ausgestoßen worden sind", mutmaßt der ehemalige Kinderstar.

Die Mutter, das ewige Kind

Durch die Erfahrungen in ihrer Kindheit habe Kaufmann lange gebraucht, um ihre Mutter zu lieben. "Carry Grant hat gesagt, wenn Du lernst Deine Mutter zu lieben, dann lernst du auch die Welt zu lieben und die Menschen an sich", erzählt Kaufmann. Das war aber nicht so einfach, da ihre Mutter "wie ein eifersüchtiger Liebhaber" gewesen sei. "Weder wollte sie, dass ich Tony heirate noch sonst irgendwen. Sie wollte von mir geliebt werden, weil sie ihr Leben riskiert hat, um mit meinem Vater, einem deutschen Soldaten, zusammen zu sein. Sie hat erwartet, dass ich dankbar bin, dass ich auf dieser Welt bin".

Lange Zeit habe sie ihrer Mutter deswegen die kalte Schulter gezeigt, wenn auch unbewusst. "Wenn man als Säugling weggegeben worden ist, ist doch klar, dass man diese Frau nicht unbedingt liebt. Es war immer eine ungeklärte, eine unbeleuchtete Wunde", sagt Kaufmann.

Vor Jahren hatte Kaufmann einmal gesagt, einer ihrer größten Triumphe im Leben sei, dass sie sich am Ende lieben gelernt hätten. Nun erklärt sie, wie es dazu kam: "Plötzlich hat meine Mutter mir erzählt, dass sie als 13jähriges Mädchen von dem Liebhaber ihrer eigenen Mutter schwanger wurde". In diesem Moment sei ihr klar geworden, warum ihre Mutter immer wie ein junges Mädchen gewesen sei, das versuchte, Liebe von ihr zu kriegen. "Deswegen durfte ich nie Kind sein, weil sie immer eine Mutter haben wollte, die das für sie übernimmt", resümiert sie bei Sahner.

Männer, Frauen und der Sex

Auch Tony Curtis habe letztendlich eine Mutter in ihr gesucht. "Deswegen habe ich ihn ja dann auch verlassen", erklärt Kaufmann. "Ich bin nicht die Mutter von einem erwachsenen Kind. Das kann ich nicht sein". Dennoch sei sie sicher, dass Curtis nicht schwul war. "Tony war eher so einer, der auf große Titten stand". Die gute Marilyn konnte den Frauenschwarm dennoch nicht beeindrucken: "Er hat einmal gesagt, Marilyn Monroe zu küssen, wäre wie Hitler zu küssen. Sie sei eine Psychopatin, immer zu spät und sie könnte sich den Text nicht merken", sagt Kaufmann über ihren Exmann.

Im Übrigen sei sie selbst mehr als einmal in eine Frau verliebt gewesen. Dennoch sei die intensivste erotische Beziehung, die sie je hatte, mit einem Mann gewesen - der im Prinzip homosexuell ist. Obwohl sie nicht lesbisch sei, habe sie oft gedacht, "das wäre so praktisch. Wenn ich sehe, wie sich eine Frau bewegt. Der Popo oder die Brüste, dann verstehe ich, was Sexualität für Männer ist", erklärt die Schauspielerin.

Bei Drogen habe sie immer ein bisschen mitgemacht, doch eigentlich habe es sie nie interessiert. Und dann fällt ihr wieder Cary Grant ein: Er sei der Erste gewesen, der ihr überhaupt etwas über Drogen erzählt habe, etwa, dass Drogen die Wahrnehmung öffnen. "Ich fand das interessant, weil Cary Grant überhaupt nicht der Typ war, der zugedröhnt in der Ecke sitzt. Hat er auch nicht", sagt sie. Er sei in die Wüste gefahren und habe dort LSD genommen.

Auf Sahners Frage, warum sie immer so ausgesehen habe wie jemand, der kurz davor stehe, Junkie zu werden, antwortet sie: "Ich war eine zeitlang sehr dünn. Aber man war halt damals sehr dünn."

Dass sie die Schauspielerei nach ihrer Rückkehr nach Deutschland an den Nagel gehängt hat, liege daran, dass sie nicht in das deutsche Fernsehen passe. Zudem sei sie der Meinung, dass Fernsehstar ein Begriff sei, den es gar nicht gebe: "Entweder man ist ein Star oder man arbeitet im Fernsehen". Ein Star sei jemand, den man nicht vergisst. Und in dem Sinne sei sie ein Star. "In vielen Ländern kann man sich an mich erinnern, obwohl der letzte Film, den sie von mir gesehen haben „Bagdad Cafe“ war. Aber ich bin für viele Leute unvergesslich und deswegen kann ich sagen, ich bin ein Star".

(sueddeutsche.de)

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Leserkommentare (1)



05.04.2007 17:02:28

Trotzalledem: Emanzipation ?

Endlich eine Frau, mit der wir uns identifizieren können.... !*gruml* und wie weise, den Tod einen " alternativen Orgasmus" zu nennen...

Zum Glück lässt sie alles wesentliche einen Mann sagen nämlich den tiefgründigen "Carry Grant"

Ach, da fällt mir noch das Lied: Sah ein Knab` ein Röslein stehn... ein. :-)


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