Warum ist Champagner so teuer? Was unterscheidet ihn vom profanen Sekt? Zum Mythos des berühmtesten Getränkes der Welt.
Bei Champagner kann kaum einer Nein sagen - Statue des Mönchs Dom Perignon in Moet et Chandon. Foto: dpa
Ein alter Kalauer stellt die Frage: Was ruft ein Snob, der dürstend durch die Wüste irrt? - Champagner! Der lahme Witz zehrt davon, was sich nicht bestreiten lässt: Champagner ist ein ganz besonderes Getränk, es perlt, belebt, erheitert und sorgt für festliche Stimmung.
Im Unterschied zu Bier, Wein oder gar Schnaps verlangt der wahre Genuss von Champagner nach Geselligkeit. Am besten aber mundet er, wenn man zu zweit allein ist. Das dürfte eine jedem Erwachsenen geläufige Erfahrung sein, die den französischen Schriftsteller Valery Larbaud zu der lebensklugen Einsicht inspirierte: "Liebesbeziehungen beginnen mit Champagner und enden mit Kamillentee."
Champagner eignet Eleganz, weshalb es nicht verwundern kann, dass bei seiner Entwicklung Frauen eine ganz besondere Rolle spielten. So beispielsweise Nicole-Barbe Cliquot, die 1806 die seither als "mèthode traditionelle" bezeichnete Herstellungsweise des "Rüttelns" und "Degorgierens" entwickelte.
Damit ließ sich die Trübung, die infolge der zweiten Gärung auf der Flasche durch Zugabe einer Mischung aus Hefe und Zucker eintrat und die den Wein erst zum Champagner veredelt, wieder klären.
Wilhelm Busch hat ihr dafür mit den bekannten Versen ein Denkmal gesetzt: "Wie lieb und luftig perlt die Blase Der Witwe Klicko in dem Glase - Gelobt seist du viel tausendmal!"
Champagner kommt nur aus der Champagne. Alles andere sind Schaumweine, heißen also Sekt, Spumante, Cava oder Crémant. Zwar verdanken auch die ihr schäumendes Temperament wie der Champagner einer Zweitgärung auf der Flasche, aber sie stammen nicht aus der Champagne.
Deshalb wogt bis heute unentschieden der Streit, der schon im 19. Jahrhundert ausbrach, ob denn Champagner in jeder Hinsicht besser sei als Sekt. Jedenfalls ist jener wesentlich teurer als dieser, was erhellt, dass Champagner eine Weltanschauung ist, Sekt jedoch ein Schaumweingetränk.
Der Beweis? Im Friedensvertrag von Versailles, mit dem der Erste Weltkrieg beendet wurde, musste sich das unterlegene Deutsche Reich zum Schutz der Herkunftsbezeichnung "Champagner" förmlich verpflichten. Darin kann, wer will, eine historische Ungerechtigkeit erkennen, denn der Kellermeister von Mme. Cliquot hieß Antoine Müller und stammte aus Deutschland.
Überhaupt verdankte sich der große Aufschwung, den die Champagnererzeugung im 19. Jahrhundert in Frankreich nahm, ganz wesentlich deutschem Kapital, deutscher Kellertechnik und deutschem Handelsfleiß, weshalb noch heute viele berühmte Champagnerfirmen deutsche Namen tragen: Roederer, Mumm, Deutz, Heidsieck, Krug, Piper, Bollinger oder Taittinger.
Das Champagnertrinken kam im späten 17. Jahrhundert an den Königshöfen von Frankreich und England aus Gründen in Mode, die noch heute gelten: Eisgekühlt getrunken, entfaltet Champagner ungemein schnell seine Wirkung, die erregt, erfrischt und erheitert.
Außerdem hat er einen großen Vorzug: Champagner macht keine Rotweinflecken. Und ohne die weltweite Beliebtheit, der sich der Champagner bis heute erfreut, wäre die nordöstlich von Paris gelegene Champagne nur das, was sie vor allem ist: eine eher trostlos anmutende Landschaft.
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