Von M. Kotynek, Brüssel

Er kam durch die VIP-Einfahrt, mit Sonnenbrille und Handschuhen: Karl Lagerfeld hatte eine Bitte an die EU-Kommission - und ließ sie warten.

Wettbewerbsregeln in der Mode, Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld in Brüssel: Er wollte der Wettbewerbskommission nur mal seine Meinung sagen. (Foto: AFP)

Als der Termin schon längst begonnen haben sollte, kommt der Konvoi endlich die Straße zum Berlaymont, dem Hauptgebäude der EU-Kommission, hinauf. Eine Stunde lang hatten EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes und ihre Mitarbeiter auf Karl Lagerfeld schon gewartet.

Der Modemacher wollte unbedingt einen Termin mit der Kommissarin, etwas Dringendes war zu besprechen, die neuen Wettbewerbsregeln, welche die EU einführen möchte, gefallen dem Designer nicht. Lagerfeld soll nicht mehr bestimmen dürfen, wo er seine Kreationen verkauft?

Seine neueste Kollektion soll gar bei Ebay landen, wo jeder Mensch Chanel-Kleider weit unter dem vorgesehenen Einkaufspreis ersteigern kann? Unvorstellbar.

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Karl Lagerfeld "Mich interessiert nur mein Spiegelbild" Rahmen
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Doch statt als Bittsteller in Brüssel zu erscheinen, chauffieren ihn seine Fahrer direkt zur VIP-Einfahrt des Gebäudes. Der überdimensionale Geländewagen und die schwarze Limousine mit den abgedunkelten Scheiben fahren an dem wartenden Empfangskomitee der Kommission vorbei, direkt in den Bauch des Berlaymont.

Der Modemacher betritt die EU-Kommission nicht etwa durch den Eingang für jedermann, sondern durch das Portal, das bedeutenden Politikern vorbehalten ist. Auch den Wunsch, sich zu dem Thema öffentlich zu äußern, erfüllt Lagerfeld der Kommissarin nicht. Und so tauschen sich Lagerfeld - schwarze Sonnenbrille, schwarzer Anzug, schwarze Handschuhe - und Neelie Kroes im vertraulichen Gespräch über die Reform der Wettbewerbsregeln aus.

Bisher müssen sich Hersteller, die einen Marktanteil von weniger als 30 Prozent haben, nicht an die EU-Regeln zu exklusiven Verkaufsvereinbarungen halten. Mit diesen Verträgen erlauben Markenhersteller nur bestimmten Händlern, ihre Produkte zu verkaufen - Internet-Händler sind fast immer ausgeschlossen, da die Hersteller fürchten, dass im Netz Fälschungen angeboten werden.

Lagerfeld stellte klar, dass er "mit den bisherigen Regeln glücklich" sei und daher "keine Änderungen wünscht", war zu erfahren. Hersteller von Luxusgütern hätten "ein Recht" auf solche Verträge. Ob sein Besuch gefruchtet hat, wird sich im Herbst zeigen. Dann will Kroes, welche die Ausführungen des Designers "aufmerksam verfolgt" hat, Vorschläge vorlegen.

(SZ vom 12.02.2009/bre)

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Leserkommentare (8)



12.02.2009 15:29:29

ReneArtois: Wer hier rot wohl markiert?

Wird doch nicht der "Bischof" Williamson gewesen sein?


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