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Religion im Wandel
30.03.2007, 7:15
(Foto: Jens Mauritz)
Jesus lebt. Mit diesem einfachen Satz hat Ostern damals begonnen. Gekreuzigt, aber lebendig: Die Neuigkeit verbreitete sich unter seinen verzweifelten Anhängern, sie staunten und sagten es weiter, schließlich strömten sie aus allen Teilen des Landes zusammen, um sich zu versammeln. »Ein Brausen kam vom Himmel«, heißt es in der Bibel, züngelndes Feuer leckte nach ihren Köpfen, der Geist erfüllte sie, und plötzlich verstanden alle einander, obwohl sie in verschiedenen Sprachen redeten. Jesus lebt die babylonische Sprachverwirrung war beendet.
Wir wissen nicht, was damals wirklich passiert ist. Wir wissen nur: Eine Versammlung von Menschen hatte plötzlich eine unglaubliche Kraft entwickelt, eine Kraft, die für 2000 Jahre christliche Geschichte reichen sollte.
Heute erinnern in den Kirchen brennende Kerzen an diese gewaltige Energie. Manche Gemeinden entfachen in der Osternacht das Osterfeuer, und der Pfarrer sagt: Jesus lebt. Aber es scheint, als könne das Feuer dieses Satzes niemanden mehr entzünden. Wenn der Satz geglaubt würde, müssten den Christen eigentlich Flügel wachsen, die Gemeinden müssten vor Kraft strotzen, ihre begeisterten Mitglieder müssten an Ostern durch die Straßen rennen und jedem ins Ohr brüllen: »Gott lebt! Wirklich, er lebt!« Stattdessen stehen sie mit allen anderen im Stau auf der Autobahn.
Jesus lebt - das ist heute keine Gewissheit mehr, die das Dasein der Christen beflügelt. Der Satz dient nur als Geschäftsgrundlage einer Funktionärskirche, als gemeinsame Grundannahme, an die man besser nicht rührt, denn niemand könnte heute noch verbindlich sagen, was er eigentlich bedeutet.
Als der heutige Papst noch Kardinal war, hat er einmal gesagt, am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends befinde sich das Christentum in einer schweren Krise: Der Wahrheitsanspruch der Kirche werde angezweifelt als Gründe dafür nannte er die Aufklärung, die Evolutionstheorie und die historisch-kritische Bibelforschung. Vergessen hatte er: Auschwitz. Dort sind mit den Juden auch die letzten noch vorhandenen Reste christlicher Glaubwürdigkeit verbrannt. Schließlich waren es Getaufte, unter deren Hieben die Juden in die Gaskammern getrieben wurden.
Die Schlussfolgerung des heutigen Papstes bleibt dennoch richtig: »Weil es so steht, muss die altmodische Frage nach der Wahrheit des Christentums neu gestellt werden.« Aber die Kirchen der beiden großen Konfessionen rennen vor dieser Frage davon. Sie begründen ihre Existenz nicht mit ihrer Wahrheit, sondern mit ihrer Nützlichkeit. Sie verweisen auf die Caritas und die Diakonie (zu deren Kosten die Kirchen gerade mal 1,8 Prozent beisteuern, der Rest kommt vom Staat und den Sozialkassen); sie betonen ihre Funktion als Hüter der Menschenwürde und Anwälte der Armen (die vom Verfassungsgericht wirksamer geschützt werden); sie fühlen sich wichtig in Ethikkommissionen und als Berater der Politik (die längst aufgehört hat, richtig zuzuhören).
Und die Menschen? Haben sich schon lange abgewandt. Das spüren die Kirchen jetzt dort, wo es sie am meisten schmerzt, in der Kasse. Die Bischöfe beider Konfessionen, erschreckt von den apokalyptischen Prognosen ihrer Kämmerer, holen sich deshalb seit einiger Zeit Rat von den Missionaren einer fremden Religion: der Unternehmensberatung McKinsey. Deren Gesandte halfen gern, wenn auch nicht für Gotteslohn. Genaue Zahlen gibt bis heute keiner der Beteiligten heraus, nur so viel ist klar: Der Rat war ausgesprochen teuer. Also muss er auch gut sein, dachten die Bischöfe, und öffneten sich dem neuen Evangelium, alles sei Markt, auch das Religionsbusiness, und zuvörderst brauche man eine »Konzentration aufs Kerngeschäft«.
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![]() 04.04.2007 16:47:45 Antoninus: 16. April - der 80. Geburtstag Gratuliere auch Du – dem Papst zum 80. Geburtstag am 16. April: http://www.theo-magazin.de/benedikt.html Kai Diekmann - Chefredakteur BILD, Hamburg - macht es vorbidlich vor: „Das Bild der katholischen Kirche hat in den letzten 25 Jahren einen erstaunlichen Wandel erfahren. Was früher scharf kritisiert wurde, was als abgestanden, weltfremd, antiliberal, gar als Fessel des wahren religiösen Bekenntnis’ verstanden wurde, wird heute vielfach ganz anders beurteilt. Nicht mehr die Institution wird als Gefahr begriffen, sondern eher die ungebundene Wucht des Religiösen. Rituale gelten nicht länger als Zwang, sondern als Ausdruck von Stabilität und Verlässlichkeit. Und auch moralphilosophische Klarheit erscheint niemandem mehr als Anmaßung und Herrschaftsinstrument, sondern als Grundlage unseres Weltbildes, unserer Werte, auch des politischen Umgangs. Die Gründe für diesen Wandel mögen vielfältig sein – ohne Benedikt XVI. und seinen Vorgänger Johannes Paul II. sind sie nicht denkbar. Beide haben der Frohen Botschaft neue, ganz fassliche Bedeutung gegeben, haben Demut, Nächstenliebe und die Gewissheit des Glaubens im Alltag vorgelebt. Gerade dieses persönliche Bekenntnis hat der Kirche große Sympathien eingebracht und große Möglichkeiten eröffnet. Es wäre meine Hoffnung und mein Wunsch, dass die Kirche sie auch nutzt.“ * Auf der o. angzeigten Seite kann jeder ins Gästebuch was pseröanlich Ehrliches oder solch verlogenes Zeugs eintragen wie Kai Diekmann. (Muster: oben: Benedikt; untern Nackertes...) ![]()
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