Wen in New York die Sehnsucht nach grünen Wiesen, Bergen und einer ordentlichen Maß plagt, findet selbst in den Hochhausschluchten kleine Fluchten. Der letzte Eintrag unseres Autors in sein Tagebuch New York.
Berge und grüne Almen kann New York zwar nicht bieten. Aber was Gescheites zu essen bekommt man allemal - nur gewusst, wo! Foto: iStockphotos
Montag, 29. Oktober 2007
New York ist eine wunderbare Stadt, und viele Kollegen beneiden mich zu Recht um meinen Job hier. Aber gelegentlich kommt eben doch einmal ein Morgen, an dem ich mit einem komischen Gefühl aufwache. Ich habe von Zwiebeltürmen, braunen Kühen auf saftigen Weiden geträumt und davon, dass ich in einem großen Bierzelt am Ammersee sitze, vor mir eine Maß Bier und einen Leberkäs, und dass ich eine ganz lange Stoiber-Rede anhöre.
Mit anderen Worten: Ich habe Heimweh nach Bayern.
Das sind dann Tage, an denen gehe ich abends ins Cafe Steinhoff, dem bekanntesten österreichischen Lokal in Brooklyn. Das ist natürlich nicht richtig Bayern, aber eben doch ein bisschen wie zu Hause. Das Bier ist gut, der Wirt, Paul Göbert, kommt aus Wien, der Koch aus Mexiko und das Wiener Schnitzel schmeckt wie in einem Schnellrestaurant auf der Skipiste in Zillertal.
Wenn ich mehr Zeit habe, fahre ich nach Manhattan hinüber und freue mich, wie viele deutsche (und österreichische) Restaurants sich in New York halten können.
Sehr beliebt ist zum Beispiel "Zum Schneider", ein Bavarian Indoor Biergarten an der Lower East Side, gegründet vor sieben Jahren von Sylvester Schneider aus Weßling (Kreis Starnberg). Als Schneider Anfang des Monats ein großes Oktoberfest feierte, war das der New York Post einen begeisterten Artikel wert (Überschrift: "Yodel Yum").
Wer weniger mit Bayern, dafür mehr mit Köln verbunden ist, der geht in die "Loreley", ebenfalls in Lower Manhattan. Dort bekommt man Pommes rot-weiß und einen Hamburger Bratwurst Style, der ungefähr so schmeckt, wie er klingt.
So kann man weiter durch das "deutsche" New York gehen: Zum "Hallo Berlin" ("New York’s wurst restaurant"), zum "Heidelberg", der "Blauen Gans" oder dem "Lederhosen German Wurst & Bierhaus".
Kürzlich, es war ein wunderbarer, sonniger Oktobertag, sind wir zum Bear Montain gefahren, einem Landschaftsschutzgebiet ungefähr eine Stunde nördlich von New York, um ein wenig die Stille der Natur zu genießen. Doch mit der Stille wurde es nichts, denn hier fand an diesem Tag ein Oktoberfest statt: mit Spatenbräu in Maßkrügen, schwarz-rot-goldenen Fahnen, Sauerkraut und den Austrian Boys, einer Band, die alpenländische Musik machte, was sich ziemlich schlimm anhörte.
Aber man soll nicht schimpfen. Eigentlich bin ich dankbar für Erlebnisse wie das Oktoberfest im Bear Mountain State Park. Sie sorgen dafür, dass das mit dem Heimweh nach Bayern nicht zu arg wird.
Weiter zum Eintrag vom 22. Oktober: Von wegen Ami-Fraß!
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