8. November 2012 09:53 Schmachtwort von Christian Ulmen "Ich bin ein großartiger Fahrer"

Am Steuer hat Bescheidenheit nichts verloren. Der Mann an sich, und zwar jeder Einzelne von ihnen, hält sich für den besten Autofahrer der Welt. Das trifft allerdings nur dann zu, wenn eine kluge Beifahrerin neben ihm sitzt.

Von Mirjam Hauck
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Das Schmachtwort sprach diesmal der begnadete Autofahrer Christian Ulmen.

(Foto: Cornelia Zeug)

Flink und gewandt am Leder, schlagkräftig am Holzscheit, trinkfest am Glas und unermüdlich als Liebhaber. Kaum ein Mann, der nicht gerne mit seinen Talenten protzt. Eines nehmen sie selbstverständlich alle für sich in Anspruch: der weltbeste Autofahrer zu sein. Auch Schauspieler Christian Ulmen zeigt sich von seinem Geschick hinterm Steuer überzeugt: "Ich bin schon ein ziemlich großartiger Fahrer" verriet der 37-Jährige in einem Interview mit dem Magazin Max. Und setzte gleich noch eins drauf, indem er klarstellte: "Alle anderen können das überhaupt nicht, (...) und fahren doof langsam."

Diese bescheidene Selbsteinschätzung spricht immerhin für ein gesundes Selbstbewusstsein von Herrn Ulmen. Dennoch wären die meisten Frauen weitaus glücklicher, wenn sie - außer dem weltbesten Autofahrer - auch den fleißigsten Spülmaschinenausräumer der Welt, den proaktivsten Müllrunterbringer oder gar den großartigsten Kinderwagenschieber an ihrer Seite hätten.

So aber muss sich Frau mit einem einzigen Superlativ zufriedengeben. Zugegeben, es ist ja nicht gerade unpraktisch, wenn der Gatte so sehr von seinen Fahreigenschaften überzeugt ist, dass er die Frau gar nicht erst ans Steuer lässt. Und sie deshalb ins Restaurant und nach zwei bis drei Gläsern Wein auch wieder sicher nach Hause kutschiert.

Und so ignorieren die meisten Beifahrerinnen dann auch bereitwillig die aufschlussreichen Statistiken aus Flensburg, die besagen, dass 80 Prozent der Verkehrssünder männlich sind - geschieht ja schließlich alles nur, um die geliebte Gefährtin schnell ans Ziel zu bringen.

Schnelles Gekurve, kein Erfolg

Apropos schnell: Die Geschwindigkeit, mit der die Herren des Lenkrads in der Regel unterwegs sind, mag vielleicht auf den ersten Blick den blutigen Laien beeindrucken, ist aber alles andere als effektiv. Das ergab die Untersuchung eines britischen Parkplatzbetreibers, der einen Monat lang rund 2500 Autofahrer beim Einparken filmte. Er musste mitansehen, wie Männer schon bei der Suche nach einem Stellplatz scheiterten, weil sie zu schnell herumkurvten und so die Lücken übersahen. Die weiblichen Fahrer dagegen wurden schneller fündig - weil sie langsamer unterwegs waren und die Gelegenheit im entscheidenden Moment sofort ergreifen konnten.

Aber wer wird denn so kleinlich sein. Wenn man ihm Zeit gibt, dem Mann, dann trifft er auch - und dann sogar unter erschwerten Bedingungen. Wer sich wie Ulmen für einen Virtuosen am Gaspedal hält, sollte sein Können unbedingt einmal im Schwarzwaldwaldstädtchen Triberg unter Beweis stellen. Dort hat der Bürgermeister in einem Parkhaus ausgewählte Plätze ausschließlich für Männer reserviert: zwei schwierig zu befahrene Lücken für den "ambitionierten Fahrer".

Doch wie soll man sein Können unter Beweis stellen, wenn man die Parklücke gar nicht erst findet? Da sind dann eben doch wieder die Damen gefragt - wie so oft kommt es letzten Endes immer auch auf die Beifahrerin an. Erst die US-Wahlen haben es wieder gezeigt: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine kluge Frau. Vorausgesetzt, das Team funktioniert.

Um zu testen, ob das der Fall ist, bietet das ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Lüneburg eine ganz besondere Art der Partnersuche: Speed-Dating im Auto. Single-Männer und -Frauen werden pärchenweise jeweils 45 Minuten in einen Wagen gesperrt und über einen Hindernisparcour gejagt. Dabei ist blindes Vertrauen gefragt: Unter anderem müssen die Paare mit verbundenen Augen Slalom fahren. "Im Auto ist am besten zu erkennen, ob man zusammenpasst", erklärt der Geschäftsführer sein Kuppel-Konzept.

Vielleicht haben die Teilnehmerinnen Glück und erwischen einen Kopiloten wie Christian Ulmen. Der ist zum zweiten Mal verheiratet, hat jüngst sein zweites Kind bekommen - und verfügt mittlerweile über die bei Frauen sehr geschätzte Fähigkeit zur Selbsterkenntnis.

Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass seine Angetraute Collien Fernandes - schon wieder eine kluge Frau hinter einem erfolgreichen Mann - das Ihrige dazu beigetragen hat. Die Moderatorin verkündet derzeit als Werbegesicht einer Kampagne des Verkehrsministeriums, wie wahnsinnig unsexy Raser rüberkommen.

Offenbar hat sie auch ihren Gatten überzeugt, und so hat Ulmen in einem Interview mit der Neuen Westfälischen kleinlaut zugegeben: "Am Steuer bin ich ein furchtbarer Idiot." Ein guter Ehemann weiß eben, wann er das Steuer abgeben muss. Das ist doch eigentlich schon wieder ziemlich sexy.