5. Dezember 2012 11:26 Schmachtwort der Woche von Otto Waalkes "Wir wussten, dass das nicht ewig hält"

Menschen, die heiraten, trauen sich was. Immerhin lässt sich knapp die Hälfte aller Paare wieder scheiden. Doch was ist mit all den Wiederholungstätern? Sind die besonders mutig - oder einfach nicht mehr zu retten?

Eine Kolumne von Violetta Simon

Am 12.12.12 werden viele Paare die letzte Gelegenheit für die nächsten 89 Jahre nutzen, um an einem Datum mit dreifacher Schnapszahl zu heiraten. Man kann den Deutschen ja viel nachsagen, aber nicht, dass sie feige seien. Allein im Jahr 2011 haben sie sich laut Statistik 377.831 Mal getraut. Nichts konnte sie abschrecken, nicht einmal die Tatsache, dass im selben Zeitraum 187.000 Ehen vor dem Scheidungsrichter endeten. Das heißt: Wer heiratet, ist statistisch gesehen bereits zu 50 Prozent geschieden.

Andererseits - wer weiß, ob es klug wäre, es nicht zu tun. Vermutlich ist es sogar egal. Sokrates hat über die Ehe einmal gesagt: "Ob du verheiratet bist oder nicht - später wirst du beides bereuen."

Auch wenn heute niemand mehr heiraten muss - eine gemeinsame Wohnung inklusive einer Horde Kinder gibt es heute auch ohne Trauschein -, tun es viele Paare noch immer aus Überzeugung. Von einer Ehe erwarten sie sich heute jedoch nicht weniger als ein Rundumglückspaket. "Die Liebe ist heute die wichtigste Glücksquelle im Leben der meisten Menschen", erklärt Paartherapeut Dietmar Stiemerling.

Vorbei die Zeiten, als man bereits als guter Ehemann galt, wenn man einen Job hatte, wenigstens die runden Hochzeitstage nicht vergaß und nur am Wochenende betrunken war. Auch eine Ehefrau gilt nicht unbedingt als tolle Partie, wenn sie außer Häuslichkeit nur Sanftmut vorweisen kann. Der Ehepartner ist heute nicht weniger als der Glücksbeauftragte für den eigenen Lifestyle. Die Zahl der Schönheitsoperationen und Burn-outs ist hoch wie nie - wer unter die Haube kommen und dort bleiben will, muss sich eben anstrengen.

Ist es da ein Wunder, dass Paare scheitern? Dass man eigentlich schon nicht mehr an die Ehe glaubt, bevor man es überhaupt richtig versucht hat? Otto Waalkes hatte bei der Ehe mit seiner damaligen Frau Eva Hassmann von vornherein keinen Zweifel - und zwar daran, dass die Sache in die Hose gehen würde: "Wir wussten schon bei der Hochzeit, dass das nicht ewig hält", verkündete er gut gelaunt in der Bunten.

Das wirklich Erschreckende an den Worten des Ostfriesen ist, dass er es nicht nur wusste - er hätte es sogar besser wissen müssen. Es war nämlich seine zweite Hochzeit. Kann man solche Wiederholungstäter wirklich noch als mutig bezeichnen? Womöglich sind sie einfach nur verrückt.

Normalerweise lernt der Mensch aus Fehlern, die meisten begeht er nur einmal. Zum Beispiel die Hand auf eine heiße Herdplatte legen oder ohne Taschentuch "Legenden der Leidenschaft" im Kino ansehen, in nagelneuen Pumps auf eine griechische Hochzeit gehen oder den halbwüchsigen Freunden des pubertierenden Sohnes lässig über die Schulter "Fühlt euch wie zu Hause!" zurufen, bevor man die Wohnung verlässt. Einen zweiten Versuch erspart man sich in der Regel.

So gesehen war die Zweitehe von Waalkes und Hassmann sogar eine Schnapsidee mit Ansage. Und der Komiker kann sich dabei auch noch auf einen Gelehrten berufen: "Die zweite Ehe ist der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung", sagte der englische Dichter Samuel Johnson.

Heiraten scheint also eindeutig zu den Erfahrungen zu gehören, aus denen man nicht lernt. Aber so sind wir nun mal. Wie ein Kind, das versehentlich in vergammelten Käse gefasst hat und nun immer wieder an den Fingern riecht, obwohl es genau weiß: Es stinkt. Unbelehrbar wie das Feierbiest in uns: Wir trinken nach dem Wein ein Bier, dann noch einen Absacker, gefolgt von einem letzten Gin Tonic und runden das Ganze mit einem Gläschen Averna ab. Obwohl der letzte Kater nicht lange genug zurückliegt. Und auch wenn wir damals dachten, ganz sicher sterben zu müssen, so können wir uns an diesem herrlichen Abend einfach nicht vorstellen, dass uns das noch einmal passiert - bis zum nächsten Morgen.

Jeder macht mal einen Fehler - aber warum machen manche denselben Fehler zweimal? Liegt es womöglich daran, dass die Alternativen so unattraktiv sind? Immer nur Wasser trinken, ist auf Dauer schließlich keine Lösung. Wahrscheinlicher ist aber, dass wir uns einreden: Diesmal läuft es besser, diesmal schaffen wir es. Kopfschmerzen? Ha! Nicht mit mir! Scheidung? Ach was, seht euch diesen Engel an! Sieht so ein Fehler aus?

Dass Otto Waalkes die Steigerung, ja, Reinkarnation von Unbelehrbarkeit ist, wissen wir spätestens, seit seine zweite Ehe ruiniert ist: "Eine tolle Frau!", verkündete der Ostfriese nach seiner Scheidung von Eva Hassmann. Und fügte hinzu: "Ich würde sie sofort wieder heiraten!" Manchen Menschen ist eben einfach nicht zu helfen. Und das gilt nicht nur für Komiker.

Zur Verteidigung all jener Wiederholungstäter sei gesagt: Zweitehen halten in der Regel länger als die vorhergehenden. Weil man sich den Partner genauer aussucht. Wenn man einen Fehler schon zweimal macht - dann sollte man wenigstens wissen, warum.