28. November 2012 15:57 Schmachtwort der Woche "Hausarbeit ist Menschenarbeit und nicht Frauenarbeit"

Eine Kolumne von Violetta Simon

Während draußen Gleichberechtigung und Aufgabenteilung herrscht, regiert trotz Alice Schwarzer hinter der Wohnungstür nach wie vor das Rollenbild der Fünfzigerjahre. Herrenquote im Haushalt? Daran arbeiten wir noch. Dabei ziehen wir artig an einem Strang - in verschiedene Richtungen.

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Das Schmachtwort polterte diesmal Alice Schwarzer, die demnächst ihren 70. Geburtstag feiert.

(Foto: Cornelia Zeug)

Bei den Männern hat sich was getan: Sie sind jetzt Väter in Erziehungsurlaub, kennen die Namen ihrer Kinder auswendig und schwingen hin und wieder sogar den Kochlöffel. Auch bei den Frauen hat sich was getan: Sie dürfen sich jetzt an Kindern UND Karriere versuchen, der Weg in die Chefetage steht ihnen frei. Auch wenn sie dort nur selten ankommen, weil sie sich daheim wieder einmal verzettelt haben. Zum Beispiel beim Aufräumen der Küche, nachdem der Mann gekocht hatte.

Dort, hinter der Wohnungstür mit den zwei Familiennamen, regiert nämlich noch das Rollenbild der Fünfzigerjahre. Oder die Steinzeit: Männer sind genetisch bedingt Jäger, ihr Blick schweift in die Ferne, auf der Jagd nach Ruhm. Frauen sind Sammlerinnen, also sammeln sie instinktiv Klamotten, Spielzeug und Handtücher vom Boden auf, die ihre Männer übersehen haben. Nein, das ist kein Klischee. Das ist die Wahrheit.

Diesem Aufräumtrieb geben wir Frauen allerdings nur hinter verschlossenen Türen nach, weil es uns selbst so peinlich ist. Da draußen gibt es nämlich längst Gleichberechtigung, Aufgabenteilung und eventuell sogar eine Frauenquote. Die Herrenquote im Haushalt? Daran arbeiten wir noch. Zugegeben, seit geraumer Zeit.

Die Ironie blieb ungehört

Eine der ersten, die sich dafür zumindest verbal ins Zeug gelegt beziehungsweise aus dem Küchenfenster gelehnt hat, war Alice Schwarzer, wer sonst. "Hausarbeit ist Menschenarbeit und nicht Frauenarbeit", krakeelte die Emanze vom Dienst bereits 1973 und wedelte dabei mit ihrem soeben erschienenen Buch "Frauenarbeit - Frauenbefreiung". Überraschend ist dabei nur der ungebremste Idealismus, den die Frau versprühte. Genau wie die Zuversicht, die Johanna von Koczian ausstrahlte, als sie ein paar Jahre später in der Hitparade "Das bisschen Haushalt" trällerte - leider derart muttihaft zurechtgemacht, dass die Ironie ihrer Botschaft den meisten Zuhörern gar nicht klar wurde.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Männer bereits Staubpartikel vom Mond geholt. Inzwischen haben sie sogar welchen auf dem Mars eingesammelt. Nur in der eigenen Wohnung, da überlassen sie das Fangen der Staubmäuse nach wie vor ihrer Mitbewohnerin. Die Herausforderung ist offenbar nicht groß genug.

Männer fahren für drei Schrauben in den Baumarkt, aber wenn man sie bittet, auf dem Weg dahin drei Kartons Altpapier zu entsorgen, malmen sie erbittert mit dem Kiefer. Während ein Mann jederzeit in der Lage ist, trägerweise Bier vom Griechen um die Ecke, von der Tankstelle oder vom Getränkemarkt ranzuschaffen (Beute!), scheint es ihm unmöglich, es wieder dorthin zurückzubringen - obwohl die Flaschen dann viel leichter sind. Scheint, als hätten Männer schon vor Tausenden Jahren nur grimmig geknurrt, wenn die Steinzeitfrauen sie baten, die abgenagten Knochen wegzuschaffen.

Solange die Steinzeit unsere Gene und unser Handeln dominieren, träumen wir nur von einer besseren Zukunft: Nach Hause kommen in eine Wohnung, die nicht von einem Poltergeist heimgesucht worden sein muss. Die Zeitung lesen am Küchentisch, ohne wie ein Fakir die Ellbogen auf ein Meer aus Krümel zu stützen. Über den Flur schreiten wie ein Mensch und nicht wie ein angetrunkener Hürdenläufer.

Oh, wie schön muss es sein, ein Bad zu betreten, das man sofort benutzen kann: Einmal nur duschen, ohne die Wanne vorher zu enthaaren. Die Zähne putzen, ohne eine Million kleiner schwarzer Borsten zu entfernen, die ein elektrisch rotierender Nasenhaarschneider ins Waschbecken geschleudert hat. Einmal in den Spiegel schauen und darin ein Gesicht entdecken, das nicht mit weißen Sommersprossen aus Zahnpastaspritzern übersät ist.

Der Mann reagiert in der Regel verständnislos, schlägt aber vor, das Problem durch die Beschäftigung einer Putzfrau zu lösen. Super Idee - wenn es kleine Reinigungsdamen gäbe, die im Schrank wohnen könnten. Schließlich benötigt man ihre Dienste nicht alle zwei Wochen einmal, sondern zweimal täglich.

Kreative Lösungen

Also steigt der Leidensdruck weiter. Das kann auch Vorteile, nämlich kreative Lösungen: Ende des 19. Jahrhunderts schwang sich eine Frau zu technischen Höchstleistungen auf und erfand die Spülmaschine: 1886 meldete die Amerikanerin Josephine Cochrane das Patent für das Wundergerät an - das war kurz nach den Weihnachtsfeiertagen, ihr Frust entsprach vermutlich der Höhe der Tellerberge.

Es folgten der Staubsauger, die Waschmaschine, der Elektroherd, das Dampfbügeleisen, die Küchenmaschine und die Mikrowelle - allesamt von Männern erfunden. Deren Leidensdruck war sogar höher. Am Ende hätten sie sonst noch mit anpacken müssen.

Zweifellos kann es auch nur ein Mann gewesen sein, der sich die jüngste Idee zur Erleichterung der Hausarbeit im Schweiße seines Angesichts aus den Rippen geschnitten hat: Familienpolitiker der Union wollen Frauen bei der Rückkehr in den Beruf entlasten - mithilfe putziger Haushaltsgutscheine. CDU und CSU wären bereit, mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, also muss es sich um eine wirklich gut durchdachte Maßnahme handeln.

Alice Schwarzer wird das nicht gefallen. Aber somit wäre nun eindeutig bewiesen, dass Putzen, Kochen, Waschen, Einkaufen und Aufräumen eben doch Frauensache ist. Sonst würde man die Gutscheine ja auch Männern zukommen lassen. Wie gut, dass wir das endlich geklärt haben.