50. Geburtstag von Johnny Depp Ruhm Diary

Johnny Depp wird 50 - und ist beliebt wie eh und je.

(Foto: REUTERS)

Johnny Depp wird 50. Er ist beliebter als jeder andere Filmstar, obwohl er oft Unsinn erzählt und seine Filme immer fader werden. Wie macht der Mann das nur?

Von Rebecca Casati

Was die Leute über Johnny Depp sagen: "Er ist so eine Art moderner Vagabund." Auch: "Dieser Mann lebt sie wirklich; die Bohème." Oder: "Er ist der bescheidenste Superstar, den wir haben." Und: "Er wird nicht älter, nur cooler."

Was Johnny Depp selber sagt: "Ich liebe Weine, ich halte sie für das Elixier der Götter!" Und: "Fotografiert werden fühlt sich an wie Vergewaltigung." Oder: "Unschuld und Reinheit, ja, diese Themen faszinieren mich. . ." Was das alles verrät: Irgendwie ist in den vergangenen Jahrzehnten aus einem Unplugged-Auftritt von Nirvana eine von Klavier und Oboe begleitete Balladennummer von André Heller geworden, ohne dass wir, die Zuschauer, es gemerkt haben. Aber husch, zurück in die Anfänge der Neunzigerjahre, als die Welt noch auf ein ganz bestimmtes Lied wartete, sein Lied.

Deutschland war beschäftigt mit der Wiedervereinigung, der erste Irakkrieg ging zu Ende. Männer, die nicht Helmut Kohl oder George W. Bush hießen, ließen sich Goatees, also Ziegenbärte, wachsen. Mädchen trugen Motorradstiefel, und überhaupt trugen alle viel schwarzes Leder und viel zu dicke Kreuzanhänger und Totenköpfe um irgendwelche Extremitäten geschlungen und hörten die neue Platte von Vanessa Paradis, die man doof und peinlich gefunden hatte, bis der damals sakrosankte Lenny Kravitz kam, Vanessa Paradis in schwarzes Leder steckte und ihr dann jene Platte komponierte . . .

Wie sich in diesen Tagen auch herausstellte, hatte der Regisseur John Waters dem amerikanischen Teeniestar Johnny Depp einen unbezahlbaren Dienst erwiesen: Er hatte ihn in seinem Film "Cry Baby" besetzt, einer Parodie auf Teeniestars, und ihm damit (Selbstironie und Erkenntnis! Entwicklung!) das Tor zum Erwachsenwerden in Hollywood aufgestoßen. Kurz darauf erschien er als großer Sonderling in einem Film von Tim Burton, für den heute wahrscheinlich kein durchschnittlicher Kinobesucher mehr Verständnis, Abstraktionswillen oder auch nur Geduld aufbringen würde, denn Depp spielte darin ein künstlich erschaffenes Wesen, das in einer Vorstadtsiedlung wohnte, aus nicht näher geklärten Umständen in einer schwarzen Ledermontur steckte, dieselbe Frisur wie der The-Cure-Sänger Robert Smith trug und mit Scheren statt Händen zurechtkommen musste. Tja, und was soll man heute sagen: Damals waren diese beiden Filme nicht nur weltweite Erfolge, sie lösten regelrecht Hysterien aus. Jetzt war er da; der Hit, der Johnny Depp hieß.

In Lasse Hallströms Drama "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" verkörperte er wenig später Gilbert, einen Jungen vom Land, der mit einer monströs dicken, alleinerziehenden Mutter und einem behinderten Bruder klarkommen muss. Und das war's dann, Ordnung kehrte ein, die Teenager dieser Welt sortierten sich. Die einen zum Team Brad Pitt, die anderen zum Team Johnny Depp. Wobei in Depps Mannschaft eben auch die Seltsamen, die Lahmen und die Jungs mitspielten, was sie natürlich letztlich schon rein zahlenmäßig zur überlegenen machen würde. Und mit ihrer Hilfe, heute und 20 Jahre später, konnte Depp dann alle anderen überflügeln: Brad Pitt eh. Tom Cruise auch, selbst Tom Hanks.

Von allen Hollywoodstars ist Depp der erfolgreichste, was heutzutage gleichbedeutend ist mit: der reichste (einen Oscar hat er trotz dreier Nominierungen noch nicht). Gleichzeitig ist er der, der am bedingungslosesten geliebt wird, was mittlerweile eigentlich das einzig Seltsame ist. Denn egal, wie grotesk seine Gage mit jedem neuen Sequel von "Fluch der Karibik" aufgestockt wird, egal, wie albern seine Filme werden - und seit zehn, fünfzehn Jahren sind sie entweder sehr albern oder es wird zu viel gesungen - Depp löst weder Neid noch Beißreflexe aus. Im Gegenteil.