Auf den Zuschauer kommt indes keine durchgängige Freude zu, sondern ein durchaus zwiespältiges Erlebnis, denn die Filme sind von höchst unterschiedlicher Qualität. Während "Die dunkle Seite" durchaus Ansprüchen gerecht wird, wirkt die Verfilmung von "Mordshunger" derart verhunzt, dass sie nicht einmal mehr als konventioneller ZDF-Freitagskrimi um 20.15 Uhr taugen würde.
"Wenn alles gut geht, sehen wir den Schwarm als Weihnachtsfilm 2010", sagt Autor Frank Schätzing. (© Foto: dpa)
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Teilt man Schätzing mit, wie misslungen man Mordshunger findet, sagt er "interessant", mehr nicht. Er ist mit beiden Produzenten seiner Filme freundschaftlich verbandelt und möchte diese Beziehungen nicht öffentlich strapazieren. Dabei müsste er eigentlich schwer darunter leiden, wie hier von Regisseur Robert Pejo im Zusammenspiel mit der Produktionsfirma Zeitsprung und der Redaktion von RTL beinahe alles falsch gemacht wurde, was man falsch machen kann.
Man sieht Hans-Werner Meyer als Kommissar mit Gourmetambitionen, die man ihm nicht glaubt. Man sieht Bettina Zimmermann, die eine femme fatale spielen soll und völlig überzieht. Sehr schnell interessiert es da niemanden mehr, wer denn nun zu Beginn des Films die Unternehmergattin ermordete, und selbst der ordentliche Doppel-Auftritt von Henry Hübchen als verdächtiges Zwillingspaar rettet nichts mehr.
Eine ungefähre Soundsoße
Dass auch Schätzing trotz seines Schweigens gelitten haben muss, spürt man, wenn er später über die Rolle eines Soundtracks spricht. Den für Mordshunger hat Schätzing selbst gefertigt, wovon allerdings kaum etwas zu spüren ist, weil nur irgendwo im Hintergrund eine ungefähre Soundsoße blubbert. "Musik muss richtig knallig in den Vordergrund. Im Grunde ist sie ein zusätzlicher Schauspieler", erklärt er. Da ist er aber schon beim anderen Film.
"Die dunkle Seite" erzählt die Geschichte einer Privatdetektivin, die einen sonderbaren Auftrag erhält. Sie soll einen vor Jahren für tot erklärten Fremdenlegionär finden und stößt dabei auf allerlei Ungereimtheiten, die sie mehrfach auch mit der parallel ermittelnden Polizei in Konflikt bringen. Die dunkle Seite profitiert dabei sehr von wunderbar stimmungsvollen Bildern, die Regisseur Peter Keglevic für die im RTL-Auftrag aktive ZDF-Tochter Network Movie in Szene setzte, von der Stimmigkeit der verschachtelten Geschichte und vor allem von einer glänzenden Hauptdarstellerin.
Lara Croft und amerikanischer Geist
Melika Foroutan spielt die Detektivin Vera Gemini mit einer angemessenen Mischung aus Ernsthaftigkeit und klug gesetzten Comic-Sprenkeln. Einen Hauch der Action-Heldin Lara Croft legt Foroutan in ihre Rolle, in der sie oft böse gucken und mehr als einmal kräftig zulangen muss. Die zeichentrickartig überzogenen Momente sieht Schätzing durchaus in seinem Sinne verwirklicht. "Meine ganzen Storys funktionieren mit einer gewissen Prise Comic", sagt er und will auch den Vorwurf einer gewissen Realitätsferne nicht gelten lassen. "Sicherlich sind solche Stoffe immer ein bisschen an der Realität vorbei, aber das finde ich legitim."
Bestätigt sieht er sich durch das kluge Verhältnis von ausgeklügelten Spannungselementen und purer Action. Das sei durchaus eine Kunst, merkt der Autor an. Eine, die nach seiner Ansicht hierzulande nicht sehr viele beherrschen. Gerne preist er sich da als Ausweg an: "Seit ich denken kann, ticke ich amerikanisch. Ich habe nie diese Grenze zwischen E und U gezogen. Die Amerikaner verstricken auch mal Anspruch mit knackigem Entertainment. Da habe ich mich immer sehr zu Hause gefühlt."
Dass "Die dunkle Seite" in Berlin spielt und somit nicht länger ein Köln-Krimi ist, stört Schätzing wenig. "Ich bin der Meinung, dass man Bücher extrem verändern sollte. Die schlechtesten Filme sind jene, die das Buch Seite für Seite abdrehen", sagt er und gibt so etwas wie eine Grundregel für die Umsetzung aus. "Es muss erst einmal ein guter Film werden. Wenn er dann auch noch dem Buch entspricht, umso besser."
Weihnachtsfilm 2010
Während bei den RTL-Filmen abzusehen ist, dass "Die dunkle Seite" ein Erfolg und "Mordshunger" eher ein Flop werden wird, ist Schätzing längst weiter. Er werkelt nicht nur an seinem neuen Roman, sondern ist auch stark eingebunden in die Vorbereitungen für die Verfilmung von "Der Schwarm". Die nimmt sein Freund, der Zeitsprung-Produzent Michael Souvignier (Contergan) gemeinsam mit dem italienischen Kollegen Dino de Laurentiis in Angriff.
Derzeit laufe alles bestens, sagt Schätzing. Das Drehbuch, das ein Amerikaner schreibt, entwickle sich sehr zufriedenstellend, so dass ein Kinostart absehbar ist. "Wenn alles gut geht, sehen wir den Schwarm als Weihnachtsfilm 2010", sagt er, programmiert dann aber über eine Wortwiederholung noch einen leisen Zweifel ein. "Wenn alles gut geht!"
Das Wechselspiel von Optimismus und Zweifel speist sich für Schätzing wohl vor allem aus seinen Erfahrungen bei den RTL-Projekten. "Das Schöne ist, dass ich bei der neuen Geschichte sehr viel Einfluss habe", sagt er. Wer will, kann daraus viel lesen.
Die dunkle Seite, RTL, Sonntag, 20.15 Uhr; Mordshunger, 22. Mai, 20.15 Uhr.
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(SZ vom 17./18.05.2008/ehr)