Die schwarz-gelbe, also eigentlich bürgerlich-konservative Konstellation des Wahlausgangs führt jetzt erst einmal dazu, dass die stärkste Industrienation des Kontinents von einer Frau und einem bekennenden Homosexuellen geführt werden. Das wäre in Italien, wo die Ära Berlusconi zu einer Stärkung des innenpolitischen Einflusses der katholischen Kirche führte und sich das Land gleichzeitig mit Prostituierten im Dienste des Regierungschefs konfrontiert sieht, immer noch ausgeschlossen.
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Überhaupt zeigt das politische Personal in Deutschland inzwischen eine Vielfarbigkeit wie kaum in einer anderen europäischen Demokratie, was umso bemerkenswerter ist, als wir keine ethnischen Minderheiten aus kolonialer Vergangenheit haben wie England und Frankreich, sondern nur eine historisch ganz junge Wirtschaftseinwanderung.
Trotzdem haben wir nicht nur Männer, Frauen und Schwule in bunter Reihe, sondern auch einen schlagfertigen Landesminister mit asiatischen Zügen und einen schwäbisch redenden Parteivorsitzenden mit türkischem Namen; Kandidaten mit indischen und türkischen Namen traten sogar in Ostdeutschland, übrigens auch bei der CDU, auf. Es würde zur Entspannung im politischen Klima beitragen, wenn die Regionalismen der Links-Partei allmählich in solchen Vergleichen wahrgenommen werden könnten, als liebenswerte historische Besonderheit.
Funktionierender Sozialstaat
Bemerkenswert ist auch, dass die andere, alte Regionalpartei CSU, die sich in Gestalt Seehofers stark exponierte, nicht belohnt wurde - hier hat eine populistische "Lega-Nord"-Stimmung eben nicht verfangen. Und der Erfolg der wirtschaftsfreundlichen FDP verdankt sich keineswegs dem Rückenwind durch eine von ökonomischen Interessen bestimmte öffentliche Meinung; diese verhielt sich zur FDP und ihrem Vorsitzenden sogar so mäklerisch, wie man es gegenüber der Links-Partei und ihren immer noch präsenten fragwürdigen Altbeständen nicht wahrnehmen konnte.
Schließlich: Am rechten Rand hat sich nichts getan, dafür haben wir einen Achtungserfolg der Piratenpartei. All das zeigt nur einen Zwischenstand an, der wenig langfristige Prognosen erlaubt; aber eben auch Leben, eine Demokratie in Bewegung.
Wie es weitergeht, scheint so offen wie noch nie, aber vielleicht kann ein weiterer Unterschied zwischen Deutschland und Italien die mögliche Richtung anzeigen: Deutschland verfügt über einen funktionierenden Sozialstaat, während in Italien der Staat von Einzelinteressen betrogen und geplündert wird. Ein guter Sozialstaat macht die Menschen frei zu demokratischer Politik, die zu mehr da ist als zum eigenen Überleben. Daran wird sich auch in Deutschland mehr entscheiden als die Zukunft der Parteien.
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(SZ vom 29.09.2009/rus)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Wenn ich mich richtig erinnere, zog da eine ehemalige "barbusige" ins Parlament ein.
Sie schrieben: "Die totale Abwesenheit politischer und gesellschaftlicher Debatten in einem Land deutet vielleicht nicht unbedingt auf Harmonie hin, oder Zivilisiertheit, sondern auf eine tiefsitztende Resignation vor den Problemen dieser Zeit, und auf ein intellektuelles Defizit der politischen Kaste."
Ich hege freilich die Hoffnung, dass eine starke Opposition im neuen Bundestag dazu beitragen wird, das Parlament wieder ins Zentrum der Auseinandersetzung über die Probleme unserer Gesellschaft zu rücken. Als unverbesserlicher Optimist mit Blick auf die Motivation der Mitglieder des Bundestags bin ich zuversichtlich, dass der Streit um die Sache alsbald - und sicher katalysiert durch sensationsbedürftige Rederunden im Fernsehen - auch diejenigen Mitbürger politisch aktivieren wird, die vorgestern leider den Wert ihres Wahlrechts verkannten.
aus jeder Zeile dieses Artikels trieft eine geradezu unerträgliche kulturelle Überheblichkeit den sogenannten italienischen Verhältnissen gegenüber. Noch vor 65 Jahren hat sich unser Kulturvolk nichts geschissen, Krieg und Genozid über die Welt zu bringen und jetzt sind wir schon wieder die größten?
Ganz recht. Schön, dass Sie darauf hinweisen. Allerdings wollte ich mich lediglich auf den Artikel und die darin angedeutete Verklärung der Linken beziehen und keineswegs sonstige Missstände in unserer Gesellschaft und unseren Behörden aufzeigen. Dafür gibt es andere Gelegenheiten/Artikel.
Sie wissen, es ließen sich diverse analoge Gleichungen auch für das sich ab 1949 demokratisierende Nachkriegsdeutschland formulieren.
Ungeachtet dessen sollten Sie mal in dieses vertrauliche Dokument
hatetepe://wikileaks.org/wiki/Stasi_still_in_charge_of_Stasi_files/de
schauen, welches unter der Federführung von Prof. Hans Hugo Klein (früherer Richter am Bundesverfassungsgericht und CDU-Politiker) im Jahre 2007 erstellt worden ist.
Diesem Bericht können Sie nicht "nur" ansatzweise entnehmen, wo u. a. (Gauck-/Birthler-Behörde) ehemals aktiven(!) MitarbeiterInnen des MfS mit Billigung/Unterstützung der Parteien "der Mitte" Unterschlupf gewährt wurde.
Der Bericht (PDF-Datei) ist mit über 100 Seiten (leider?) sehr umfang-/aufschlussreich und aus durchaus "nachvollziehbaren" Gründen als vertraulich qualifiziert.
Das "bürgerliche Lager" der 1990-er hatte etwas in die Wege geleitet, was der Metapher "Hund bewacht Wurstvorrat" entspricht.
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Allerdings fürchte ich, dass meine Hinweise auf diese politisch gewollten Unsäglichkeiten hinsichtlich der erkennbar betonierten "Meinungen" so mancher brotlos bleiben werden.
Paging