Zum 80. von Larry Hagman Outlaw im Herzen des Systems

Er war nicht nur der berühmteste Bildschirmschurke, sondern der erfolgreichste Serienstar überhaupt: Larry Hagman alias J.R. Ewing wird achtzig - und mit seiner verlässlichen Bosheit noch immer dringend gebraucht.

Von Tobias Kniebe

Er hat dem Bösen eine Form gegeben, die man lieben konnte - darauf laufen die meisten Erklärungen hinaus, die sich mit dem Leben und Wirken von Larry Hagman alias J.R. Ewing befassen. Von 1978 bis 1990 war er in "Dallas" nicht nur der berühmteste Bildschirmschurke, sondern der erfolgreichste Serienstar überhaupt - und einen wie ihn, der in seinen besten Zeiten den weltumspannenden Machtanspruch des Fernsehens selbst verkörperte, hat das Medium seither auch nicht mehr hervorgebracht.

Vom exakten Sitz des Cowboyhuts bis zum angriffslustigen Funkeln der Schweinsäuglein: Larry Hagman weiß, was die Welt von ihm erwartet - und er liefert es.

(Foto: dapd)

Angriffslustig funkelnde Schweinsäuglein unterm hohen, hellen Cowboyhut, ein breites Grinsen, um das der Wohlstandsspeck seine Ringe zog, das Klimpern der Eiswürfel im Whiskeyglas und das gehässige "Hähähä", das tiefenentspannt aus den untersten Zwerchfell-Regionen aufstieg, um Freund und Feind, Familie und Fremde gleichermaßen fertigzumachen - das war Hagmans wunderbar minimalistisches Repertoire in dieser Rolle.

Und selten hat einer aus weniger Mitteln mehr gemacht. Die Frage, warum der halbe Planet dabei zuschauen wollte, die ganzen bösen achtziger Jahre lang und auch danach noch in endlosen Wiederholungen, ist damit aber noch nicht ganz beantwortet.

Sicher, da passte schon einiges: Hagman, 1931 in Fort Worth geboren, ist tatsächlich Texaner, wie es seine Rolle verlangt, und er war auch tatsächlich ein heftiger Trinker, was spätestens eine Lebertransplantation Mitte der neunziger Jahre zweifelsfrei klarmachte.

Es hätte aber auch etwas völlig anderes aus ihm werden können, wenn man bedenkt, dass er sein Kinodebüt "Ensign Pulver" 1964 an der Seite des ebenfalls völlig unbekannten Jack Nicholson absolvierte. Da mussten die beiden als einfache Matrosen im Pazifik-Krieg schuften - doch Nicholson fand immerhin die Zeit, Hagman in die Geheimnisse des Marihuana einzuweihen.

Der Rest ist bis heute Abkassieren der Tantiemen

Danach hätte es in die klassische Outlaw- und Rebellenrichtung weitergehen können, mit Nicholson & Co. gegen das alte Hollywood, für das Kino der neuen Zeit. Immerhin engagierte sich Hagman auch gegen den Vietnamkrieg und in der "Peace and Freedom Party".

Dann aber holte ihn das Fernsehen ein. In der Serie "Bezaubernde Jeannie", wo er unter die Fuchtel eines weiblichen Flaschengeists geriet, feierte er seinen ersten großen Hit, die nächste wichtige Station war dann bereits "Dallas" - und der Rest ist bis heute Abkassieren der angehäuften Image-Tantiemen: kurze Filmauftritte für Oliver Stone oder Mike Nichols, kurze Serienauftritte selbst in der "Lindenstraße" und im "Traumschiff", zuletzt der multimediale Werbeeinsatz für die Solarenergie.

Ein Umweltschützer, ein Linker und vor allem ein George-W.-Bush-Hasser ist er aber wirklich, da zieht er in Interviews richtig vom Leder und freut sich dann diebisch über den Schock, wenn das innere Bild vom fiesen konservativen Ölbaron in sich zusammenfällt.

Wofür ihn die Menschen aber wirklich geliebt haben und immer noch lieben, hat er doch selbst am besten begriffen. Es geht dabei nicht um Bosheit, sondern um Verlässlichkeit. J.R. Ewing war die Fernsehfigur, deren stets gemeine und egoistische Reaktionen die Zuschauer mit fast hundertprozentiger Sicherheit voraussagen konnten - und schon deshalb gab er uns Halt in einer zunehmend haltlosen Welt.

In dieser Funktion wird er nun, an seinem achtzigsten Geburtstag, dringender gebraucht denn je. Und wie es das Schicksal will, wird er 2012 mit einer Neuauflage von "Dallas" ins Fernsehen kommen.