Was aus Jacksons Leibarzt Conrad Murray wird, ist unklar. Im Februar hatte ihn das Gericht in Los Angeles wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Kardiologe, so der Vorwurf, habe Jackson den Mix aus Betäubungs- und Beruhigungsmitteln verabreicht, ohne die der Sänger nicht mehr schlafen konnte. Murray gibt zu, ihm die Mittel gegeben zu haben, bestreitet aber, dass sie seinen Tod verursacht haben und erklärt sich deshalb für unschuldig. Er wurde gegen eine Kaution von 75 000 Dollar freigelassen. Zwar wiegt die Anklage wegen fahrlässiger Tötung weniger schwer als eine wegen Totschlags, andererseits erleichtert sie, so vermuten viele, eine Verurteilung.
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Neverland steht leer
Murrays Anwälte versuchen, die Schuld auf Jackson selbst und den Konzertveranstalter AEG zu lenken, der den Arzt auf Jacksons Wunsch hin engagiert hatte. Murray, so die Strategie seiner Verteidiger, sei bloßer Ausführender in einer Art Pakt zwischen Jackson und AEG gewesen, nach dem der Popstar die Drogen bekommen sollte, die er haben wollte, solange er auf der Bühne funktionierte. Allerdings haben diese Anwälte im Jackson-Clan, der Murray von Anfang an mit Vorwürfen überzogen hat, lautstarke Gegner. Von der kalifornischen Staatsanwaltschaft ist Milde nicht zu erwarten. Sie hat bereits fünf Mal vergeblich versucht, Murray gerichtlich seine Zulassung als Arzt zu entziehen.
Jacksons Kinder, die bei der Trauerfeier in Los Angeles erstmals öffentlich auftraten, leben bei ihrer 80-jährigen Großmutter und deren Personal. In einem Zeitungsinterview berichtete Katherine Jackson kürzlich, Paris, 12, habe ihr Zimmer mit Fotos in einen Schrein für ihren Vater verwandelt. Auch Prince, 13, und Blanket, 8, würden täglich trauern. Sehr freudvoll klingt ihr Leben nicht: "Sie haben keine Freunde. Sie gehen nicht in die Schule, sondern werden zu Hause unterrichtet." Allerdings sollen sie von September an eine Privatschule besuchen.
Die Streitereien innerhalb des Clans gehen indes weiter: Jacksons Vater Joe gab kürzlich seiner Frau die Schuld am Tod des Sohnes. Es wäre ihre Pflicht gewesen, ihn zu einem anderen Lebensstil zu ermahnen. Dennoch will die Familie sich am Jahrestag seines Todes zu einer Gedenkfeier an seinem Grab auf dem Forest Lawn Cemetery versammeln.
Doch wohin sollen die Fans pilgern? Ihre Hoffnung war es ja, der King of Pop würde auf seiner Neverland-Ranch begraben werden und diese würde zum Wallfahrtsort wie Graceland, die Villa und der Privatfriedhof von Elvis Presley in Memphis. Allerdings hatte Jackson schon 2008 die Hälfte des Zehn-Quadratkilometer-Anwesens verkaufen müssen. Der Zoo steht leer, die Karussells sind abgebaut, die Blumenuhr am Bahnhof der Miniaturbimmelbahn ist stehengeblieben. Im Haus selbst sind bis auf den goldenen Schwanenwasserhahn und die Schlösser an der Schlafzimmertür nur wenige Spuren des einstigen Bewohners geblieben. Man wartet wohl ab, bis sich letzten Geister verflüchtigt haben und hofft, dann einen Käufer zu finden.
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(SZ vom 25.06.2010/kar)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Wenn nun zum Todestag wieder diese Medienmaschinerie anläuft, mit täglichen Zeitungsartikeln, King-of-Pop-Dokus im TV und der inszenierte Tränenausbruch seiner "Tochter" in der Endloswiederholungsschleife, sowie Dauerberieselung via Radio, dann glaub ich fang ich an zu randalieren.