Von Jörg Häntzschel

Auf der Neverland Ranch ist außer dem goldenen Schwanenwasserhahn nicht viel vom King of Pop geblieben. Doch mit seinem Tod ist ihm das beispiellose Comeback gelungen, für das er so eisern trainiert hatte.

In Amerika begannen die Blackberrys an einem heißen Sommernachmittag zu blinken. Europa hörte davon kurz vor der Schlafenszeit. Doch viele verbrachten dann noch Stunden im Internet, wo binnen Minuten beinahe der Verkehr zusammenbrach: Michael Jackson im Krankenhaus, hieß es, Michael Jackson bewusstlos, und dann: Michael Jackson tot. Was folgte, war eine globale, eher beseelte denn traurige Kommunion wie man sie sonst allenfalls bei Fußballweltmeisterschaften erlebt.

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Noch erstaunlicher ist, dass sie auch mit der Trauerfeier, die eine Milliarde Menschen im Fernsehen verfolgten, und mit dem Begräbnis am 3.September nicht wirklich beendet war. Mit seinem Tod ist dem King of Pop das beispiellose Comeback gelungen, für das er am Ende seines Lebens so eisern trainiert hatte.

Jackson, der Mensch, hatte vor seinem Tod rund 400 Millionen Dollar Schulden angehäuft. Jackson, die Poplegende, hat in den vergangenen zwölf Monaten traumhaft schwarze Zahlen geschrieben. Allein der Film This Is It mit den Probeaufnahmen für seine geplante Konzertserie in London spielte weltweit 261 Millionen Dollar ein. Mit weltweit 31 Millionen verkauften Schallplatten schlug Jackson alle lebenden Künstler um Längen.

John Branca und John McClain, die beiden Jackson-Vertrauten und Musikindustrie-Insider, die seinen Nachlass verwalten, haben inzwischen dafür gesorgt, dass die Einnahmen weiter fließen: Im März unterschrieben sie einen Vertrag mit Jacksons Label Sony. Die Plattenfirma will bis zum Jahr 2017 zehn Jackson-"Projekte" mit unveröffentlichtem oder schon bekanntem Material veröffentlichen - seien es CDs, DVDs oder sogar ein Videospiel. Laut Sony liegen in den Tresoren mehr als 60 unbekannte Songs. Nicht weniger als 250 Millionen Dollar will Sony dafür an die Jackson-Erben bezahlen. Es ist der vermutlich größte Deal der Popgeschichte.

Auch der kanadische Spektakelkonzern Cirque du Soleil will seinen Teil vom Jackson-Kuchen. Nach der Beatles-Show "Love" und dem Elvis-Musical "Viva Elvis", die allabendlich in Las Vegas zu sehen sind, sind nun gleich zwei Jackson-Revuen geplant. Die erste soll im kommenden Jahr in Las Vegas starten und dann um die Welt touren. Eine zweite soll 2012 folgen und in einem der MGM-Hotels in Las Vegas in einem eigenen Theater samt Nachtclub aufgeführt werden. "In beiden Shows werden Sie Michael Jackson im Raum spüren", verspricht Branca dazu. Der Cirque du Soleil wird sich die Produktionen je eine Viertelmilliarde Dollar kosten lassen.

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