Zum Tod von Terry Pratchett Der Göttliche

Terry Pratchett ist tot - und wer ihn gelesen hat, der trauert.

(Foto: AP)

Sir Terry Pratchett, Autor von 70 Fantasy-Romanen, ist an den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung gestorben. Wer ihn gelesen hat, der trauert. Weil Pratchett nicht nur Welten schuf, sondern Götter.

Von Kurt Kister

Wenn auf der ganzen Welt deutlich mehr als 60 Millionen Bücher eines Autors verkauft werden, dann bedeutet dies, dass er ein sogenannter populärer Autor ist. Das heißt einerseits, dass er wirklich gelesen wird.

Andererseits bedeutet es meistens auch, dass ihn die Institutionen und Protagonisten der KULTUR nicht wahrnehmen. Ja, Kultur in Großbuchstaben, denn der Tod in Pratchetts Geschichten, ein eher depressiver Kerl mit einer Sense, spricht auch immer in VERSALIEN.

Bei Terry Pratchett, geboren am 28. April 1948, gestorben am 12. März 2015, war beides der Fall: Manchen galt er bestenfalls als Gebrauchsschriftsteller, schlimmer noch: als Fantasy-Autor, der so schratig war, dass er sich schon deswegen nicht für Buchpreise eignete.

Die Götter sind Geschöpfe Terry Pratchetts

Andere aber, jene vielen, die ihn lasen, wissen, dass Pratchett zu seinen besten Zeiten als Großironiker nicht nur Welten schuf, sondern auch Götter. Ein Mensch von der Phantasie Pratchetts, der Götter nach Belieben ins Leben ruft, ist die angemessenste Antwort auf all jene, die Menschen im Namen eines Gottes maßregeln oder quälen. Vielleicht sind wir Geschöpfe Gottes. In jedem Fall aber sind die Götter Geschöpfe Terry Pratchetts.

Wahrscheinlich bleibt einem, der erst als Lokaljournalist in Mittelengland und dann als PR-Mensch eines Energiekonzerns arbeitete, gar nichts anderes übrig, als seine eigene Welt zu bauen. Unsere Welt nämlich, die als die reale gilt, ist langweilig, gefährlich und riecht aus dem Mund. Pratchetts Scheibenwelt dagegen ist ganz anders. Sie ruht auf vier Elefanten, die wiederum auf einer gigantischen Schildkröte stehen, die durch das Universum segelt. Wer ihrem Rand zu nahe kommt, kann runterfallen.

Wie bleibt Ihnen der Fantasy-Autor Terry Pratchett in Erinnerung?

70 Bücher hat Terry Pratchett verfasst, bekannt wurde er mit seiner fantastischen Reihe über die "Scheibenwelt". Trotz seiner Alzheimer-Erkrankung hat der Autor nie aufgehört zu schreiben. An welchen Roman, welche Figur, welches Zitat erinnern Sie sich? Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Es gibt Zauberei auf dieser Welt. Aber es ist nicht die Art von Billig-Zauberei des üblichen Fantasy-Genres, sondern man kann sie an der Unsichtbaren Universität lernen, deren Bibliothekar ein Orang-Utan ist und gerne Orgel spielt. Wer nun glaubt, dies sei Unsinn, der misstraut der größten Begabung des Menschen: der Phantasie.

Pratchetts Welten sind voller Dinge und Wesen, die es in unserer Welt, der realen, der riechenden, nicht gibt, die aber besser als jede Wissenschaft erklären, wo die Elektrizität herkommt, warum ein Troll den Rock'n'Roll miterfunden hat und wieso es in einer funktionierenden Stadt eine Gilde der Mörder geben muss.

Terry Pratchett ist tot

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Die Scheibenwelt, beschrieben in gut 30 Büchern, ist nicht Pratchetts einzige, aber doch die bedeutendste Erfindung (seine restlichen 40 Bücher beschäftigen sich unter anderem mit den Teppichvölkern oder damit, wie man Wissenschaft am besten nicht versteht). Natürlich ist Pratchett seit ein paar Jahren Sir Terry gewesen, weil die Briten klug genug sind, um zu wissen, dass es nichts Klügeres gibt als Skurrilität.

Wer nie etwas von Pratchett gelesen hat, der möge jetzt den ersten Scheibenwelt-Band sofort kaufen. Er heißt "Die Farbe der Magie". Wer Pratchett aber gelesen hat, der trauert - auch weil die Welt nun nicht nur um einen Menschen, sondern um Götter ärmer ist.