Zum Tod von "Spock"-Darsteller Leonard Nimoy Faszinierendes Leben

Spitze Ohren, markante Augenbrauen: Leonard Nimoy in seiner bekanntesten Rolle als Mr. Spock in Star Trek

(Foto: OBS)

Der Kapitän der USS Enterprise hieß Kirk - doch der Held vieler "Star-Trek"-Abenteuer war Mr. Spock, verkörpert von Leonard Nimoy. Jetzt ist der Schauspieler mit 83 Jahren gestorben. Was bleibt ist Spocks Botschaft: Vernunft über Wut.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Faszinierend. Mit diesem Wort umschreibt der Vulkanier-Mensch-Hybrid Spock auf dem Raumschiff USS Enterprise all jene Elemente im Leben, die ihn verblüffen. Da ihm Emotionen fremd sind, bleibt das Gesicht regungslos, nur die rechte Augenbraue wandert nach oben. Er ist die Stimme der Vernunft, er sagt Sätze wie: "Das Wohl vieler ist wichtiger als das Wohl weniger oder das eines Einzelnen." Oder: "Ich bin Vulkanier. Ich habe kein Ego, das man kränken könnte." Oder: "Die Chance, dass wir beide bei diesem Unternehmen getötet werden, liegt bei 2228,7:1."

Spock wurde damit zum Vorbild für eine Generation der Missverstandenen. Natürlich war James Tiberius Kirk Kapitän dieses Raumschiffs, der furchtlose Anführer und emotionale Frauenheld. Der Held vieler Geschichten jedoch, das war der zurückhaltende Spock, der Konflikte nicht mit Fäusten und Phaser, sondern mit Logik und Intelligenz zu lösen versuchte. Spock, der effiziente Anti-Macho, war Vorbild all jener, die auf dem Schulhof verprügelt wurden und mittlerweile mit ihren Erfindungen die Welt verändern.

Er war der wahre Held vieler Star-Trek-Abenteuer: Commander Spock (mit Kapitän Kirk, Doktor McCoy und "Scotty", von links)

(Foto: AP)

Spock wird immer mit Leonard Nimoy verbunden bleiben. Die vorsichtige Ironie, ausgedrückt mit reduzierter Mimik und vorsichtigen Gesten wie dem vulkanischen Gruß; der sanfte Sarkasmus in emotionslosen Aussagen durch diese klare, tiefe Stimme; das stete Preisen von Verstand über Bauch, von Vernunft über Wut, von Verhandlung über Gewalt. Das ist das Verdienst von Nimoy, der am Freitag in seinem Haus in Bel Air im Alter von 83 Jahren an einer Lungenkrankheit verstarb.

"Die Chance, dass die Serie zu etwas Bedeutsamen werden könnte, war recht gering"

Nimoy war der Sohn ukrainisch-jüdischer Einwanderer in Boston: "Sie waren Fremde und wurden dann Einheimische. Ich wurde in Boston als Einheimischer geboren, dann ging ich nach Hollywood und wurde ein Fremder", sagte er einmal. Mit acht Jahren stand er zum ersten Mal auf einer Bühne, mit 17 durfte er im Theaterstück "Awake and Sing!" mitspielen. Nach dem Wehrdienst besuchte er die Schauspielschule und spielte in Serien wie "Dragnet" und "Bonanza" mit.

1965 wurde er von Gene Roddenberry zum Casting für "Star Trek" eingeladen, beim Vorsprechen sagte er: "Faszinierend!" Er bekam die Rolle. "Ich habe zunächst nicht über diese Figur nachgedacht - die Chance, dass die Serie zu etwas Bedeutsamen werden könnte, war recht gering", sagte Nimoy. "Aber die Zeit von Spock war gekommen: Er repräsentiert eine praktische, logische Stimme in einer Zeit voller Zwietracht und Chaos."

Anders als viele andere Seriendarsteller wusste Nimoy bald zu schätzen, dass er für immer mit dieser einen Figur assoziiert werden würde, auch wenn er andere Rollen übernahm, eine Dokumentarserie moderierte und erfolgreich als Regisseur arbeitete. Er schrieb zwei Bücher mit den Titeln "I Am Not Spock" (1975) und "I Am Spock" (1995) und engagierte sich für wissenschaftliche Projekte.

Großväterlicher Rat via Twitter

Mit Ruhm ging er ebenso sarkastisch um, wie es die von ihm verkörperte Figur getan hätte. Als ihm eine Frau bei einem Vortrag mitteilte, dass er ein Sexsymbol sei und in erotischen Träumen vieler Frauen vorkäme, sagte er nur: "Mögen all ihre Träume wahr werden."

Selbst seine chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD machte er mit einem Zitat seiner Star-Trek-Figur öffentlich. Er schrieb auf Twitter: "Ich habe vor 30 Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Nicht früh genug. Ich habe COPD. Großvater sagt: Hört jetzt auf!! LLAP (Live Long and Prosper)

." Leonard Nimoy hatte ein langes und gedeihliches Leben. Vor allem aber war es: faszinierend.