Zum Tod von Philip Seymour Hoffman Geliebter Kauz

Philip Seymour Hoffman bei der Premiere von "The Master". Der Oscar-Preisträger wurde im Alter von 46 Jahren tot aufgefunden.

Später Ruhm, früher Tod: Philip Seymour Hoffman musste erst in zahllosen Nebenrollen glänzen, bevor ihn Hollywood für Hauptrollen entdeckte. Nun starb der Oscar-Preisträger, 46-jährig, überraschend in seiner Wohnung in New York. Nachruf auf einen atemberaubenden Schauspieler.

Von Ruth Schneeberger

Einer seiner Lieblingssätze lautete, Menschen seien nun mal nicht normal. "Keiner ist es. Also kann ich auch keine normalen Rollen spielen", sagte Philip Seymour Hoffman einst der Frankfurter Rundschau. Das war 2009, er hatte bereits einen Oscar erhalten für seine so eigenwillige wie überzeugende Darstellung des exzentrischen Schriftstellers Truman Capote (2006), und er konnte sich die besten Rollenangebote mittlerweile herauspicken.

Trotzdem spielte der einst als "fulminantester Nebendarsteller der Welt" bezeichnete US-Schauspieler weiterhin am liebsten - und am besten - genau jene Charaktere, die eben nicht ganz normal waren. Und denen er mit seiner ganzen Leibesfülle trotzdem eine Selbstverständlichkeit einhauchen konnte, eine Allgemeingültigkeit, die beeindruckend war. Selbst den erbärmlichsten Gestalten, sogar den übelsten Außenseitern schenkte er in seinen Rollen Verständnis und Sympathie. Eine außergewöhnliche Portion Empathie war da im Spiel.

Burschikose Herzlichkeit, berührende Verletzlichkeit

So war es schon in "Flawless" (1999), wo er den transsexuellen Rusty mimt, der sich um einen Schlaganfallpatienten in seiner Nachbarschaft kümmert - und damit die Macho-Denke des Mannes nachhaltig erschüttert. "Zwischen burschikoser Herzlichkeit und berührender Verletzlichkeit", lobte die Süddeutsche Zeitung damals seine Darstellung. So war es auch als Stalker in "Happiness", als Snob in "Der talentierte Mr. Ripley" und in fast allen Filmen von Paul Thomas Anderson ("Magnolia", "The Master", "Boogie Nights"), zu dessen männlicher Muse Hoffman avancierte - so wie Robert De Niro einst Martin Scorseses Muse war.

Erst nachdem der blonde Barde mit dem gemütlichen Äußeren eine überaus stolze Reihe von Nebenrollen in engagierten Independent-Verfilmungen vorweisen konnte, ließ Hollywood ihn Hauptrollen übernehmen. Und konnte dann kaum genug bekommen von seinem eindringlichen Spiel. Sogar in Blockbustern ("Mission Impossible 3" und "Roter Drache") war er nun zu sehen. Ob als legendärer Rockkritiker in "Almost Famous", als obsessiver Spieler unter dem Deckmantel des biederen Bankangestellten in "Owning Mahony", als lüsterner Pfarrer in "Cold Mountain" oder als schüchterner Junggeselle in "Jack in Love": Seine Figuren blieben in Erinnerung, weil sie anrührten.

Recherche, Vorbereitung, Vorstellungskraft, das sei schon alles und doch sehr harte Arbeit, sagt er 2009 der Süddeutschen Zeitung, nach dem Geheimnis seiner Intensität befragt. Und dass sein mimisches Spiel nicht so herausragend sei, deshalb müsse er mehr aus seiner Körperlichkeit heraus agieren als andere. Bodenständigkeit, Humor und nicht zuletzt die Außenseiter-Erfahrungen als Übergewichtiger, die er in Hollywood wohl immer wieder hat machen müssen, halfen ihm dabei.