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Zum Tod von Michael Crichton Läufer mit der Zeit

Er verfasste Bestseller wie "Jurassic Park" und ersann den TV-Hit "Emergency Room". Nun ist der Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur Michael Crichton in Los Angeles gestorben.
Thomas Steinfeld

Die Helden in den Romanen und Filmen von Michael Crichton sind aufgeregte Menschen - und vor allem: Sie sind Läufer. Immer müssen sie rennen, weg von den großen, alten Tieren wie in "Jurassic Park" (1990) oder von aufgebrachten, nicht ganz so alten Rittern wie in "Timeline" (1999), gegen die Zeit wie in "Disclosure" (1994) oder in "Beute" (2002).

Der US-Schriftsteller Michael Crichton ist in Los Angeles gestorben.

(Foto: Foto: Reuters)

Gelehrter mit Phantasien

Keinen Schriftsteller gab es, der wie Michael Crichton war: einen, der gleichermaßen als besonnener Gelehrter auftreten und gleichzeitig den Stoff für volkstümliche Phantasien liefern konnte. Um dann, leise, aber voller Freude, zu erzählen, wie es ihm gelang, einen ganzen Kongress von Biotechnologen davon zu überzeugen, dass die Geschichte, die er in "Jurassic Park" erzählt hatte, Wirklichkeit werden könne.

Hier sehen Sie ein Video zu Leben und Schaffen von Michael Crichton.

Das war von vornherein so gewesen: Michael Crichton hatte an der Harvard University Medizin studiert, er war Arzt, als er seine erste Kriminalgeschichte schrieb - "Die Intrige", die in einem Krankenhaus spielt und genau so von seinen eigenen Lehrjahren handelt, wie es Mitte der neunziger Jahre die Fernsehserie "Emergency Room" tat. An die Stelle der persönliche Erfahrung aber trat bald die Recherche, in dem Maße, in dem er die jüngste Vergangenheit als Zeit seiner Geschichten verließ und sich der nahen, der unmittelbaren Zukunft zuwandte.

Der böse Computerchip in "Runaway" (1984), die Industriespionage in "Nippon Connection" (1992/93), das außerirdische Leben in "Sphere", die entfesselten Nano-Maschinchen in "Beute" - all diese Ideen sind auf der Grundlage von Studien entstanden, denen man das Prädikat "wissenschaftlich" nicht absprechen kann. Wobei es sich mehrmals erwies, nicht nur bei "Jurassic Park", dass der phantastische Überschuss an diesen Geschichten kleiner war, als die Wissenschaft zunächst vermutet hätte.

Michael Crichton war ein Geschäftsmann. Er dachte in Projekten, aber sein eigentliches Genie äußerte sich in Figuren. Welch eine Saurierschwemme löste "Jurassic Park" aus, welche Konflikte "Welt in Angst", sein letzter Thriller (2004), in dem eine verbrecherische Bande von Ökologen die Katastrophen produzieren will, vor denen sie die Menschheit fürchten lässt.

Und wenn er die Figuren einmal hatte, ließ er sie wandern, vom Buch in den Film, vom Film ins Spielzeug, vom Spielzeug ins Buch, bis ein Imperium beieinander war. Warum? Darauf angesprochen, dass sein Nachbar Don Henley, der Schlagzeuger der Eagles, nach Jahrzehnten wieder mit seiner Band auftreten wolle - er habe doch genügend Geld - antwortete Michael Crichton: "There is no enough." Die Worte klangen nicht froh. Am Dienstag ist Michael Crichton, sechsundsechzig Jahre alt, in Los Angeles gestorben.