Zum Tod von Joachim Fuchsberger Jauch plus Pilawa plus Kerner im Quadrat

Joachim "Blacky'" Fuchsberger 1985 in seiner ARD-Show Heut Abend

(Foto: Getty Images)

So populär war nur einer. Joachim "Blacky" Fuchsberger war der erste deutsche Filmstar nach dem Krieg und im Fernsehen omnipräsent. Ein Gentleman ist er geblieben - bis zuletzt.

Von Christian Mayer

Wer in München wirklich zu den Prominenten zählt, der hat einen Ehrenplatz sicher beim Einzug der Wiesnwirte. Einen Ehrenplatz auf einer der festlich geschmückten Kutschen, die am Morgen des ersten Oktoberfesttages im Schritttempo von der Innenstadt zur Theresienwiese fahren. Man sitzt da sehr bequem auf Augenhöhe mit den Brauereirössern und genießt das Spektakel, bei dem das Fußvolk der Wiesn-Prominenz begeistert zujubelt.

Auf dieser Kutsche, die wie ein Sinnbild für seine sanft auf und ab schaukelnde Karriere war, hat sich Joachim Fuchsberger wohlgefühlt. Viele Jahre lang wurde er so durch München befördert, neben ihm saß dann seine Frau Gundula, seine Managerin, Beraterin und Gefährtin, mit der er sechs Jahrzehnte verheiratet war. Wenn ihn die Leute erkannten, und das war unvermeidlich, dann riefen sie "Blacky", und es ging ein Lächeln über sein Gesicht.

Erzählwütiger Entertainer

Joachim Fuchsberger hat deutsche Fernsehgeschichte geschrieben, das war der Grund für seine enorme Popularität, die selbst dann anhielt, als er gesundheitsbedingt kürzer treten musste. Der Herr mit den silberweißen Haaren, der so wunderbar skeptisch dreinblicken konnte, um im nächsten Moment gleich wieder herzlich zu lachen, besaß noch immer viele Fans, er blieb, trotz sporadischer Abwesenheiten vom Glamourgeschäft, irgendwie immer da. Anders ist es nicht zu erklären, dass seine beiden späten Erinnerungsbücher "Denn erstens kommt es anders. . ." und "Altwerden ist nichts für Feiglinge" Bestseller wurden. Hier konnte man ihn noch einmal erleben, den manchmal schon gefährlich ehrlichen, erzählwütigen Entertainer, der den Tücken des Alters trotzen wollte. Der vor allem gegen die Weinerlichkeit, gegen das Gegreine und Genöle anschrieb, aber nicht frei war von Selbstherrlichkeit.

Ein Entertainer wollte Blacky Fuchsberger sein, wobei sich seine Exzentrik in Grenzen hielt. Er war eben mehr der alten Schule verpflichtet, der angelsächsischen Tradition des Gentleman-Moderators, der sogar dann seriös wirkt, wenn er gerade unverschämt wird. In einer gepflegten Unterhaltung darf man zwar mal Scheiße sagen, wenn es der Anlass erlaubt, aber es gibt auch so etwas wie Selbstdisziplin, einen eingebauten Nichtigkeitsfilter. Insofern war er das Gegenteil der Befindlichkeits-Schwätzer, die heute von Sendung zu Sendung ziehen. Ihm war es wichtig, die Form zu wahren, ob im gepflegten Anzug in der ARD-Show "Auf Los geht's los", im legeren Sporthemd als Moderator der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in München 1972 oder im dezenten Trachtenjanker als Stammgast beim Oktoberfest.

Glück hatte Fuchsberger schon als ganz junger Mann, als er den Zweiten Weltkrieg ohne Schrammen überstand. Bereits mit 16 war er zu den Fallschirmspringern eingezogen worden, doch ein letzter, irrwitziger Einsatz hinter den feindlichen Linien bei Aachen scheiterte unter dramatischen Umständen, "ein absolutes Himmelfahrtskommando", wie Fuchsberger gerne erzählte. Nach der Rückkehr aus britischer Kriegsgefangenschaft, in der er den Spitznamen "Blacky" erhielt - eine französische Freundin konnte das "Jacky" offenbar nicht so gut aussprechen - kam er über Umwege zum Rundfunksender München. Der junge Mann hatte das nötige Aussehen und das Auftreten, und so wurde aus dem Radiosprecher bald ein Schauspieler.

"Er war ein Kumpel"

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