Zum Tod von James Last Halb so verrückt wie Axl Rose

Mit seiner Musik verbreitete er vor allem gute Laune. Doch James Last leistete sich auch einige versteckte - beinahe revolutionäre - Anwandlungen. Jetzt ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Von Helmut Mauró

Angefangen hat er als der beste deutsche Jazz-Bassist, spielte im NDR-Rundfunkorchester, war Komponist und Arrangeur für Freddy Quinn und Caterina Valente. Dreißig Jahre später hatte James Last mit seiner Big-Band und unkaputtbar guter Laune 80 Millionen Tonträger verkauft und 200 goldene Schallplatten an der Wand.

Und so streng man mit ihm noch bis in die frühen neunziger Jahre umging, so freundlich-milde belächelte man ihn zuletzt. Was für ein gut gelaunter reicher Mann, dachte man sich, Familie hat er auch - sein ganzes Leben swingt vor Glück. Und wovon träumt jemand, der nur Glück und Erfolg kennt? Er bewundere das Authentische an Kurt Cobain, sagte James Last.

Seit über dreißig Jahren wohnte er in Florida, in einem, wie er fand, ganz unamerikanischen Haus: "Ohne Marmor, so auf Natur gemacht, nicht poliert, ganz ursprünglich, fast bayerisch."

Aber ganz dann doch nicht. Dazu war der James, wie er in Deutschland hieß, oder der Hansi, wie ihn englische Freunde nannten, dann doch zu wenig kantig und vor allem: zu ausdauernd happy. Nachgeborenen mögen er und seine Musik vorgekommen sein wie das, was heute peruanische Panflötenbands sind: eine universale Plage, deren Beseitigung den Autoren von Southpark eine komplette Folge wert war.

Lasts seichte Sounds assoziierte man mit Bayern 3 und PS-schwachen Kleinwagen. Wegen der Musik von James Last, in der Regel glattgebügelte Arrangements bekannter Songs, musste niemand das Lenkrad verreißen. James Last verbreitete: immer Gute Laune.

Alles von ihm erschien beim "Happy Music Verlag"

Noch in einer zu seinem 80. Geburtstag erscheinenden Kompilation springt einem die CD "Happy Heart" entgegen und "Happy Brasilia", deren Rechte wie alles von James Last beim "Happy Music Verlag" liegen.

Der Titelsong "Happy Heart" löst dann tatsächlich auch ein, was ein glückliches Herz ausmacht; zumindest einen bestimmten Typus davon: Der E-Bass, der später mehr grunzt als rülpst (da unterschied sich James Last doch ein wenig vom Hard Rock), macht zunächst das Trampolin, auf dem zwei kleine Bongos Luftsprünge vollführen, vom zweigestrichenen g aus schleimt sich die E-Gitarre chromatisch vermindert nach unten und landet unausweichlich in C-Dur.