Zum Tod von Glenn Frey Eagles - eine Karriere in Songs

(FILE) Eagles Guitarist Glenn Frey Dies At 67 Photo of Glenn FREY and Joe WALSH and Don HENLEY and Don FELDER and EAGLES and Randy MEISNER FILE - 18 JANUARY 2016: The Eagles Guitarist Glenn Frey, 67, has reportedly died. UNSPECIFIED - JANUARY 01: Photo of Glenn FREY and Joe WALSH and Don HENLEY and Don FELDER and EAGLES and Randy MEISNER; L-R: Don Felder, Don Henley, Joe Walsh, Glenn Frey, Randy Meisner - posed, studio, group shot - Hotel California era (Photo by RB/Redferns)

(Foto: RB)

Von "Take It Easy" bis "Hotel California": Glenn Frey und die Eagles lebten und zerlegten den kalifornischen Traum.

Von Julian Dörr

"Peaceful Easy Feeling" (1972):

Es gibt viele Gründe, die Eagles zu hassen. Zum einen ist da diese besondere Ausprägung des Größenwahns, der Mitte der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts gedieh wie nie zuvor und nie wieder danach. Zum anderen ist da der Dude. In seiner überlebensgroßen Rolle als Philosoph im Bademantel verkündete Jeff Bridges 1998 in "The Big Lebowski": "I had a rough night and I hate the fucking Eagles." Dabei war der Beginn mit "Peaceful Easy Feeling" doch ganz friedlich und entspannt.

"Take It Easy" (1972):

Der erste Song auf dem ersten Album. Glenn Frey schreibt ihn zusammen mit seinem damaligen Mitbewohner Jackson Browne, der später so etwas wie der Bruce Springsteen der US-Westküste werden sollte. "Take It Easy" ist schönster Hippie-Eskapismus. Vietnam? Watergate? Take it easy, man! An der berühmten "corner in Winslow, Arizona" steht heute übrigens eine Bronzestatue von Jackson Browne.

"Tequila Sunrise" & "Desperado" (1973):

Auf ihrem zweiten Album, dem 1973er "Desperado", ist sie dann schon zu spüren, die typische Eagles-Hybris. Frey, Henley und der Rest inszenieren sich als Wild-West-Outlaws. Das Herzstück des Konzeptalbums bildet der Doppelschlag von "Tequila Sunrise" und "Desperado". Erst schmachtet Frey über das Leben als Vogelfreier, dann rutscht er auf die Piano-Bank und überlässt Band-Kollege Don Henley das Mikrofon für einen bitter-süßen Abgesang: "Desperado, why don't you come to your senses?"

"Ol' 55" (1974):

Eigentlich hat Tom Waits diesen Song für sein Debütalbum "Closing Time" geschrieben. Zwar war er damals schon immer der Letzte am Tresen, seine Stimme klang aber noch nach hunderten und nicht tausenden Whiskeys. Frey und Henley teilen sich mit Engelsstimmen den Gesang. Gemeinsam schleppen sie den Sperrstunden-Barden aus der Bar. Und über dem Highway geht die Sonne auf.

"Lyin' Eyes" (1975):

Ein Rockstar auf dem Höhepunkt seiner Karriere singt über untreue Frauen. Glenn Frey klang nie verletzlicher, der mehrstimmige Gesang ist herzzerreißend. Natürlich ist das großer Kitsch. Aber die Eagles zählen zum besten Kitsch, den der Pop hervorgebracht hat.

"Hotel California" (1976):

Der Monolith im Werk der Eagles - kein Mensch, der schon einmal einen Gitarrenladen oder Baumarkt betreten hat, kommt an "Hotel California" vorbei. Nichtsdestotrotz ein großer, ein wichtiger Song. "Take It Easy" ist gerade mal vier Jahre her und doch ist alles anders. "California Dreamin'" war einmal, die Hippies haben endgültig ihre Unschuld verloren. Im Hotel sind sie Gefangene ihrer Süchte und Träume, der american way of life zerbröckelt.

"Sad Café" (1979):

Der letzte Song auf der letzten Platte "The Long Run" - wenn man vorbildlicherweise das 2007er Reunion-Album "Long Road Out of Eden" ignoriert. Eagles und Egos waren zu groß geworden, die Musiker trieben auseinander, die Lichter gingen aus. Später sollte die Band wieder zueinander finden, doch für den Moment galt: Aus, vorbei, Saxofon-Solo. Wie eine tieffliegende Boeing rauschten die Eagles durch die Siebziger und zerrten den Westcoast-Pop aus den verträumten Hippie-Nestern im Laurel Canyon auf die goldkettenglitzernden Yacht-Rock-Partys, wo man mit Koks an den Nasenspitzen schon einmal in die Achtziger schnupperte.