"Es gibt ein Leben nach dem Spiegel", befand Böhme einmal. Er war so bekannt geworden, dass auch seine Ehegeschichten in der Boulevardpresse landeten. Einige Zeit nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau Monica durch Gehirnschlag im Jahr 1990 hatte er seine Nichte Daniela geheiratet, doch diese Verbindung scheiterte. Spätes Glück fand der Medienstar dann in der vierten Ehe mit der früheren DDR-Nachrichtensprecherin Angelika Unterlauf. Mit ihr wohnte er im märkischen Oderland und erfuhr viel über das Land, mit dem er einst nicht vereinigt werden wollte.
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Doch auch wenn Böhmes zweite Karriere ihn zum Talkshowgiganten machte, der einmal nur spektakulär am Rechtspopulisten Jörg Haider scheiterte - er blieb im Herzen ein Spiegel-Veteran, einer aus Augsteins Geschichts- und Geschichtenwerkstatt. Der Verleger selbst hatte ihm 1993 öffentlich nachgerufen, wie sehr er ihn im Redaktionshaus an der Hamburger Brandstwiete vermisse.
1958 war der Nationalökonom von der Deutschen Zeitung zum Nachrichtenmagazin gestoßen, auf Empfehlung seines Freundes Günter Gaus. Er begann im Hauptstadtbüro in Bonn als Wirtschaftskorrespondent, und war rasch ein geschätzte Gesprächspartner der Spitzenpolitiker, egal, ob es sich um Ludwig Erhard oder Willy Brandt handelte, mit dem er sich lange auf Spaziergängen austauschte.
1969 übernahm Böhme die Leitung des Bonner Büros, das den Charme einer männerbündischen Intellektuellen-WG hatte. Und vier Jahre später folgte er dann Günter Gaus als Chefredakteur des Spiegel.
Ein "ganz besonderer Kollege"
Die Sozialliberalen regierten, was Böhme schätzte. In seiner Ära an der Spitze des Nachrichtenmagazins erschienen die großen Enthüllungsstories, zum Beispiel über die Neue Heimat, die Flick-Affäre oder das Coop-Desaster. Höhepunkt der investigativen Serie war 1987 eine Geschichte über miese PR-Mauscheleien des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU). Da Böhme sich im Wesentlichen auf einen einzigen Zeugen, den windigen Medienreferenten Pfeiffer, verlassen hatte, war Augstein skeptisch gewesen; Mit-Chefredakteur Werner Funk hatte die Geschäfte ganz Böhme überlassen. Aber der Hesse hatte seinen Scoop.
Tatsächlich musste Barschel aufgrund der Faktenlage zurücktreten; neun Tage später starb er unter nie ganz geklärten Umständen. Die CDU verlor in Kiel die Macht. Erst 1993 kam heraus, dass die SPD frühzeitig von Pfeiffers Tricks wusste. Für Erich Böhme aber blieb die Affäre das wichtigste Ereignis seiner journalistischen Karriere. Er war ein Heros der Redaktion, ein Mann mit "bullerköpfigem Charme", wie das Fachmagazin Medien einmal schrieb, einer, der sich zum Literaturfreund und zum Gourmet entwickelte. Einer, der die schlechten Seiten des Lebens aufdeckte und die guten genoss.
Als "ganz besonderen Kollegen" würdigt der Spiegel den langjährigen Chefredakteur jetzt. "Mit Erich Böhme verlieren wir einen herausragenden Journalisten, einen großartigen Kollegen, einen wunderbaren Menschen. Wir beim Spiegel haben ihm so viel zu verdanken. Wir werden ihn vermissen", erklärten die Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron.
Am Samstag ist Erich Böhme nach einem Krebsleiden verstorben. Er wäre im Februar des nächsten Jahres 80 Jahre alt geworden.
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(sueddeutsche.de/afis)
Ich bin sehr traurig das Erich Böhme nicht mehr da ist .Seine Stimme würde heute dringend gebraucht.