Zum Tod von Charles Manson Wie ein Serienmörder zur Pop-Ikone wurde

Charles Manson wollte um alles in der Welt als Musiker berühmt werden. Als psychopatischer Verbrecher wurde er deutlich bekannter - und hat die Popkultur mindestens so beeinflusst wie sie ihn.

Von Carolin Gasteiger

Charles Manson war Serienmörder, Psychopath und Sektenführer. Er war aber auch musikalische Inspiration, Quelle und Protagonist von Büchern, Filmen und TV-Dokumentationen. Damit hat er die Popkultur mindestens so beeinflusst wie sie ihn. Oder, wie es Karina Longworth in ihrem Podcast You must remember this ausdrückt: "Popkultur war Mansons echter Verbündeter."

Charles Manson, der am Sonntagabend im Alter von 83 Jahren gestorben ist, wollte um alles in der Welt als Musiker berühmt werden. Aber er wurde als charismatischer, rassistischer und frauenfeindlicher Psychopath berüchtigt. Als düstere Ikone der Popkultur ist Manson tragischerweise bekannter geworden als er es als Musiker je hätte werden können.

Manson hatte nur ein Ziel

Charles Manson kam 1968 nach Los Angeles. Im Gefängnis, wo er wegen Diebstahls eingesessen war, hatte er Gitarrespielen gelernt und eigene Songs geschrieben. Zu Mansons Musikbegeisterung kam ein unerschütterlicher Glaube an sich selbst. Er redete sich ein, er könne größer werden als die Beatles - die einzige Band, die er respektierte. Neil Young sagte einmal über ihn: "Dieser Typ ist gut, wissen Sie. Er ist nur ein bisschen außer Kontrolle."

Im Hinterkopf immer noch den Traum einer Musikerkarriere, gründete Manson in Los Angeles bald seine eigene Kommune und scharte auf der Spahn Ranch, einer früheren Filmkulisse, zahlreiche Anhänger um sich. Schaffte er es als Musiker nicht, die Leute zu begeistern, so versuchte er es als Sektenführer.

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Auf den musikalische Durchbruch wartete er vergebens. Zwar nahmen die Beach Boys tatsächlich einen seiner Songs auf (Drummer Dennis Wilson hatte zwei seiner Anhängerinnen im Auto mitgenommen und Manson über sie kennengelernt). Aber die Tatsache, dass sie seine Texte abmilderten und etwa aus "Cease to exist" ein weit verträglicheres "Cease to resist" machten, fand Manson gar nicht lustig. Auch das gebrochene Versprechen eines Musikproduzenten, er würde Manson einen Plattenvertrag verschaffen, schürte seinen Unmut. Aus diesem Unmut, verknüpft mit anhaltendem Misserfolg, wurde bald Hass. Hass auf alle, die seine Musik nicht zu schätzen wussten. Und letztendlich: Hass auf die Gesellschaft. Frustriert und verblendet glaubte Manson bald, in den Beatles-Songs "Helter Skelter" (wörtlich Holterdiepolter, aber eigentlich eine große Vergnügungsrutsche in Brighton) und "Blackbird" versteckte Hinweise auf einen drohenden Rassenkrieg zwischen Afroamerikanern und Weißen herauszulesen.

Die Gesellschaft war im Umbruch: Ende der Sechziger interessierte sich die Jugend Hollywoods eher für Anti-Vietnam-Proteste als für Doris-Day-Schnulzen. Es war der Moment, in dem die Gegenkultur aufkam. Bands wie The Doors wüteten gegen das Establishment und Filme wie "Easy Rider" oder "Bonnie & Clyde" stilisierten Außenseiter zu Helden. Charles Manson war davon überzeugt, dass die junge Generation von einem System ausgebeutet würde und die alte Ordnung gestürzt werden müsse. Viele seiner Anhänger gehörten dieser Jugend an, die orientierungsloser und düsterer war als das alte Hollywood dachte. In Manson fanden sie eine Mischung aus Vater, Liebhaber und Gott. Mit seinem Charisma erfüllte er das Verlangen nach einer Leitfigur, einem spirituellen Vorbild. Mansons Staatsanwalt Vincent Bugliosi sagte einmal im Rolling Stone: "Er hatte diese Aura."

Manson war charismatisch, er wusste sich zu inszenieren. Das ist auch der Grund, warum Manson für die Popkultur bis heute faszinierend ist. Seiner "family" erklärte er unter Drogeneinfluss in langen Predigten seine Ideologie. Als er später in lebenslanger Haft saß, gab er Interviews, verdiente an Fanartikeln mit seinem Konterfei und schrieb eine Autobiografie. Manson soll der Häftling mit der meisten Fanpost weltweit gewesen sein. Um den Mythos um sein wahnsinniges Wesen zu befeuern, ritzte er sich 1970 ein Hakenkreuz in die Stirn.