Zum Tod von Anita Ekberg Wie in Marmor gemeißelt

Spielereien jenseits der Leinwand haben ihr enorme Popularität verschafft: Anita Ekberg.

(Foto: Getty Images)
  • 1960 hatte Federico Fellini Anita Ekberg nach Rom geholt, sie spielte den Filmstar Sylvia. Es war der Höhepunkt ihrer Kino-Karriere.
  • Die gebürtige Schwedin begann ihre Karriere als Schönheitskönigin. Später ergatterte sie meistens nur kleine Rollen.
  • Vor allem mit Spielereien und Inszenierungen jenseits der Kamera erlangte sie große Popularität.
Von Susan Vahabzadeh

Es mag vielleicht nicht den einen Augenblick geben, in dem das Nachkriegskino sich in das der wilden Sechziger verwandelte; aber einer der schönsten und berühmtesten der vielen Augenblicke, in denen sich diese Wandlung vollzog, gehörte Anita Ekberg.

1960 hatte Federico Fellini sie nach Rom geholt, sie spielte den Filmstar Sylvia, dem Marcello Mastroianni als zweifelnder Klatsch-Journalist bei ihrem Besuch in Rom folgt. Schwarzes Kleid, weiße Stola, die blonden Haare - als Sylvia sah sie ein bisschen so aus, als wäre sie gemacht für den Schwarz-Weiß-Film, und Mastroianni betrachtet sie wie ein Kunstwerk; im Gegenzug behandelt sie ihn ungefähr so wie das kleine Kätzchen, das sie bei dem Streifzug durchs nächtliche Rom aufgelesen hat, auf der Flucht vor den Fotografen, die sie seit ihrer Ankunft am Vormittag belagern, Paparazzo heißt einer von ihnen.

Ekberg inszenierte sich auch jenseits der Leinwand perfekt

Dann entdeckt sie die Fontana di Trevi, entledigt sich des Kätzchens und der Nerzstola und steigt in den römischen Brunnen. Sie steht in dieser Szene da wie eine Statue, wenn Mastroianni ihr in den Brunnen folgt - eine in Marmor gemeißelte Schönheit.

Es war der Höhepunkt ihrer Kino-Karriere, aber viel Spaß hatte sie bei der Arbeit daran nicht: Stundenlang, hat sie in einem ihrer letzten Interviews 2013 erzählt, wurde die Szene wiederholt. Diese spielt zwar in einer Sommernacht, aber es war ja nur das nachgespielte süße Leben: Es war Winter, und sie stand mit nackten Beinen im Wasser, bis Ekberg sie kaum noch spürte.

Das Bad im Brunnen ist Anita Ekbergs berühmtester Auftritt geblieben, dabei hatte sie tatsächlich einen Umweg über Hollywood gemacht, bis sie in Rom landete: Damals war Ekberg, in den USA zu einem der wichtigsten Nachwuchsstars ausgerufen, auch im richtigen Leben so eine wie die Film-Sylvia.

Am 29. September 1931 in Malmö geboren, war die Schwedin als 19-Jährige, zehn Jahre vor dem Auftritt bei Fellini, nach Amerika gekommen. Sie war Miss Schweden und gehörte zu den Finalistinnen des Wettbewerbs um den Titel der Miss Universe. Sie verlor zwar den Kampf um den Titel, aber sie bekam einen Vertrag bei Universal, lernte Howard Hughes kennen und ergatterte einige kleine Rollen.

Das Studio hatte ihr Schauspielunterricht verordnet - oft ging sie, erzählte sie später, aber gar nicht hin. Sie hatte mehr Freude daran, zum Reiten zu gehen, sie heiratete und trennte sich wieder, kam wegen Affären mit Schauspielern ins Gerede.

Als Pin-up-Girl musste sie ja auch nicht spielen, sie hatte wenig Ehrgeiz, und irgendwie klappte es dann ja doch mit dem Berühmtwerden. Einige ihrer späten Eingeständnisse erinnern einen daran, dass auch damals schon die Inszenierung Teil des Spiels war: So platzte ihr einmal ein Kleid in einer Hotellobby - was sorgfältig vorbereitet war.

Solche Spielereien jenseits der Leinwand haben ihr enorme Popularität verschafft, es war die erste große Ära der Paparazzi, denen Fellinis "La Dolce Vita" ja auch erst den Namen verpasste. Man verglich sie Ende der Fünfziger mit Marilyn Monroe - dabei hatte sie keinen einzigen Auftritt vorzuweisen, der tatsächlich den ganzen Film getragen hätte.

Die erste größere Rolle spielte sie dann 1955 in "Der gelbe Strom", neben John Wayne - als Chinesin Wei Ling, mit Kind auf dem Rücken! Eher schon Typecasting waren die beiden Auftritte, für die Frank Tashlin sie verpflichtete, mit Jerry Lewis und Dean Martin - als Martins Ex in "Artists and Models", ebenfalls 1955, und im Jahr darauf, als Hollywoodstar, den Jerry Lewis unbedingt kennenlernen will in "Hollywood or Bust" - deutscher Titel: "Alles um Anita". Und dann war da noch Elena, in "Krieg und Frieden", die Ehefrau von Pierre Besuchow (Henry Fonda) in King Vidors Tolstoi-Verfilmung (1956).

Ein süßes Leben

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Eigentlich waren das alles keine richtig großen Rollen - und nach der Sylvia bei Fellini ist das Image der Statue, der in Marmor gemeißelten Schönheit, sowieso auf ewig an ihr haften geblieben - keine Karriere, die das Altern gut verkraftet. Anfang der Sechziger gab es noch ein paar größere Auftritte, aber dann kamen fast nur noch echte B-Movies, bis zu einem Auftritt als sie selbst, in Fellinis "Intervista" (1987).

In den letzten Jahren machte Anita Ekberg, die Italien nach den Dreharbeiten zu "Krieg und Frieden" zu ihrer Heimat gemacht hatte , nur noch von sich reden, weil sie bankrott war. Am Sonntag ist Anita Ekberg im Alter von 83 Jahren gestorben.