Es war die erotische Lässigkeit in Kurt Hauensteins Stimme, die den Song "Lovemachine" der Gruppe "Supermax" zum Disco-Hit machte. Nun starb der backenbärtige Popmusiker in Wien.
Pop ist eine nostalgische Angelegenheit, die ab einem gewissen Alter ein bisschen so funktioniert wie der Geruchssinn. Es reicht schon ein Hauch eines Aromas, um die Erinnerungen an Stimmungen und Situationen ins Gedächtnis zu rufen. Weswegen Nachrufe auf Popstars oft auch so emotional geraten, weil sie eben nicht nur die Erinnerung an die Werke des Verblichenen, sondern auch an die Momente der eigenen Biografie erinnern, die sich beim Pop meist in der Jugend finden.
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Dunkle Pilotenbrillen, nietenbesetztes Leder und ein dicker Schnauzbart, der über die Jahre mit seinen ebenso buschigen Koteletten zusammenwuchs: Das war Kurt Hauenstein, Kopf der Gruppe "Supermax". (© Universal)
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Nun ist also in der Nacht zum Montag Kurt Hauenstein gestorben, der Wiener Musiker, den man außerhalb seiner Heimatstadt vor allem als backenbärtigen Kopf der Gruppe Supermax kannte. 1978 kam die mit einer Single heraus, die den schlichten Titel "Lovemachine" hatte.
Der Song funktioniert auch heute noch irgendwie, so wie ja fast alles heute durch die Ironiebrille des Retropop noch funktioniert. Damals aber hatte der Song gewaltige Wirkung auf einen 15-Jährigen, der nachmittags auf dem Volksfest ein wenig beim Autoscooter mithelfen durfte und für den der Generalschlüssel mit dem Fuchsschwanz-Anhänger so etwas wie ein erster Vorgeschmack auf eine breitbeinige Männlichkeit war, die man auf der Oberschule nicht finden konnte.
"Lovemachine" war der ideale Soundtrack für diese unverblümte Form musikalischer Sexualität, die man damals sonst höchstens in den Soulplatten von Isaac Hayes und Barry White fand.
Supermax' Geheimnis war die erotische Lässigkeit in Kurt Hauensteins Stimme, der Anzüglichkeiten mit dem eiskalten Gestus des Pimps deklamierte, jener Karikatur des schwarzen Zuhälters, der zu dieser Zeit in Filmen wie "Shaft" und "Superfly" zum Archetyp der Popkultur wurde.
Es half natürlich, dass die Band eine Form von Funk spielte, die an die Soundtracks von Pornofilmen erinnerte, dass Hauenstein dunkle Pilotenbrillen trug, nietenbesetztes Leder und einen dicken Schnauzbart, der über die Jahre mit seinen ebenso buschigen Koteletten zusammenwuchs, und dass er sich gerne mit Sängerinnen fotografieren ließ, die diese Aura deutlich unterstrichen.
Die Musiker wechselten über die Jahre. Aber Hauenstein blieb seiner musikalischen Mischung aus Disco, Reggae und Afro treu. Seine Pionierleistungen waren dann auch eher politischer Art. 1980 war Supermax die erste westliche Popgruppe, die in Ostblockländern wie Jugoslawien, Bulgarien, Ungarn und Rumänien auftreten durfte. Ein Jahr später war sie die erste Band mit weißen und schwarzen Musikern, die durch das Apartheidsland Südafrika tourte. 1983 war Hauenstein der erste weiße Musiker, der beim Reggae Sunsplash Festival in Jamaika auftrat.
In Osteuropa hat man Supermax bis heute nicht vergessen. 2007 trat Kurt Hauenstein mit seiner Gruppe in Bulgarien vor 60000 Zuhörern auf. Nun ist es in seiner Heimatstadt Wien unter noch ungeklärten Umständen gestorben. Man vermutet einen Herzinfarkt. Er wurde 62 Jahre alt.
(SZ vom 22.03.2011/rus)
Ich war (Jahrgang 1968) höchstens 12 oder 13 - da lief Supermax im DDR Fernsehen. Ich war damals schon und bin es immer noch, ein Hardrock- Fan. Supermax - anderes Genre hat mir gefallen. Und gefällt mir heute immer noch. Ich habe von Supermax die LP's und CD's gekauft. Heute komme ich aus der Nachtschicht und lese, das der Sänger Kurt Hauenstein verstorben ist. Mir geht's genauso schlecht wie damals bei Freddy Mercury. Wer kann solche Musik jetzt weitermachen??? Die Stimme von Kurt Hauenstein war einmalig und der Sound natürlich auch.
Rest In Pease
Ich habe gerade erfahren das Kurt Hauenstein gestorben ist. Ich wollte noch in diesem Jahr das Konzert bei den Afrika-Tagen in Wien anschauen, da ich es letztes Jahr verpasst hatte.
Eine Bemerkung an den Verfasser des Textes Andrian Kreye:
Supermax bestand nicht nur aus dem Song "Lovemachine", denn K. Hauenstein brachte insgesamt 15 Alben heraus. Sämtliche Alben haben einen sehr politischen Hintergrund, weshalb er unter anderem in Deutschland und Österreich Auftrittsverbot hatte. Er wurde erfolgreich von der Musikpresse, Radio und Fernsehen ignoriert, sodaß seine Platten hierzulande bei den meisten völlig unbekannt sind. Es war auch nicht sein bestreben in die Discoschiene gepackt zu werden, was den Leuten von der Musikmafia, die keine Ahnung von Musik haben, gepasst hatten.
Ich kann nur jedem raten, der gute Musik, gepaart von anspruchsvollen Texten, die bereits auf dem Markt erhältlichen CD's an zu hören.
Es mir ein Rätsel, warum hier in Deutschland, ein Künstler immer auf ein Lied minimiert wird. Anscheinend ist es so, dass zuviele Leute in der Musikbranche sitzen, die absolut keine Ahnung von Musik haben. Sie brauchen nur mal in Radiostationen anrufen, und fragen, ob sie "Saturday Night von Lynyrd Skynyrd" spielen. Die Antwort ist garantiert: Kenne ich nicht, war das mal auf Nr.1?
So ist es auch mit Supermax. Ich besitze alle Alben, und höre sie mir auch gerne an. Es ist egal, wie alt manche Lieder sind, was gut war, bleibt gut! Kein Mensch wird in 10 oder 20 Jahren wissen, was heute im Radio gespielt wird.
Rest in Peace Kurt Hauenstein.
Du hast mir wundervolle Momente geschenkt. Dein Groove hat mich zum erbeben gebracht. Zwei sündteure Boxen gaben den Geist auf. Du hast deinen Platz in meinem Herzen direkt neben Falco und Freddy Mercury.
Danke Kurt Hauenstein. Friede deiner Asche.
The death of cool.
...nunja, solche Musik muss es wohl leider auch geben...
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