Zum Tod des Musikers Die besten Songs von Prince

Sich anpassen? Nicht mit Prince.

(Foto: Reuters)

Prince schaffte es, sexuelle Anzüglichkeiten zu Welthits zu machen - und dabei ganz entspannt so hoch zu singen wie Kate Bush. Ein persönliches Best-of.

Von Johanna Bruckner

1) I Wanna Be Your Lover (1979)

Es gibt wenige Lieder, die so charakteristische erste Klänge haben wie "I Wanna Be Your Lover". Dazu singt Prince mit einer Stimme, die - wie die amerikanische Webseite Vox schreibt - auch gut in einen "Chic song" passen würde. Soll heißen: Der junge Prince macht in "I Wanna Be Your Lover" Kate Bush Konkurrenz - allerdings nur in Sachen Stimmlage. Während Bush immer etwas verkrampft klingt, bringt Prince seine Stimme scheinbar mit Leichtigkeit in geschlechterverwirrende Höhen. Ach ja, saustarke Lyrics hat der erste große Hit des Sängers auch. Denn Prince träumt nicht den ermüdenden Ich-will-der-einzige-Mann-für-Dich-sein-Baby-Traum. Er will viel lieber "the only one you come for" sein.

2) Sister (1980)

Ja, Prince liebte die sexuelle Provokation - das war vielleicht nie so offensichtlich wie auf seinem dritten Album "Dirty Mind" (1980). Cleane Beats, dreckige Lyrics - so urteilte, frei übersetzt, der Kritiker des Rollings Stone. Die Plattenfirma Warner Bros. sah sich genötigt, das Album mit einem warnenden Sticker zu versehen: "audition prior to airing". Warum nun die ganze Aufregung? "Sister" dürfte ein Grund gewesen sein, jener gerade einmal 90-sekündige Song, der die inzestuöse Geschwisterliebe feiert. Zumindest vordergründig. Denn letztendlich ging es Prince immer auch um die absolute Freiheit - allen voran die der Gedanken.

3) 1999 (1982)

Was würden wir tun, wenn jeden Tag eine Atombombe hochgehen könnte? Na klar, tanzen, bis nichts mehr geht! Diese einzig richtige Antwort fand Prince 1982, inmitten des Kalten Krieges. Seine Botschaft zieht sich auch durch die Musik: "1999" ist ein Popliedchen im allerbesten Sinne, es knallt, dudelt und sprüht, dass es eine helle Freude ist. Und was könnte in schweren Zeiten ständiger Bedrohung politischer sein als eine funkige Ode an die Lebensfreude?

4) When Doves Cry (1984)

Welche Worte wären besser geeignet, um den Tod eines Musikers wie Prince zu betrauern, als seine eigenen? "This is what it sounds like when doves cry", twitterte Whoopi Goldberg am Donnerstagabend. So klingt es, wenn Tauben weinen. Der gleichnamige Song vom Album "Purple Rain" erreichte als erste Nummer nach Michael Jacksons "Billie Jean" gleichzeitig die US-Chartspitze in so unterschiedlichen Genres wie Pop, Black und Dance. Zu Synthieklängen und mit Kitschvokabeln erzählt der Sänger die Geschichte einer gescheiterten Liebe, es geht um den Schweiß der Leidenschaft, einen Ozean aus blühenden Veilchen und das Beben im Bauch, das die Berührung der einst Liebsten auslösen konnte. Soweit so klischeelastig. Aber natürlich hat auch dieses Lied den typischen Prince-Twist, in diesem Fall: seine fast roboterhaft unbeteiligte Stimme. Und herrlich fiese Liedzeilen wie diese: "Maybe you're just like my mother/She's never satisfied".

5) Purple Rain (1984)

Hach. Sehr viel mehr müsste man eigentlich nicht sagen über dieses wahrscheinlich schönste Schmachtlied, das jemals geschrieben und niemals schöner gesungen wurde als von Prince. Beziehungsweise von "The Kid", jenem autobiografischen Charakter, den Prince im Film "Purple Rain" verkörpert (den Oscar gab es aber zu Recht für die beste Filmusik). Und erst dieses Gitarrensolo! Prince' Name fällt selten, wenn es um virtuose Gitarristen geht wie Jimi Hendrix, Eric Clapton oder Jimmy Page - was schlicht daran liegt, dass Prince einfach in zu vielen Dingen zu gut war. Einer wie er, der muss sich eigentlich für nichts entschuldigen, nicht bei seinem Vater, nicht bei einer verflossenen Liebe, nicht bei seinen ehemaligen Bandmitgliedern - all jene soll Prince/The Kid in seinem größten Hit ansprechen. Aber am Ende geht es wohl doch um etwas anderes, darum, sich selbst treu zu bleiben.

Oder wie es Prince formulieren würde: "Purple rain, purple rain/I only want to see you/Only want to see you/In the purple rain".

6) Rasperry Beret (1985)

Mitte der Achtzigerjahre war Prince ein großer Star, als sein siebtes Studioalbum "Around the World" herauskam. Zwar keine komplette musikalische Bruchlandung, aber zumindest ein Stolperer. Vielleicht lag es auch daran, dass sich Prince zunehmend der Marketingmaschinerie des Business' verweigerte. Zunächst wurde kein Song ausgekoppelt, die Radiostationen sollten die Lieder selbst auswählen. Dann kam mit "Rasperry Beret" doch noch eine Single heraus. Ein Song, der beweist: Selbst ein durchschnittlicher Prince-Song ist noch besser als vieles, wofür andere Popkünstler gefeiert werden.

7) Kiss (1986)

Musikalische Wegwerfware. So begann die Geschichte von "Kiss" - am Ende sollte es einer jener Prince-Songs werden, die heute in Clubs dieselbe Daseinsberechtigung haben wie vor 30 Jahren. Weil sie unverkennbar sind, eigen und doch massentauglich, zeitlos modern. Nur jemand wie Prince schafft es, einen ironischen Macho-Song zu komponieren, der irgendwie auch eine Frauenhymne ist. "Women not girls rule my world" - yeah!

8) 7 (1992)

1992 lag der letzte größere Hit von Prince schon einige Jahre zurück - dann kam "7", der es, richtig, bis Platz 7 der US-Billboard-Charts schaffte. Worum es in dem Song genau geht? Uneindeutig. Kritiker einigten sich zumindest auf ein Oberthema: Religion (die sieben Todsünden, sieben Weltreligionen). Eigentlich ist es aber auch egal, denn wer es schafft, in einem Moment wie Michael Jackson, im nächsten wie George Michael zu klingen, und dazu noch sämtliche Chorstimmen selbst zu singen - der dürfte auch über Leberwurst oder Schuheinlagen singen.

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Er lebte für die Musik, die Kunst - und inspirierte die Pop-Nachwelt in vielerlei Hinsicht. Von Carolin Gasteiger mehr ...