Von Susan Vahabzadeh

Mit der amerikanischen Traumfabrik hatte er gebrochen, bei Bertolt Brecht und Max Reinhard lebte er auf. Er vermählte den film noir mit Licht und Lust und schrieb die Vorlagen der Ocean's Filme. Am Montag verstarb Filmemacher Jules Dassin.

"Night and the City", 1950 gedreht, ist ein Band gewesen zwischen dem Regisseur Jules Dassin und seinem Hauptdarsteller Richard Widmark, schicksalshaft für beide, die nun gestorben sind innerhalb weniger Tage. Der Film brachte Dassin nach Europa, wo sich der erfolgreichste Teil seiner Karriere abspielte; und er markierte einen Wendepunkt für Widmark, der den Antihelden spielte, einen kleinen Londoner Gangster. "Ich hatte immensen Respekt vor ihm als Schauspieler", sagte Dassin, "und habe den Verlauf, den seine Karriere nahm, bedauert. Ist vielleicht schwer zu glauben, aber nach dieser großartigen Zusammenarbeit bei 'Night and the City' wollte ich, dass er für mich Hamlet auf der Bühne spielt. Aber er hatte Angst . . . Hollywood hatte ihn in die Falle gelockt."

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In Hollywood hatte Dassin selbst angefangen, hatte "Brute Force" mit Burt Lancaster gedreht und "Die nackte Stadt", aber in die Falle ist er nicht gegangen. Er erfand in Europa sein eigenes Kino, vermählte den film noir, mit dem er in den USA begonnen hatte, mit Licht und Lust, und schrieb - ein frühes Autorenkino - selbst die Scripts. Er wurde so zu einem der erfolgreichsten Filmemacher der Nachkriegszeit, mit dem in Frankreich gedrehten "Rififi", für den er 1955 in Cannes einen Regiepreis erhielt, dem fast zehn Jahre später entstandenen "Topkapi", mit Maximilian Schell und Melina Mercouri - zwei lustvolle, ausgeklügelte Gaunerstücke, Vorbilder aller heist movies bis zu den "Ocean's"-Stücken.

"Ich wollte ein Held sein"

Und da war jener Film, der seine Frau Mercouri, die er kennengelernt hatte, als er mit "Rififi" in Cannes war, zu einem Star machte: In "Sonntags nie", 1960, inszenierte er sie als lebenslustige Prostituierte und sich selbst als den Amerikaner, der sie zähmen will - Ilya und Homer heißen die beiden, und Ilya erweist sich als zu groß, Homer kriegt sie nicht recht zu fassen.

Julius Dassin wurde am 18. Dezember 1911 in Middletown, Connecticut, geboren, eines von acht Kindern jüdischer Immigranten. Er wuchs in der Bronx auf, nach ein paar Jahren am Theater - er begann als Schauspieler, wechselte aber schnell zur Regie - ging er an die Westküste, dem Kino entgegen.

Seine Jahre in Hollywood, die Zeit als Schauspieler, die Verträge mit den Studios hatte er in schlechter Erinnerung, "es war wie eine Gefängnisstrafe", er bandelte lieber mit den Immigranten an, Max Reinhardt und Brecht. Dassin war Kommunist und kam auf die Schwarze Liste, weshalb ihm der Fox-Boss Zanuck bei "Night and the City" riet: "Mach den Film in London, und fang mit den teuren Szenen an, bevor sie dir das wieder wegnehmen!"

Dassin sollte vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe: "Ich wurde vorgeladen und war glücklich, denn ich wollte ein Held sein. Ich hatte eine Rede vorbereitet. Aber dann wurde Eisenhower gewählt, und die Anhörung abgesagt." Dassin hat die USA dennoch verlassen, aber die Rede hat er aufgehoben.

Im Pariser Exil engagierten sich Dassin und Mercouri gegen die griechische Militärjunta, der Brechtsche Geist blieb immer da. Einen Film drehte Dassin noch in den USA, "Up Tight", 1968, Rebellion im Schwarzenghetto. Selbst das hielt er für einen Fehler. "Man musste dort plötzlich mit hundert Leuten am Set arbeiten - inzwischen haben sie zweihundert." 1974, als die Demokratie wiederhergestellt war, ging Dassin mit Mercouri nach Athen, wurde Ehrenbürger, und blieb dort nach ihrem Tod 1994. Am Montag ist er dort im Alter von 94 Jahren gestorben.

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(SZ vom 2.4.2008/ehr)