Nicht nur das verband Ruth Drexel mit der großen Volks- und Charakterschauspielerin Therese Giehse, mit der sie oft verglichen wurde (und auch gemeinsam auf der Bühne stand) - beide zeigten stets Haltung, beide schienen aus dem selben Holz geschnitzt: zäh, klug, hart und stark. Streitbar und politisch unangepasst. Nie volkstümelnd, aber volksnah, das schon. Nie das Bayerische verleugnend, sondern es aufgeklärt verteidigend.

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1969, in Martin Sperrs "Jagdszenen aus Niederbayern" an den Münchner Kammerspielen, standen sie alle drei auf der Bühne: die Giehse, die Drexel und der Hans Brenner, und seitdem waren Brenner und Drexel nicht nur privat ein Paar, sondern auch künstlerisch. Die beiden zeigten in den Uraufführungen der frühen Stücke von Franz Xaver Kroetz das Elend, die Wut, die Ohnmacht der kleinen Leute auf - nicht nur in München, auch am Staatstheater Darmstadt (von 1972 bis 1975) und danach am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Die erste inzenierende Frau

Sie waren das Kroetz-Duo schlechthin, hatten aber auch ihren Nestroy drauf, mit dessen Stück "Frühere Verhältnisse" Ruth Drexel 1978 in Düsseldorf ihr Regiedebüt gab. Am Bayerischen Staatsschauspiel war sie 1981 bei Nestroys "Talisman" die erste inszenierende Frau am Haus.

Im selben Jahr gehörte Drexel zu den Mitbegründern der "Tiroler Volksschauspiele" in Telfs, wo sie Sommer für Sommer einkehrte, um das kleine Festival zu schmeißen und dort zu inszenieren, manchmal ganz schräge, kuriose Sachen wie Thomas Hürlimanns "Der Franzos in Ötz" (1994) in einer tirolerischen Freilichtfassung. Auch Mitterers "Stigma" brachte sie 1982 in Telfs zur Uraufführung.

Auch damals schon machte sie Fernsehen, spielte in bayerischen Kultserien wie "Irgendwie und sowieso" oder "Monaco Franze" mit und war die Paula in Franz Xaver Bogners "Zur Freiheit."

Ihre letzte Rolle am Münchner Volkstheater spielte sie 2005 noch einmal an der Seite von Christine Ostermayer in dem Zwei-Personen-Stück "Späte Gegend" von Lida Winiewicz, das schon 1996 Premiere hatte. Da sah man sie als Bäuerin, die ihr Leben lang geschuftet hat - eine Frau mit Eigenschaften, die man von Ruth Drexel selber kannte: Bescheidenheit, Natürlichkeit, Kampfgeist, Mut. Nicht zu vergessen ihren herzhaften bajuwarischen Humor, mit dem sie nicht nur die Fernsehzuschauer zu erheitern, sondern auch das Leben und das Theater zu nehmen wusste.

Wie erst heute bekannt wurde, ist Ruth Drexel am 26. Februar im Alter von 78 Jahren gestorben. Am Montag wurde sie in ihrem Wohnort Feldkirchen bei München beerdigt - im engsten Familienkreis, ohne jeden Medienrummel, so wie sie sich das gewünscht hätte.

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(SZ vom 5.3.2209/sueddeutsche.de/rus)